
Titel des Films: |
Star Wars: Episode V - Das Imperium Schlägt Zurück (The Empire Strikes Back) |
Produktion: |
Lucasfilm Ltd |
Kinostart USA: |
21. Mai 1980 |
Kinostart Deutschland: |
11. Dezember 1980 | Einspielergebnis USA: |
$ 290,475,067 |
Einspielergebnis Deutschland: |
€ 19.121.607 |
Offizielle Seite: | www.starwars.com |
In den unerfindlichen Tiefen des Internets wurde mal wieder ein kleiner Schatz entdeckt, ein Interviewzusammenschnitt mit den Darstellern von Das Imperium schlägt zurück aus dem Mai 1980:
Tjoa, rückblickend lässt sich feststellen: Episode IX im Mai 2001 war zweifellos ein Höhepunkt der Saga.
Heute wird Luke Skywalker 60 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch, Mark Hamill!
Zum Geburtstag blicken wir einmal mehr zurück, diesmal ins Jahr 1978, als sich das Star Wars Poster Magazine in seinem 10. Heft dem Phänomen Krieg der Sterne annahm:
Die Krieg der Sterne-Lawine rollt weiter
Vor etwas über einem Jahr wurde Krieg der Sterne auf die nichts ahnende Öffentlichkeit losgelassen – und veränderte das Leben vieler Menschen grundlegend. Kaum ein Film der letzten Jahre hat weltweit derartige Bedeutung erlangt. Es scheint, als könne sich niemand dem Wunsch entziehen, ein Teil dieses großen Weltraumabenteuers zu sein. Schon der Blick auf die finanzielle Seite beweist, dass der Film ein Riesenerfolg war. Seit dem 25. Mai 1977, als er in Amerika an den Start ging, wurden allein in den Vereinigten Staaten mehr als 88 Millionen Karten verkauft; an der Kinokasse ist Krieg der Sterne eine wahre Goldgrube mit Einnahmen von bislang 219 Millionen Dollar.
Von Amerika ging der Film nach Australien, wo sämtliche Kassenrekorde gesprengt wurden, und dann weiter nach Europa, wo er weitere 100 Millionen Dollar erwirtschaftete. Allein in Paris, so wurde errechnet, strömten verzauberte Weltraumliebhaber eine Million Mal in die Kinos.
Ein Mann, den der Erfolg des Films besonders freute, war Al Lapidus, seines Zeichens Popcornvertreter: „Die Leute, die sich Krieg der Sterne ansahen, waren dabei so aufgeregt, dass sie sich das Popcorn wie wahnsinnig reinschaufelten. Kinos, die normalerweise etwas über 70 Kilo Popcorn pro Woche verkauften, verkauften durch Krieg der Sterne um die 100 Kilo.“
Doch das war natürlich nur der Anfang der Geschichte, denn die Krieg der Sterne-Begeisterung ergoss sich von der Kinoleinwand auf viele weitere Bereiche des täglichen Lebens. Viele Sänger und Musikgruppen übernahmen beispielsweise die Botschaft von Krieg der Sterne, und von klassischen Symphonieorchestern bis zu Discogruppen spielten plötzlich alle John Williams’ bewegende Musik. Allen Erfahrungen zum Trotz, wonach Alben mit Sprachinhalten zum Ladenhüterdasein prädestiniert sind, wurde „The Story of Star Wars“ nur drei Wochen nach seiner Veröffentlichung im vergangenen November mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet und ist seither eines der erfolgreichsten Sprach-Alben aller Zeiten geworden.
Viele Menschen hatten bis dahin den Film gesehen, die Romanadaption gelesen und das Album gehört. Aber das allein war noch nicht genug. So entwickelte sich eine riesige Nachfrage nach Spielen, Spielzeug und Fanartikeln, die mit einer Flut von Plunder und Firlefanz – ohne Zweifel die Sammlerstücke von morgen – befriedigt wurde.
Anfang diesen Jahres hatte ich das Vergnügen, mit George Lucas’ Regiekollegen Steven Spielberg zu sprechen, der über den Film seines Freundes sagte: „Krieg der Sterne ist ein Spielzeugladen, ein Spielzeugladen im 35-Milimeterformat. Ich hoffe, dass die Erinnerung an Unheimliche Begegnung der dritten Art so lange überdauern wird wie George Lucas’ Wookiee-Spielzeug. Mehr wünsche ich mir nicht.“
Aber Spielzeug war nur der Anfang. Auf einer unlängst veröffentlichten Liste von Krieg der Sterne-Produkten fanden sich Schlafsäcke, Metall-Brotbüchsen, eine R2D2-Keksdose aus Keramik, ein Protonentorpedo-Modellbaukasten und eine Darth-Vader-Tasse, um nur einige zu nennen.
Jetzt ist es mit Krieg der Sterne möglich, sich anzuziehen, zu waschen, abzutrocknen, zu schlafen, sein Heim zu dekorieren, in der Schule mitzuschreiben, Briefmarken und Autos zu sammeln, Feten zu feiern und Seifenblasen zu machen.

An erster Stelle in der Käufergunst stehen jedoch Modelle der Hauptfiguren. Aus unbekannten Schauspielern wie Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill wurden als Han Solo, Prinzessin Leia und Luke Skywalker plötzlich Superstars. Schauspielveteran Sir Alec Guinness wurde durch seine Darstellung des weisen, alten Ben Kenobi zum Helden einer ganz neuen Generation.
Doch es waren die beiden Roboter – R2D2 und C3PO – die die meiste Fanpost einfuhren. Ihnen wurde sogar die höchste Anerkennung Hollywoods zuteil, als ihre Fußabdrücke vor dem Mann’s Chinese Theater in Zement gegossen wurden, als erste Maschinen seit Herbie dem tollen Käfer, dessen Reifenabdrücke dort bereits zuvor für die Ewigkeit festgehalten worden waren.
Darth Vader wurde der ultimative Schurke, den alle mit Begeisterung hassen lernten und der bei seinem Erscheinen überall hysterische Fanreaktionen auslöste. Kevin Keogh, ein Vorstandsmitglied der 20th Century-Fox erinnert sich: „Sogar in einer Kleinstadt außerhalb von Cleveland löste ein Auftritt Darth Vaders in einem Einkaufszentrum ein Verkehrschaos aus, und die Leute trampelten sich fast tot, um ihn zu sehen.“
Selbst die Sprache profitierte von Krieg der Sterne, gewann sie doch ein neues Mantra hinzu: „Möge die Macht mit Dir sein“ wurde zu einem beliebten Abschiedsgruß.

Aber wie jeder Vollblut-Sternenkrieger weiß, ist die Geschichte damit noch nicht zu Ende. Krieg der Sterne II, die spannende Fortsetzung des Originalfilms, ist bereits in Entwicklung. Der Film basiert auf der zweiten von fünf Geschichten in George Lucas’ Reihe – „Die Abenteuer des Luke Skywalker“ –, in dem die allseits beliebten Figuren des Originals wieder in Aktion treten.
Unnötig hinzufügen, dass die Spezialeffekte wiederum umwerfend sein werden. Bevor wir sie zu sehen bekommen, können wir uns schon einmal an der jüngsten Arbeit von John Dykstra erfreuen, der an einer neuen Fernsehserie namens „Galactica“ arbeitet. John Stears, der Erbauer von R2D2, hat in der Zwischenzeit Sparky gebaut, einen etwas über einen Meter großen Roboter, der von innen von einem Hoteljungen gesteuert wird und der Star einer kanadischen Fernsehserie namens „Delta III“ werden wird.
Außerdem wird in Kürze ein neuer Roman von Alan Dean Foster mit dem Titel „Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker“ erscheinen mit weiteren Abenteuern unserer Sternenhelden.
Wie es aussieht, rollt die Krieg der Sterne-Lawine weiter – und nimmt weiter Fahrt auf.
Besagtes "Delta III" wurde am Ende übrigens keine Serie, sondern ein faszinierend trashig anmutender Kinofilm.
Der deutsche Ton ist für viele Fans derzeit das Thema Nr. 1, wenn es um die Blu-ray-Veröffentlichung der Saga, oder in dem Fall vielmehr der Klassischen Trilogie geht.
Die für diese Veröffentlichung zuständige Presseagentur hat uns freundlicherweise ein paar erste handfeste Informationen zum deutschen Ton geben können, wobei wir uns noch bemühen werden, ein paar weitere Fragen zu klären.
Die beste Nachricht und damit das Problem, das wohl den meisten am Herzen liegt, direkt vorne weg: Das Lispeln ist tatsächlich weg und soll auf den Blu-rays nicht mehr auftreten. Hierbei wurden wohl auch Hinweise aus Fankreisen aufgegriffen.
Es ist, entgegen mancher Gerüchte, nicht zu einer kompletten Neusynchronisation gekommen, noch sollen neue Synchronsprecher verwendet worden sein.
Und zuletzt die Antwort auf eine recht aktuelle Frage aus unseren Kommentaren: Der Ton der kürzlich veröffentlichten YouTube-Videos wurde den bereits veröffentlichten DVDs entnommen und entspricht nicht dem Ton der Blu-rays.
Wenn ihr auf Zack seid, hinterlasst ihr über's Wochenende in den Kommentaren - sofern vorhanden - weitere Fragen, die ihr zum deutschen Ton der Blu-rays habt. Vielleicht können wir ja zu Beginn der nä. Woche noch mehr Antworten liefern.
Es ist Sonntag und damit wieder einmal Zeit, Zukunft und Gegenwart loszulassen, um uns in der Vergangenheit zu versenken. Erneut geht es dabei ins Jahr 1980, als George Lucas dem Rolling Stone über seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Rede und Antwort stand:
Das Imperium schlägt zurück
und mit ihm Filmemacher George Lucas mit seiner Fortsetzung von Krieg der Sterne12. Juni 1980
San Franciscos North Point-Kino ist voller Menschen, voller Anspannung, voller Vorfreude. Endlich zerreißen die vertrauten Klänge von John Williams Krieg der Sterne-Melodie die Stille. Auf den erwartungsvollen Gesichtern macht sich erleichtertes Lächeln breit, das Publikum erkennt seine alten Helden.
"Oh, sieh nur", haucht ein kleiner Junge in der zweiten Reihe. "Da ist Luke Skywalker!"
So ist es, da ist Skywalker in voller Lebensgröße. Und Han Solo, Prinzessin Leia, R2-D2 und C-3PO - die ganze Gruppe. Das Abenteuer geht weiter.
Als im Kino wieder das Licht angeht, springt das Publikum unter Hochrufen auf. Das Imperium schlägt zurück, die langerwartete Fortsetzung von Krieg der Sterne, ist endlich da. Und sie ist wundervoll.
Die Macht hinter diesen beiden außergewöhnlichen Filmen - sowie hinter dem Kultklassiker THX 1138 und American Graffiti - bahnt sich den Weg durch die Menge. Mit seinem Bart, Brille, brauner Kordhose, braunem Pulli mit V-Ausschnitt, kariertem Hemd und hellbraunen Turnschuhen sieht George Lucas, 36, mehr wie ein Lieferjunge aus als wie ein Mann, der mehr als 80 Millionen Dollar schwer sein soll. Er ergreift die Hand seiner Frau Marcia, und die beiden gleiten durch die Vordertür, vorbei an den Fernsehkameras und den Journalisten mit ihren Mikrofonen, die verzweifelt nach den Hauptdarstellern von Das Imperium schlägt zurück Ausschau halten.
Krieg der Sterne, so wird man sich erinnern, hat nicht nur die Herzen und die Phantasie von Millionen in den Bann gezogen, sondern auch Millionen eingespielt. Genauer gesagt hat der Film mehr Geld an der Kinokasse eingenommen als jeder andere Film in der Geschichte des Kinos - über 400 Millionen Dollar. Zumindest bis heute. Gott, in der weit, weit entfernten Galaxis, allein weiß, wie viel jetzt noch dazukommen wird.
Der hohe Holzzaun, der Lucas' Haus in San Anselmo, nördlich von San Francisco, umgibt, wirkt einschüchternd, und nichts anderes gilt auch für die Schilder, auf denen "Werbung verboten" und "Vorsicht, Hund" steht. Aber ebenso wie bei Lucas' Erscheinungsbild, täuscht auch hier der äußere Eindruck. Hinter dem hohen Zaun steht ein kleines, unauffälliges Holzhaus mit einer riesigen Veranda. Und der Hund, der aufspringt, um mich zu begrüßen, ist ein Alaskan Malamute namens Indiana und ungefähr so bösartig wie Lassie.
Gleich hinter der Eingangstür wartet ein gemütliches Wohnzimmer, dessen auffallendstes Möbelstück eine Musikbox ist, die Lucas’ umfangreiche Sammlung an Original-Rock’n’Roll-Schallplatten enthält. Genau wie diese Platten ist auch Lucas ein Produkt der Sechziger. Er glaubt wirklich an all diesen Sechziger-Kram: An Kunst und daran, seinen Wohlstand mit anderen zu teilen, einer für alle und alle für einen. Er und seine Frau, eine Cutterin (Taxi Driver, New York, New York) sind seit elf Jahren miteinander verheiratet. Was sie verbindet, ist ihre Liebe zum Film (er hat die Filmakademie der Universität von Südkalifornien besucht), zu Nordkalifornien (er stammt aus Modesto), zu einem einfachen Leben (Francis Coppola bezeichnet die beiden als „Landmäuse“) und ihr Misstrauen gegenüber Hollywood.
Lucas nimmt in einem großen Sessel Platz, schlägt seine Beine übereinander, legt seine Hände in den Schoß und beginnt zu reden: Über seine jüngsten Projekte, seinen Hass auf Hollywood und das Kinosystem, wie er hofft, das System zu schlagen, die Qualen, denen er ausgesetzt ist, um einen Film zurechtzufeilen, seinen Freund Francis Coppola und seine Zukunftsträume – einen Ort, an dem George Lucas viel häufiger zuhause sein kann als in der Vergangenheit oder der Gegenwart.
Wieso haben Sie bei Das Imperium schlägt zurück nicht selbst Regie geführt?
Ich hasse es, Regie zu führen. Es ist, als müsste man jeden Tag einem neuen Gegner in einem Schwergewichtsboxkampf über 15 Runden gegenübertreten. Man geht zur Arbeit und weiß, wie man sich eine Szene vorstellt, aber wenn man abends nach Hause kommt, ist man für gewöhnlich völlig deprimiert, weil man nicht gut genug gearbeitet hat. Als ich die Dreharbeiten in Norwegen besuchte und sah, mit welchen Problemen und welchem Elend sich [Regisseur Irvin] Kershner herumschlagen musste… Ich meine, können Sie sich das vorstellen, bei minus 40 Grad am Nordpolarkreis zu sitzen? Es ist schon schwer genug, da überhaupt auf den Beinen zu bleiben, ganz zu schweigen davon, den Schauspielern Anweisungen zu geben oder die Ausrüstung in Stellung zu bringen. Das Regieführen aufzugeben, ist mir nicht schwer gefallen.
Was genau haben Sie bei diesem Film gemacht?
Ich habe die Geschichte geliefert und stand als technischer Ratgeber zur Verfügung, wenn Fragen aufkamen, wie „tut ein Roboter dies oder das“. Dann haben sie mir das Rohmaterial geschickt, und ich habe es mir angesehen. Es gab einige Probleme. Sie hatten das Budget ein wenig überzogen, waren etwas hinter dem Zeitplan zurückgefallen. Das hat mir Sorgen bereitet, weil ich nur über begrenzte Mittel verfügte und Angst hatte, dass sie all das Geld aufbrauchen würden und wir den Film nicht fertig stellen könnten. Aber mir war auch klar, dass sie ihr Bestes gaben, und das Material sah herausragend aus. Es ist wahrhaft Kershners Film.
Macht Sie das traurig?
Nun, es ist noch immer meine Geschichte. Ich musste nur nicht all die Arbeit machen. [lächelt verlegen] Für mich ist Chewbacca noch immer mein Wookiee und R2-D2 ist noch immer mein kleiner Roboter.
Was hätten Sie anders gemacht?
Das ist schwer zu beschreiben. Ich sehe mir eine Szene an und denke, ‚Uh, ich hätte das nicht so gemacht.’ Eine Menge Leute haben mir gesagt, dass Das Imperium schlägt zurück für sie ein besserer Film ist als Krieg der Sterne, also wo auch immer es Meinungsverschiedenheiten gab, hatte Kershner offenbar recht.
Können Sie uns etwas darüber erzählen, wie sich all das entwickelt hat?
[lacht] Vor langer, langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis, als ich an der Filmakademie war… Es ist wirklich eine sehr lange Geschichte.
Wir haben Zeit.
In Ordnung. Ich war vom Cinéma vérité begeistert und dachte, ich würde einmal Dokumentarfilmer werden. Natürlich wollte ich, als Student in den 60ern, Filme machen, die eine gesellschaftliche Aussage hatten. Sie wissen schon: Die Welt zeigen, wie sie wirklich ist. Aber dann hatte ich diese Idee für einen Rock’n’Roll-Film, voller Autos und all dem Zeugs, das ich aus meiner Jugend kannte. Und später dachte ich mir, was ich wirklich machen möchte, ist ein großes Fantasy-Märchen für Kinder. Dann bekam ich ein Stipendium und durfte 6 Monate lang bei Warner Brothers arbeiten, und dort nahm mich Francis Coppola unter seine Fittiche. Er bot mir an, eine abendfüllende Fassung eines Films zu drehen, den ich als Student gemacht hatte, THX 1138. Und da ich jung war und Bartträger und Francis jung war und Bartträger, dachte ich mir, dass er versteht, was mich so umtreibt. Aber dann meinte er: ‚Wenn Du Regie führen willst, musst Du das Schreiben lernen, und Du musst es nicht bloß lernen, sondern gut darin werden.’ Er zwang mich, das Drehbuch für THX 1138 zu schreiben, und die erste Fassung war ziemlich fürchterlich. Jedenfalls arbeitete ich dann ein Jahr an dem Drehbuch, wobei ich nie wirklich geglaubt habe, dass Francis die Finanzierung jemals auf die Reihe bekommen würde. Deshalb find ich gleichzeitig an, mit John Millius (Jagd auf Dillinger, Tag der Entscheidung) an einem zweiten Drehbuch zu arbeiten. Wir beide wollten einen Film über den Krieg machen.
Und das war Apocalypse Now?
Richtig. Wir arbeiteten noch daran, als Francis nicht nur für THX 1138 einen Vertrag bekam, sondern auch für Apocalypse Now und dafür, [Coppolas Produktionsfirma] American Zoetrope aufzubauen. Das war richtig aufregend. Wir hatten die Chance, genau das zu tun, was wir tun wollten. Und dann kam der Schwarze Donnerstag.
Der Schwarze Donnerstag?
Ja, so nannten wir ihn. Francis hatte all dieses Geld von Warner Brothers geliehen, um die Firma aufzubauen, und als das Studio eine erste Fassung von THX 1138 zu sehen bekam und auch die anderen Drehbücher, die wir geplant hatten, sagten sie: ‚Das alles hier ist Müll. Zahlt uns das Geld zurück, das ihr uns schuldet.’ Und deshalb machte Francis dann den Paten. Er hatte so viele Schulden, dass ihm gar keine andere Wahl blieb.
Und was wurde aus Ihnen?
Ich hing plötzlich in der Luft. THX 1138 zu machen, hatte 3 Jahre gedauert, und ich hatte absolut kein Geld. Marcia hielt uns über Wasser, und ich dachte mir, ‚na schön, machst Du halt den Rock’n’Roll-Film – so etwas ist kommerziell’. [lächelt] Außerdem hörte ich von Francis und einigen anderen Freunden, dass alle Welt mich für kalt und seltsam hielt und sich fragte, wieso ich nicht endlich mal etwas Warmes und Menschliches auf die Beine stellte. Also sagte ich mir: ‚Ihr wollt warm und menschlich – ich gebe euch warm und menschlich!’ Ich ging also zu Gloria [Katz] und Willard Huyck, und sie entwickelten das Konzept für American Graffiti. Tja, und ich ging mit meiner 12seitigen Handlungsübersicht hausieren.
Und?
Und jedes einzelne Studio lehnte dankend ab. Die Lage war ziemlich hoffnungslos. Dann wurde ich zum Filmfestival in Cannes eingeladen, weil THX 1138 einer recht radikalen Gruppe von Regisseuren ins Auge gefallen war. Aber Warner Brothers wollte natürlich nicht für die Reise bezahlen. Wir nahmen also unsere letzten 2000 Dollar, kauften uns beiden Pauschal-Bahnfahrkarten, kramten die Rücksäcke heraus und fuhren nach Cannes.
Und American Graffiti?
Nun, ich entschied mich, unterwegs in New York Halt zu machen und mich mit David Picker zu treffen, der damals der Chef von United Artists war. Und ihm erzählte ich von meinem Rock’n’Roll-Film. Danach flogen Marcia und ich nach England, und er rief an und sagte: ‚In Ordnung, ich nehme das Risiko auf mich.’ Im Carlton in Cannes traf ich ihn in seiner riesigen Hotelsuite, und wir schlossen einen Vertrag über zwei Filme ab, American Graffiti und Krieg der Sterne.
Aber United Artists hatte am Ende mit American Graffiti nichts zu tun?
Ja, darauf komme ich gleich zu sprechen. Bill und Gloria hatten inzwischen die Chance erhalten, ihren eigenen Film zu drehen, also bat ich einen anderen Freund, das Drehbuch für mich zu schreiben. Die erste Fassung war so gar nicht, was ich wollte, und damit war ich in einer verzweifelten Lage. Ich bat Marcia, uns noch etwas länger durchzufüttern, lieh mir Geld von Freunden und Verwandten und schrieb binnen drei Wochen mein Drehbuch. Als ich es United Artists gab, sagten sie mir: ‚Tut uns leid, kein Interesse.’ Also nahm ich das Drehbuch – und nicht vergessen: Die Handlungsübersicht hatten alle Studios bereits abgelehnt – und trug es wieder zu eben diesen Studios, die es sofort wieder ablehnten. Dann sagte mir Universal, sie wären vielleicht interessiert, wenn ich einen Filmstar dafür verpflichten könnte. Ich sagte nein. Universal konterte mit dem Vorschlag, ein bekannter Produzent würde ihnen auch reichen und gab mir eine Liste mit möglichen Kandidaten. Tja, und Francis stand auf der Liste. Der Pate war fast fertig, und die ganze Stadt platzte vor Aufregung. Man konnte förmlich sehen, was sich das Studio hier dachte: ‚Vom Macher des Paten…’ und so weiter. Egal, Francis sagte gerne zu, der Pate kam heraus und war ein Riesenerfolg.
Und der Rest ist Geschichte?
Nicht ganz. Universal wollte uns keinen Vorschuss zahlen, und Francis war drauf und dran, American Graffiti selbst zu finanzieren. Schließlich gab Universal nach. Aber als ich ihnen den Film dann vorführte, kam ein Verwaltungsratsmitglied auf mich zu und sagte mir: ‚Dieser Film ist einem Publikum nicht vorzeigbar.’ Genau das sagte er. Tja, Francis gingen in dem Moment alle Sicherungen durch. Für mich war das Francis’ glorreichster Augenblick. Er fing an zu schreien und zu toben: ‚Wie können Sie das diesem armen Jungen nur antun? Er hat diesen Film für absolut nichts gedreht, für einen bloßen Centbetrag! Er hat sich fast dafür umgebracht, und das erste, das Sie ihm sagen, ist, dass man den Film niemanden zeigen kann? Hätten Sie nicht sagen können, ‚danke, Sie haben ordentliche Arbeit geleistet. Danke, dass Sie das Budget und den Zeitplan eingehalten haben-‚ Francis schrie und schrie, und schließlich erklärte er: ‚Nun, ich mag diesen Film. Ich kaufe ihn euch ab. Ich gebe euch jetzt und hier einen Scheck.’ Universal behielt den Film, aber die Rangeleien gingen weiter. Sie wollten fünf Minuten herausschneiden. Fünf Minuten macht bei einem Film keinen echten Unterschied, sie wollten nur zeigen, dass sie die Macht und das Recht dazu hatten.
Haben Sie aus dieser Erfahrung irgendetwas Positives mitgenommen?
[lacht] Am absoluten Tiefpunkt dieser Geschichte, wurde mir ein Regie-Job angeboten. Ich schrieb zu diesem Zeitpunkt Tag ein, Tag aus, also war dieses Angebot sehr verlockend. Trotzdem habe ich nein gesagt. Sie erhöhten ihr Angebot auf 100.000 Dollar plus Prozente. Damals hatte man mir maximal 15.000 Dollar für einen Film gezahlt. Und ich sagte nein. Das war ein echter Wendepunkt.
Um welchen Film ging es?
Diamantenlady mit Donald Sutherland. Ein totales Desaster. Hätte ich diesen Film gemacht, wäre meine Karriere am Ende gewesen. Ich war recht stolz auf mich, abgelehnt zu haben.
Und dann kam American Graffiti heraus und schlug ein wie eine Bombe?
Nicht direkt. [lächelt] Ich habe ja gesagt, es sei eine lange Geschichte. Jetzt sind wir im Januar 1973. Man hatte mir für American Graffiti 20.000 Dollar gezahlt, und die Produktion hatte 2 Jahre gedauert. Ich hatte 15.000 Dollar Schulden, und Universal hasste den Film so sehr, dass sie ihn als Fernsehfilm der Woche verheizen wollten. Ich musste irgendwie meine Schulden abbezahlen, also dachte ich mir, ‚kramst Du halt die alten Konzepte wieder heraus, den zweiten Teil des Vertrags mit United Artists, Dein kleines Weltraumprojekt’. Ich schrieb also eine 15seitige Handlungsübersicht und zeigte sie United Artists. Keine Chance. Also ging ich zu Universal.
Nach allem, was Sie dort erlebt hatten?
Ich habe Universal damals gehasst, aber ich musste zuerst zu ihnen laufen. In meinem Vertrag für American Graffiti stand, dass ich ihnen sieben Jahre lang mein Leben überlassen musste. Ich war ihr Eigentum. Jede Idee musste ich zuerst ihnen vorlegen. Also zeigte ich ihnen, was ich hatte, und sie sagten nein. Dann ging ich zu Laddie [Alan Ladd Jr.] bei Fox, und der meinte, er würde es riskieren. [lacht] Ich wollte nur 10.000 Dollar von ihm, um das Drehbuch zu schreiben. Im August 1973 kam dann American Graffiti in die Kinos und schlug richtig ein, und damit waren meine finanziellen Sorgen aus der Welt.
Und was passierte mit Krieg der Sterne?
Damals war ich heftig am Überlegen, ob ich das Regieführen nicht aufgeben sollte, aber ich hatte dieses riesige Drehbuch und mich gewissermaßen darin verliebt. Außerdem war ich ein Filmemacher von der Straße. Ich hatte noch nie einen großen Atelierfilm gedreht, also dachte ich mir, ‚dies wird der letzte Film, bei dem Du in Deinem Leben Regie führst’. Schließlich hatte ich das Drehbuch fertig. Ich wollte ein Märchenepos drehen, aber mein Drehbuch erinnert eher an Krieg und Frieden. Also nahm ich es, schnitt es in zwei Hälften, legte die erste Hälfte beiseite und beschloss, aus der zweiten Hälfte ein Drehbuch zu machen. Als ich auf Seite 170 angekommen war, begann ich mir Sorgen zu machen. Ich brauchte eigentlich 100 Seiten, keine 500, aber ich hatte diese drei tollen Szenen. Also nahm ich diese Geschichte, und schnitt sie in drei Teile. Dann nahm ich den ersten Teil und beschloss, daraus mein Drehbuch zu machen, aber – komme, was wolle – alle drei Teile als Filme zu verwirklichen. [lacht] Das Abkommen mit Fox über das Drehbuch und die Regie von Krieg der Sterne sah natürlich wieder so gut wie kein Geld für mich vor. Und ich hatte auch noch keinen Vertrag, sondern nur ein Memo. Dann kam American Graffiti in die Kinos, und plötzlich hatte ich Macht. Fox dachte, ich werde bestimmt Millionen und Prozente von ihnen verlangen.
Und?
Ich sagte zu tun: ‚Ich werde zu den Bedinungen im Memo arbeiten, aber wir haben noch nicht über zusätzliche Warenvermarktungsrechte, Fortsetzungsrechte und so weiter gesprochen.’ Ich erklärte Fox, dass ich diese Rechte haben wollte, und Fox war einverstanden. Sie bekamen mich ja im Gegenzug schließlich für weniger als 100.000 Dollar.
Wussten Sie damals schon, was diese Zusatzrechte wert waren?
Na ja, als ich schrieb, hatte ich R2-D2-Kaffeetassen und kleine Roboter zum Aufziehen vor Augen, aber mehr habe ich mir auch nicht vorstellen können. Ich habe diese Warenvermarktungsrechte angepeilt, weil wir noch nicht darüber gesprochen hatten, und alles, über das wir nicht geredet hatten, wollte ich haben. Was ich aber unbedingt wollte, waren die Fortsetzungsrechte, weil ich meine zwei weiteren Filme drehen wollte.
Wie sieht Ihr Vertrag mit Fox in dem Punkt aus?
Sie haben ein Vorkaufsrecht für alle Krieg der Sterne-Filme, die ich machen will.
Wie viele sind das?
Im Moment sind es noch sieben Stück.
Sie haben wohl wirklich gute Gründe, Hollywood zu hassen.
Das sind schmierige, skrupellose Typen. In L.A. machen sie ihre Deals, Geschäfte auf die klassische amerikanische Art: Leg alle aufs Kreuz und tu, was immer Du tun kannst, um die höchsten Profite einzustreichen. Menschen sind denen egal. Die Art und Weise, wie die mit Filmemachern umgehen, ist unbeschreiblich, weil sie keine Ahnung davon haben, was zum Filmemachen dazugehört. Für sie steckt der Film im Vertrag. Wie viele Qualen dazugehören, was an harter Arbeit drinsteckt, davon haben sie keine Vorstellung. Das sind keine Filmemacher. Ich will nichts mit denen zu tun haben.
Aber kommen Sie darum herum, wenn Sie weiter Filme drehen wollen?
Genau deshalb baue ich die Ranch.
Die Ranch?
Ja, ich habe mir etwas über 8 km² in Lucas Valley [nicht verwandt oder verschwägert] gekauft, um eine Art Zufluchtsort für Filmschaffende zu bauen. Das Konzept stammt aus meiner Zeit an der Filmakademie. Das war eine tolle Arbeitsumgebung: Überall waren Leute, die an Filmen interessiert waren, die sich ausgetauscht haben, gemeinsam Filme ansahen, einander halfen. Ich habe mich immer gefragt, wieso wir das nicht in der Geschäftswelt haben können. Wenn man an einem Film arbeitet, sitzt man jeden Tag 15 Stunden daran, und es bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes. Und tut man das Jahr ein, Jahr aus, wird man darüber wahnsinnig. Es braucht eine Umgebung, die Menschen begeistert, und in Hollywood ist das nicht der Fall.
Wie wird die Ranch aussehen?
Ich war schon immer an Architektur interessiert. [lächelt] Das ist meine Methode, Architekt zu sein, ohne die ganze Arbeit zu haben. Es wird ein Hauptgebäude geben, ein großes, schlichtes Bauernhaus. Dahinter werden Außengebäude mit Schindeldächern liegen, für die Filmemacher und Schnitttechniker. Etwas abseits wird ein zweites großes Gebäude gebaut, außer Sicht auf einem Hügel, in dem es einen Vorführraum, ein Aufnahmestudio, ein Rechenzentrum und weitere Schneideräume geben wird. Und auf der anderen Seite des Grundstücks wird das Gebäude für die Spezialeffektabteilung sein. Etwas die Straße runter wird außerdem ein Gästehaus gebaut, für Würdenträger auf Besuch oder so.
Wie viel wird all das kosten?
Das ist bei der aktuellen Weltlage unmöglich abzuschätzen. Ich schätze mal, wir werden zwischen fünf und sechs Jahre brauchen und mehr als 20 Millionen Dollar.
Wir wissen, dass Sie reich sind…
Das übersteigt mein persönliches Vermögen bei weitem.
Wie werden Sie das Projekt dann finanzieren?
Wir nehmen die Erlöse aus Das Imperium schlägt zurück und dem nächsten Film, Die Rache der Jedi-Ritter, und investieren sie in verschiedene Unternehmen. Die Gewinne daraus fließen dann in die Ranch. Wir arbeiten also genau andersherum als ein Studio: Anstatt mit einem Filmunternehmen einen Unternehmensmoloch zu finanzieren, finanzieren die anderen Unternehmen unsere Filmfirma. Das Einzige, das mich im Leben interessiert, ist Filme zu machen, Filme zu entdecken und als Mensch zu wachsen – wenn ich das tun kann und dabei bei plus minus Null lande und nicht gezwungen bin, unbedingt auf Teufel komm raus einen Film in die Kinos zu bringen, habe ich es geschafft. Oder wenn ich einen Film drehen kann, der absolut unkommerziell ist oder auch gar nicht veröffentlicht werden kann. Einen Film zu drehen, ist harte Arbeit und sehr schmerzhaft, und wenn hinterher dann jemand meint, man sei ein Idiot und ein Trottel gewesen, ist es schwer, sich noch einmal aufzuraffen.
Was passiert, wenn Das Imperium schlägt zurück nicht genug Geld für die Ranch erwirtschaftet?
Wenn es mit diesem und dem nächsten Teil nicht gelingt, ist das das Ende. Ich werde nicht die nächsten 15 Jahre meines Lebens damit verbringen, Erfolgsfilme zu drehen, um die Ranch zu finanzieren. Klappt es nicht, sollte es eben nicht sein. Ich hab’s versucht, ich bin gescheitert, und dann mache ich eben 16mm-Filme und nehme mein altes Leben wieder auf.
Werden Sie Universal jemals verzeihen?
[lächelt] Ich bin nachtragend. Als Warner Brothers THX 1138 gekürzt hat, war ich 10 Jahre lang auf die sauer. Nach Krieg der Sterne haben sie sich dann bei mir entschuldigt, und ich habe ihnen vergeben. Ich wollte das Ganze nicht komplett ins Lächerliche abgleiten lassen. Nach American Graffiti hat Universal versucht, nett zu mir zu sein, aber ich war wirklich wütend und bin es bis heute.
Sie arbeiten aktuell mit Steven Spielberg zusammen, einem engen Freund von Ihnen. Er führt Regie bei Jäger des verlorenen Schatzes, den Sie entwickelt haben und bei dem Sie als Produktionsleiter mitwirken werden. Was passiert, wenn er das Budget sprengt? Wird das Ihre Freundschaft belasten?
Ich glaube nicht, dass das ein Problem werden wird. Wir alle haben Riesenegos. Wir können im Wettbewerb zueinander stehen und einander trotzdem helfen und respektvoll miteinander umgehen. Ich versuche, nur mit verantwortungsvollen Regisseuren zu arbeiten, und Steve ist nichts anderes. Er versucht, Budgets einzuhalten, aber wenn etwas nicht funktioniert, gibt es nur eine Methode, damit klarzukommen: Man muss Zeit und Geld investieren, um das Problem zu lösen.
Soweit ich weiß, hatte der Autounfall, in den Sie als 18jähriger verwickelt waren, wesentliche Auswirkungen auf Ihr Leben. Wollen Sie darüber reden?
Es war kurz vor meinem Highschool-Abschluss, und ich hätte eigentlich sterben müssen. Ich fuhr einen kleinen Sportwagen mit Überrollbügel und einem Rennfahrersicherheitsgurt. Jemand stieß mit mir zusammen, das Auto überschlug sich, und aus irgendeinem Grund löste sich der Sicherheitsgurt bei einem Überschlag, kurz bevor sich der Wagen um einen Baum wickelte. Wäre ich da noch drin gewesen, wäre ich tot. Wenn man so etwas erlebt, verändert sich die Einstellung zum Leben. Da glaubt man dann schon, aus einem bestimmten Grund auf der Welt zu sein. [lächelt] Vielleicht war ich hier, um Krieg der Sterne zu machen, und das war’s dann auch schon wieder. Seither lebe ich jedenfalls mit geschenkter Lebenszeit.
Ebenso großen Einfluss auf Ihr Leben scheint Coppola zu haben.
Wir respektieren einander, aber gleichzeitig sind wir total unterschiedliche Menschen. Er meint, er sei zu verrückt und ich sei nicht verrückt genug. Francis springt Tag für Tag von einer Klippe und hofft, dass er schon irgendwie sicher landen wird. Mein Hauptinteresse ist Sicherheit. Es war toll, als wir zusammengearbeitet haben, weil wir einander ideal ergänzen konnten. Ich glaube, diese Beziehung haben wir bis heute. Dass er ständig verrückte Sachen abzieht, beeinflusst mich, und dass ich immer versuche, eine sichere Grundlage zu schaffen und vor mich hinschufte, wird ihn beeinflussen. Aber unsere Ziele sind trotzdem dieselben: Wir wollen Filme machen und nicht mehr unter der Fuchtel der Studios stehen.
Macht es Ihnen Spaß, der Chef dieses Riesenunternehmens Lucasfilm zu sein?
Nein, ich bin nicht gerne Geschäftsmann. Ich will nur Filme drehen, ganz allein für mich: Ich will sie alleine drehen, sie alleine schneiden, Sachen machen, der mich interessiert, einfach nur, um als Mensch zu wachsen und zu sehen, ob ich bestimmte Bilder auf bestimmte Weise zusammenbringen kann. Meine Filme werden zur Machart meiner ersten Werke zurückgehen, die sich etwas realistischer mit dem Wesen Mensch auseinandergesetzt haben.
Und was halten Sie ganz allgemein von diesem Wesen Mensch?
Ich bin Zyniker, und als Verteidigung dagegen habe ich es mir angewöhnt, optimistisch zu sein und zu glauben, dass Menschen im Grunde gut sind, auch wenn ich im Herzen weiß, dass das nicht stimmt.
Meine Güte. Kommen wir für einen Moment auf Das Imperium schlägt zurück zurück. Im Film meint Ben, dass Luke die letzte Hoffnung sei, und Yoda erklärt, es gäbe noch eine andere.
Ja. [lächelt] Es gibt eine andere und das schon seit langer Zeit. Man darf nicht vergessen, dass wir in der Mitte dieser ganzen Geschichte eingesetzt haben. Vor Krieg der Sterne sind 6 Stunden voller Ereignisse abgelaufen, und in diesen sechs Stunden wird die „andere“ sichtbar. Nach dem dritten Film, wird die „andere“ recht deutlich.
Was wird aus Luke?
Das kann ich nicht sagen. Im nächsten Film wird sich alles auf die eine oder andere Weise auflösen. Luke hat die erste Schlacht im ersten Film gewonnen, Vader die zweite Schlacht im zweiten Film. Im dritten Film wird nur einer der beiden überleben. Wir müssen ganz zum Anfang zurückgehen, um herauszufinden, worin das eigentliche Problem besteht.
Wie steht es mit den Schauspielern? Sind sie unter Vertrag?
Einige schon, aber das bedeutet nichts. Ich werde niemanden dazu zwingen, einen Film zu drehen. [lächelt] Ich bin nicht Universal Pictures.
Haben Sie schon Pläne für die sieben Krieg der Sterne-Filme, die noch vor Ihnen liegen?
Ja, ich habe 12seitige Handlungsübersichten.
Wie können Sie nur so weit vorausplanen?
[lacht] Marcia meint, dass ich entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft lebe, aber niemals in der Gegenwart. Ich lebe immer gewissermaßen für morgen, im Guten wie im Schlechten. [zuckt mit den Schulter] Das ist nur eine persönliche Angewohnheit von mir.
Das Thema, wer 1980 "die andere Hoffnung" sein sollte, wird durch einen Blick auf die 9teiligen Originalpläne übrigens recht spannend:
Episode VI: Leia wird Königin ihres Volkes, Han stirbt, Luke stellt sich Vader und lebt das Leben eines Einsiedlers. Leia ist nicht Lukes Schwester.
Episode VII: Luke ist ein Jedi.
Episode VIII: Lukes Schwester taucht auf.
Episode IX: Erster Auftritt und Untergang des Imperators
Wenn Lukes namenlose, bzw. im Brackett-Drehbuch testweise Nellith genannte Schwester die "andere Hoffnung" war und sie im Laufe der 3 ersten Filme erkennbar werden sollte, hätte sie dann nicht viel älter sein müssen als Luke? Oder wollte Lucas zu diesem Zeitpunkt sogar noch die ebenso namenlose Mutter der beiden aus dem Ärmel schütteln? Die Vergangenheit bleibt spannend. :-)
Am Mittwoch wurden Krieg der Sterne 34, Die Rückkehr der Jedi-Ritter 31 und Frank Oz 67, womit man zusammengerechnet bei 132 landet, was sowohl als Summe, als auch als Produkt seiner Ziffern 6 ergibt, womit wir dann wieder bei unseren 6 Kinofilmen wären. "Ist der jetzt völlig durchgedreht?", mögt ihr fragen, und wie eh und je lautet die Antwort natürlich: Ja. [Jepp, die Rechnung war falsch: 34 Krieg der Sterne + 28 Die Rückkehr der Jedi-Ritter + 67 Frank Oz = 129 --> 1x2x9 = 18 : 3 Filme pro Trilogie = 6 = Saga. Puuh... ;-)]
Sei's drum, der eigentliche Punkt ist: Es ist Sonntag, die Onlinestraßen sind menschenleer, Zeit für eine Reise zurück in den Juli 1980, als das Rolling Stone Magazine sich den desillusionierten Hauptdarstellern der Saga zuwandte:
Sklaven des Imperiums
Die Kinder des Kriegs der Sterne reden Klartext
von Timothy White
Die Macht hat zwei Seiten. Sie selbst ist weder wohl- noch übelwollend. Sie hat eine böse Seite an sich, die Hass und Furcht umfasst, und sie hat eine gute Seite, die sich in Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Hoffnung ausdrückt.
- George Lucas
"Für persönliche Erfolge bietet ein Film wie dieser keinen Raum", konstatiert Harrison Ford trocken, wenn er über seine Rückkehr als Söldnerabenteurer Han Solo in der monumentalen Krieg der Sterne-Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück spricht. Zwar ist Ford als Hauptdarsteller aufgeführt, doch, genau wie seine Kollegen, ist auch er sich allzu schmerzlich der Tatsache bewusst, dass er im Getriebe der angestrebten neunteiligen Sci-Fi-Filmreihe ein bloßes Zahnrad ist, ein trickfilmhafter Bauteil mit nicht mehr Tiefe, als die glücklosen Androiden C-3PO und R2-D2.
Krieg der Sterne, die Schöpfung von Autor, Regisseur und Produzent George Lucas, hat nach neuestem Stand bereits über 400 Millionen US-Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Die besten Chancen, dem Film diesen Rang abzulaufen, hat aktuell seine Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück (Regie: Irvin Kershner), und doch wirken die Darsteller dieser spektakulären Saga, als steckten sie in einer interplanetaren Endlosschleife fest.
"Der Star des Films ist der Film selbst", urteilen Mark Hamill, auch bekannt als Luke Skywalker, und seine Mitstreiter in trauriger Übereinstimmung. Harrison Ford weiß sogar so wenig über seine eigene Figur, dass er nicht erklären kann, wieso Solo in Das Imperium schlägt zurück von Kopfgeldjägern verfolgt wird.
"Es gibt keine... Ähm... Ich habe keine Ahnung, wieso das so ist." Er wird rot und zuckt mit den Schultern. "Ich habe da meine Vermutungen, aber eigentlich arbeite ich bloß hier, wenn Sie verstehen, was ich meine? Beim zweiten Film habe ich das Drehbuch auch erst drei Wochen vor den Dreharbeiten bekommen. [Einige Schauspieler in Das Imperium schlägt zurück bekamen auch nur lückenhafte Drehbücher, um die unerwarteten Wendungen geheim zu halten.] Für den dritten Film, Die Rache der Jedi-Ritter, habe ich noch gar kein Drehbuch gesehen.
Eine von Georges wahren Stärken", so Ford weiter, "besteht darin, einem nicht alle Informationen zu geben, die man braucht, aber ohne einem dadurch Wesentliches vorzuenthalten. Man hat deshalb ständig das Verlangen, mehr wissen zu wollen.
Ich habe schon häufiger gehört", fährt er fort, "dass einige Leute mit dem Ende des zweiten Films unzufrieden waren. Mir sind Sachen zu Ohren gekommen wie 'Der Film hat ja gar kein Ende' oder 'Ich kann es gar nicht mehr erwarten, endlich herauszufinden, wie es ausgeht'. Aber man wird natürlich herausfinden, wie es ausgeht, und genau das ist der Effekt, den das Ende des Films erzielen sollte."
Um das scheinbar unstillbare Verlangen nach Neuigkeiten über Krieg der Sterne zu befriedigen, haben Twentieth Century-Fox and Lucasfilm (Georges Produktionsfirma) eine Werbelawine losgetreten, die einer Rock'n'Roll-Welttournee alle Ehre machen würde. In den letzten Wochen sind die Hauptdarsteller von Los Angeles nach New York und weiter nach Washington, London, Japan und schließlich nach Australien gekarrt worden, um Hunderte Interviews mit Zeitungen, Rundfunkstationen und Fernsehsendern zu führen. Unterstützt wird diese Weltreise von einer Werbekampagne, die mehrere Millionen Dollar gekostet hat, und einer aggressiven Produktschwemme, die vom Musikalbum bis zu einer Puppe von Yoda, dem zwergartigen Jedi-Meister, buchstäblich alles zu liefern verspricht.
Die Hauptdarsteller der beiden Filme haben sich beim Dreh nicht sehr oft gesehen - schon gar nicht bei den Dreharbeiten von Das Imperium schlägt zurück -, und auch auf ihren Werbetourneen laufen sie sich nur selten über den Weg. Sie kommen so zwar gut miteinander aus, aber ein Gefühl für gemeinsam Erlebtes ist bei ihnen kaum zu bemerken. Und was nun die eigentliche Schöpfung der phantastischen Filmwelten betrifft, so hört man kaum plastische Anekdoten; Carrie Fisher, die Darstellerin der Prinzessin Leia, räumt ein, dass die Schauspieler häufig "so tun mussten, als ob".
"Beim Dreh musste ich etwas sagen wie 'Nein, bitte, jagt meinen Planeten nicht in die Luft!', und dabei starrte ich auf ein Pappschild mit einem großen X darauf, das von einem Regieassistenten hochgehalten wurde, der ungeduldig auf seine Teepause wartete.
Normalerweise kann man persönliche Erlebnisse in einen Film einbringen", so Fisher weiter, "aber bei dieser Art Film funktioniert das einfach nicht. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie der Hyperraum aussieht, bevor ich den fertigen Film gesehen hatte, also konnte ich mir auch nie vorstellen, wie es wohl sein würde. Man muss dabei einfach eine Menge Gottvertrauen mitbringen."
"Als ich Das Imperium schlägt zurück sah, fühlte ich mich seltsam unbeteiligt", berichtet Hamill. "Ich klinge wie mein Psychiater, aber man beginnt sich die Kritiken zu Herzen zu nehmen und denkt dann: 'Ja, ich bin ein schrecklicher Schauspieler, und nur wegen der Spezialeffekte, wird man sich an den Film erinnern.'"
Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass das größte Unterhaltungsphänomen der Geschichte zugleich ein einziger, wundersamer Cliffhanger ist, der mindestens so sehr manipuliert wie fasziniert. Behält Lucas sein aktuelles Tempo bei, werden wir bis zum Jahr 2000 warten müssen, um das letzte Kapitel seines Kinomärchens zu sehen, während die Schauspieler zwar beträchtliche Gehälter kassieren (und im Fall von Krieg der Sterne zusätzlich in erheblichem Umfang prozentual an Lucas' Einnahmen beteiligt wurden), aber mit den berühmtesten Rollen ihrer Karriere persönlich nie besonders zufrieden sein werden.
Der Mann, dem dieses Projekt wohl die meiste Genugtuung verschafft, dürfte Lucas selbst sein, der im Alter von 18 Jahren auf wundersame Weise einen Autounfall überlebte und danach beschloss, "etwas Positives mit meinem Leben anzufangen, weil ich aus gutem Grund verschont worden war. Vielleicht wurde ich für Krieg der Sterne geboren."
Für diejenigen in dieser Galaxis, die den Inhalt von Krieg der Sterne nicht kennen, sei zusammenfassend gesagt: Das Epos handelt von Prinzessin Leia Organa von Alderaan, der liebreizenden Anführerin der Allianz zur Wiederherstellung der Republik und von ihrem Ringen, einen Aufstand gegen das böse Galaktische Imperium zum Erfolg zu führen. Die gewaltige Republik, einst ein edler Bund von Welten, der vom gerechten Orden der Jedi-Ritter beschirmt wurde, verrottete aufgrund der machthungrigen Intrigen eines niederträchigen selbsternannten Kaisers und seiner starken rechten Hand, dem gefallenen Jedi Darth Vader, schließlich von Innen. Im ersten Film trafen wir Leia, als sie Verbündete für ihre mutige Mission um sich scharte, darunter den alternden Jedi-Meister (Ben) Obi-Wan Kenobi, den Abenteurer Han Solo und seinen Wookiee-Kameraden Chewbacca (Peter Mayhew), die Droiden C-3PO und R2-D2 (Kenny Baker) und Skywalker. Das Imperium schlägt zurück ist im Grunde eine endlose Sequenz von Kämpfen, wobei die Handlung auf dem ganzen Wissensschatz fußt, der bislang in der Phantasie von Millionen Fans verankert wurde.
Keiner der Schauspieler bereut es, seine Rolle in diesem andauernden Drama angenommen zu haben, und doch kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie alle die Science-Fiction-Reihe, die ihr Leben und ihre Karriere derart beherrscht, gern besser verstehen - und steuern - würden.
"Die Macht ist das, was man selbst in ihr sieht", merkt Lucas an, "und sie verändert sich ständig."
"Ich war gerade neunzehn und wurde völlig zufällig ausgewählt. Man sagte mir, ich sollte abnehmen, was damals ein echtes Problem war", berichtet die schöne, grazile Carrie Fisher, inzwischen 23, aus den Tiefen eines übermäßig gepolsterten Sessel in ihrer New Yorker Wohnung. "Bei Das Imperium schlägt zurück sagten sie mir dann, ich sollte Gewicht zulegen. Der einzige Film, in dem ich vor Krieg der Sterne mitgespielt habe, war Shampoo. Trotzdem haben sie sich für mich entschieden, für ein starkes Mädchen mit tiefer Stimme und selbstzufriedener Art."
Selbstzufrieden? Eher zutiefst sarkastisch. Fishers schnoddriger Blick auf die Welt mag das Produkt einer Kindheit sein, die im Schatten der zwei berüchtigten Scheidungsprozesse ihrer Mutter Debbie Reynolds ("Sie ist wie die einzige Überlebende eines Horrorfilms; sie ist wirklich toll.") und der Boulevardberichte über ihren Vater Eddie Fisher ("Nach dreizehn Jahren auf Speed ist er etwas durch den Wind, aber allgemein sehr zutraulich") verlief. Ihr schlagfertiger Stil erinnert an den morbiden Humor von Saturday Night Live-Veteran Michael O'Donoghue (der ein enger Freund von ihr ist) und enthält Spuren von Joan Rivers, Bette Midler und einen Hauch Dorothy Parker.
"Ich fand es toll, wenn Harrison und ich einander anschreien konnten", berichtet sie kichernd, wenn sie nach ihren Lieblingsszenen aus den beiden Filmen gefragt wird. "Und viele Szenen, in denen Darth Vader hereinkam, waren zum Schreien komisch, weil er von David Prowse gespielt wird, diesem Muskelpaket aus Cornwall oder Devon. [Vaders unheimlich atmende Stimme lieferte James Earl Jones erst im Tonstudio.] Und weil Dave mit diesem Akzent eines Bauern aus Devon sprach, nannten wir ihn immer Darth Farmer!
Lucas' musste mir immer wieder die gleichen Anweisungen geben: 'Steh gerade! Sei eine Prinzessin!' Und ich stand da wie ein Prinzessinnenverschnitt Marke 'verzogene Göre', nach vorne gelehnt, krumm und mit Kaugummi im Mund."
Dann sprechen wir mit Carrie über Leias Liebesbeziehung zu Han Solo in Das Imperium schlägt zurück, und sie spekuliert verschmitzt, "wenn sie schlau wäre, hätte sie sich in den großen, starken Wookiee verliebt. Sie hat in dem Bereich nicht viel Erfahrung, aber sie ist eine Prinzessin, also gäbe es Probleme, egal für wen sie sich entscheidet. Sie kann ja nicht jemanden von außerhalb ihres Sonnensystems heiraten, oder so."
Sieht man sich in ihrer Wohnung um, die mit altem Spielzeug, Puppen und dem sonderbaren Krimskrams vollgestopft ist, den man im Zimmer eines kleinen Mädchens erwarten würde, fällt auf, dass es hier nur wenige Andenken an Krieg der Sterne gibt.
"Anfangs haben sie mir absolut alles geschickt, als würde heimlich ein Kind bei mir wohnen, aber das meiste davon habe ich verschenkt. An Halloween hatte ich keine Süßigkeiten da, also gab ich zwei Kindern aus dem Haus etwas, und plötzlich fielen alle meine Nachbarn über mich her, und ich habe ihnen eine Menge Zeug gegeben.
Wissen Sie", fährt sie in geschauspielertem Flüsterton fort, "sie haben mir sogar Krieg der Sterne-Bettwäsche geschickt. Die letzten Sets habe ich gerade erst einigen Autoren von Saturday Night Live gegeben. Sie riefen mich danach an und fragten: 'Du hast nicht zufällig auch Betttücher für Doppelbetten da, oder?' Dieses Merchandising ist wirklich witzig. Harrison hat sich deshalb so aufgeregt: 'Aus Mark machen sie ein Puzzle, wieso nicht auch aus mir?' Solche Sachen. Und wir fragten zurück: 'Moment mal, wieso darf ich nicht auf einem Federmäppchen sein, verdammt nochmal! Ich meine, wenn ich schon hier mitmache und sie verschieden große Puppen von mir machen und Gürtel, Kekse und Hüte, wieso nicht auch einen Radiergummi?' Und ich", gibt Fisher an, "ich war auf einem Prinzessin-Leia-Radiergummi."
"Sprechen diese Kinder, die solche Radiergummis kaufen, Sie im Supermarkt an?", frage ich Fisher. "Werden Sie nach dem Rasenden Falken gefragt oder nach Jawas oder...?"
"Nein! Sie kommen zu mir nach Hause. Ehrlich, ich schwöre es Ihnen! Manchmal finde ich sie in meiner Wohnung, und überall sind kleine Mädchen. Ein Mädchen namens Yolanda saß hier und wartete auf mich. Seither schließe ich die Tür ab. Eines Nachts - und das ist großartig - kam ein wirklich seltsamer Typ mit Schielaugen her und sagte, er hätte meine Adresse für 20 Dollar gekauft. Peter Aykroyd [Dan Aykroyds Bruder] war hier und jagte ihn die Straße hinunter.
Das ist sehr seltsam, wissen Sie?", meint sie schaudernd. "Ich weiß noch, wie ich eines Tages beim Dreh einschlief und von Wesen träumte, die halb Mensch, halb Roboter waren. Man hängt drei oder vier Monate am Set herum und geht mit Riesen und Zwergen essen, und irgendwann brennt sich einem das ins Hirn ein. Ich hatte deshalb heftige Albträume, Träume, in denen ich versuchte, meine Realität durchzusetzen und es nicht schaffte. Das treibt einen in den Wahnsinn."
Seither musste Fisher sich auch im Wachen einer nicht minder beunruhigenden Erfahrung stellen: Ihre Beteiligung an diesen Filmen hat nicht dazu geführt, dass Hollywood sich stärker für sie interessiert.
"Nein, absolut nicht." Sie nickt und lächelt leblos. "Neue Rollenangebote, andere Arbeit, haben sich daraus nicht ergeben. Es ist einfach keine schauspielerische Leistung. Man hat, bis zu einem gewissen Grad, Spaß daran, aber ich bin auf diese verrückte Weise berühmt, weil ich die Heldin eines Zeichentrickfilms für Kinder spiele.
Scheiße, die Leute erinnern sich mehr wegen Saturday Night Live an mich. Ich meine, die Leute wissen schon, wer ich bin, aber nichts könnte größer sein, als dieser Film, egal, was noch passieren mag. Wenn wir einmal sterben, dann als Prinzessin, Luke und Han."
"Wie fühlen Sie sich deswegen?", frage ich sie.
Ihr Lächeln verschwindet und sie wird bleich. "Hilflos."
"George meint, das Schlaueste, was ich den Leuten sagen könnte, wäre, dass ich im Ruhestand bin", erzählt Mark Hamill (28) nur halb im Scherz, während er in einem sonnendurchfluteten Fresslokal namens Alice's Restaurant in Malibu an seinen Nachos knabbert. "Denn dann hätte ich das Beste beider Welten: Es gäbe keinen Druck, unbedingt etwas zu machen, und wenn man eine Rolle bekommt, kann man sagen: 'Diese Rolle war so gut, dass sie mich sogar aus dem Ruhestand gelockt hat.' Wer weiß?", meint er verzweifelt. "Vermutlich hat George recht."
Hamill sieht seinen Beitrag zu Lucas' wachsendem Werk als "die klassische, undankbare Rolle. Ich bin der Aufrechte, der ernste Erzähler. Wissen Sie", fährt er fort, und er muss dabei kräftig schlucken, "vor 30 Jahren hätten die Studios unsere Karrieren vorangetrieben. Jetzt stehen wir alle auf eigenen Beinen. Ich sehe endlich, nach all diesen Jahren, wie ein Erwachsener aus. Früher habe ich immer die 'Hey, Paps, kann ich mir heute abend das Auto leihen?'-Rollen bekommen. Deshalb warte ich. Ich glaube wirklich, dass Das Imperium schlägt zurück mir helfen wird."
Plötzlich wechselt das Thema: "Ich habe eine der besten Sammlungen von Krieg der Sterne-Andenken. Alles ist unausgepackt, denn ich bin ein ernsthafter Sammler."
"Wieviel ist Sci-Fi-Fans die Luke-Skywalker-Figur wert?", frage ich ihn.
"Ich bin heruntergesetzt worden.", meint er stöhnend. "Aber das Ding sieht sowieso nicht aus wie ich. Meine Frau und ich sind vor einer Weile in ein Spielzeuggeschäft gegangen, und sie hatten dort diese ganzen Kinderkostüme. Sie haben einen ganzen Haufen von Krieg der Sterne-Kostümen gemacht, vier Stück, und ich bin eines davon. Darth Vader, Chewbacca und C-3PO waren alle ausverkauft", murmelt er leise, "und nur ich war noch übrig. Endlose Kartons von mir."
Hamill ist der Sohn eines Marinekapitäns, der ständig versetzt wurde, und wuchs in Virginia und in Japan auf. Zur Schauspielerei kam er in der Highschool. Trotz seiner umfangreichen Fernseherfahrung, darunter eine kurzlebige Serie mit Gary Busey namens The Texas Wheelers, gesteht er, "eine der wohl besten Sachen, die ich je gemacht habe, war Snoopy im Peanuts-Musical You're a Good Man Charlie Brown zu spielen. Früher war es mir peinlich, darüber zu sprechen, weil das an der Highschool in Japan war."
Hamills Sorge, keine erstklassigen Rollen zu bekommen, verstärkte sich 1977 auf tragische Weise, als er mit seinem BMW wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Straße abkam. Krieg der Sterne war noch nicht ins Kino gekommen, und sein Gesicht war so schwer verletzt worden, dass er sich fragte, ob auch nur Teile seines einstmals ebenmäßig guten Aussehens überdauern würden, ganz zu schweigen von der Frage, ob er seinen auf drei Filme angelegten Vertrag mit Lucas würde erfüllen können. Dieser psychische Schmerz wurde durch den gigantischen internationalen Erfolg des Films nur noch verstärkt.
"Das ist der springende Punkt meines aktuellen Dilemmas: Für einen Schauspieler ist es eine traumatische Erfahrung, einen chirurgischen Eingriff im Gesicht über sich ergehen lassen zu müssen. Ich dachte, damit wäre alles vorbei", gesteht er und zuckt zusammen, als ich meine, dass man noch eine kleine Narbe an der Lippe sieht. "Ich dachte, das war's für mich, es sei denn..."
Seit Krieg der Sterne hat Hamill nur einen "emotional vom Pech verfolgten Mann" im wenig bekannten Film Zwei heiße Typen auf dem Highway und die etwas anspruchsvollere Rolle eines zerbrechlichen jungen Soldaten in Sam Fullers The Big Red One gespielt, einem Film über den Zweiten Weltkrieg, der 1978 gedreht wurde und dieser Tage in die Kinos kommt.
"Für den ersten Job, der mir angeboten wurde, als ich mit den Dreharbeiten für Das Imperium schlägt zurück fertig war, sollte ich über Nägel und durch Feuer laufen, bei irgendeiner Show in Las Vegas - keine Ahnung, was das sollte. Das ist einfach völlig bizarr: Ich bin ein erwachsener Mann, und so verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Was soll mein Sohn einmal von mir denken? Plötzlich gibt es da so viele Elemente, die ich nicht kontrollieren kann. Während die Öffentlichkeit mich beobachtet, werde ich fast zum Teil dieser Öffentlichkeit.
Würde jemand mit mir ein Risiko eingehen wollen, würde ich für ein bloßes Taschengeld für ihn arbeiten, weil es richtig frustrierend ist, an so etwas Großem und Beliebtem mitzuwirken, ohne dabei das Gefühl zu haben, wirklich gefordert zu werden. Gestern habe ich für Milos Forman [Einer flog über das Kuckucksnest, Hair, Amadeus] vorgesprochen [für die Filmfassung des Romanbestsellers Ragtime], und ich würde alles tun, um mit diesem Mann zu arbeiten!
Ich habe Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um ein Vorsprechen für 12 Uhr nachts zu kriegen, weil ich dachte, dass es dramatisch großartig wäre, wenn sie Lukes Saubermann-Image benutzen würden, nur damit ihm dann das [Gefängisstrafe wegen Drogenbesitzes] zustößt.
Man sagt sich ständig: 'Nur keine Sorge, Du steckst in keiner Sackgasse.' Ich kann mich über Wasser halten", hat er beschlossen, "solange ich mein Geld zusammenhalte."
Er wechselt das Thema, spricht begeistert von seiner Frau Marilou, ihrem kleinen Sohn und dem Haus in Malibu, dass sie sich gerade gekauft haben. Ich frage ihn, ob seine Frau sein interstellares Alter-ego kannte, bevor sie erstmals miteinander ausgingen.
"Damals dachte ich, nein", meint er, "aber inzwischen habe ich herausgefunden, dass sie es wusste. Ich glaube aber nicht, dass sie das besonders beeindruckt hat. Ganz ehrlich, sie arbeitet als zahnmedizinische Fachhelferin in Westwood und kennt viel mehr Leute aus der Branche als ich. Durch sie bin ich auch erst kürzlich zu einem Konzert der Eagles eingeladen worden: Sie kennt sie, weil sie ihre Zähne reinigt.
Seit dem ersten Film ist viel passiert", räumt Hamill abgekämpft ein. "Und man hat das Gefühl, dass diese Promotourneen durchs ganze Land eine solche Zeitverschwendung sind. Das macht einem schwer zu schaffen, es ist verdammt hart. Einer der Gründe, wieso ich mich so leer fühle und mir so wertlos vorkomme, wenn ich mit Journalisten rede, ist, dass sie mir all diese Fragen stellen, und ich selbst noch die Antworten darauf suche."
"Wollen Sie die Narben sehen?", fragt mich Anthony Daniels, der weltmännische britische Schauspieler mit der leisen Stimme, der der goldglänzenden Krieg der Sterne-Roboterfassung eines kleinlichen Butlers namens C-3PO Leben einhaucht. Der zerbrechlich wirkende, gut aussehende Daniels sitzt neben Hamill in einer Suite des Sherry-Netherland-Hotels in Manhattan auf einem breiten Sofa, knöpft sein hellbraunes Seidenhemd auf und enthüllt grausig aussehende alte Wunden, die seinen Körper wie ein Netz überziehen.
"Der gesamte erste Film war für mich ein Nebel aus Schmerzen", berichtet Daniels. "Die Metallstücke des Kostüms drückten mich in eine Richtung, trafen dort auf ein anderes Stück Metall und quetschten mich schrecklich ein. Es war, als würde man seine Finger wieder und wieder in eine Steckdose halten.
Bei Das Imperium schlägt zurück war es glücklicherweise viel leichter, weil das Kostüm von Grund auf überholt worden war. Jetzt bietet es einem etwas mehr Raum. Vor kurzem habe ich sogar eine kleine Tanzeinlage hingelegt, eine kleine Stepptanznummer in der Muppetshow. Das Ganze wird dadurch erträglich, dass wir gemeinsam ein wunderschöne Figur ergeben." Wenn Daniels von C-3PO spricht, dann sagt er häufig "wir".
"Im Endeffekt habe ich ihn von der amerikanischen Version eines Roboters, der zum Diener programmiert wurde, in einen feschen britischen Trottel verwandelt, aber an sich ist er ganz nett.
Ein Psychiater würde es wohl genießen, mit mir dort drin zu sein", mutmaßt Daniels, "weil man die Menschen wirklich beobachten kann. Man kann ihre Reaktionen auf mich beobachten. Das ist sehr spannend. Manchmal stand ich neben dem Kostüm, und wenn jemand vorbeikam, sagte er zu mir: 'Der Typ, der diese Rolle spielt, muss unglaublich dumm sein.'"
Dann erzählt er mir, wie er von den Sicherheitsleuten bei der Oscarverleihung 1977 beinahe auf die Straße geworfen worden wäre, weil er natürlich nicht im Kostüm aufgetaucht war.
"Ich hatte meinen Ausweis vergessen." Er zuckt mit den Schultern und verdreht die Augen. "Ich musste sie auf Knien bitten, den Typen zu suchen, der für meine Betreuung zuständig war. Mit menschlicher Würde hat die Beteiligung an diesen Krieg der Sterne-Filmen nichts zu tun; persönlich ist mir kein bisschen Würde geblieben. Ich meine, wenn es mich im Schritt juckt, muss mich jemand anderer kratzen, weil meine Hände nicht so weit reichen."
"Er ist eine der berühmtesten Gestalten des Kinos!", ruft Hamill plötzlich, springt auf und geht wie ein besessener Presseagent durch den Raum. "Und trotzdem erkennt ihn auf der Straße kein Mensch!
Ich meine, nur ein Beispiel dafür, wie berühmt ich bin.", fährt Hamill fort. "Eine Frau kam an der Rezeption auf mich zu und fragte: 'Sind Sie der dürre Typ im goldenen Roboteranzug? Ich weiß, er ist hier irgendwo, und Sie sind der dünnste Mensch hier.' Ich antwortete: 'In Ordnung, ich gebe Ihnen ein Autogramm' und schrieb darauf: 'Alles Gute, der dürre Typ im Roboteranzug'."
Zu Daniels gewandt, meint Hamill dann schelmisch: "Ich habe den Krieg der Sterne-Triviatest gemacht und bin durchgefallen. Sie wollten wissen, wer Dein früherer Besitzer war, und ich wusste es nicht mehr."
"Jemand in einem Plattenladen auf dem Sunset [-Boulevard in Los Angeles] hat einmal meine Stimme erkannt.", berichtet Daniels, um sich selbst aufzumuntern. "Ich sagte nur: 'Ich würde gern dieses Album kaufen. Kann ich es bitte haben?' Und er sagte: 'Sie sind Anthony Daniels!' Ich war total geschockt!"
"Am Tag, als wir hier ankamen, haben wir um 9 Uhr morgens eine Pressekonferenz abgehalten", berichtet Harrison Ford völlig erschlagen und reibt sich die Augen, während er seine Beine auf einen Sofatisch im New Yorker Plaza-Hotel hieft. "Von etwa 9:20 Uhr bis 13:30 Uhr haben wir einen Haufen Journalisten getroffen, die an verschiedenen Tischen im Raum saßen, immer 12 auf einen Schlag. Wir zogen von Tisch zu Tisch und haben in vier Stunden ungefähr 150 Interviews gegeben. Dann war eine Stunde Mittagspause, dann kamen wir zurück und machten in den nächsten vier Stunden fünfzehn fünf- bis zehnminütige Fernsehinterviews. Danach ging es zurück aufs Zimmer, wo ich umgefallen bin. Am nächsten Tag haben wir 27 Fernsehinterviews gegeben, und am Sonntag ging es weiter. Heute morgen war ich in der Today Show und habe, ähm, vier oder fünf Interviews mit irgendwelchen Printmedien gegeben."
Seine Augen erinnern mich an die trüben Sumpflöcher des Planeten Dagobah.
"Das letzte Mal waren wir gemeinsam auf Tour", hatte mir Mark Hamill vorher erzählt. "Harrison war unser Werbesheriff. Er hat unsere Auftritte benotet: 'Bescheidenheit - 2. Ich fand es gut, dass Du gesagt hast, Du wärest nicht wegen des Geldes im Geschäft. Dafür eine 1.'" Im Moment ist Ford viel zu müde, um irgendwen zu bewerten, ihn selbst eingeschlossen. "Ich hatte vorher mit Science-Fiction nichts am Hut", sagt er leise. "Und ich bin auch nicht zu Buck-Rogers-Filmabenden gegangen. Ganz ehrlich: Ich war nie ein besonders großer Filmfan."
Ford ist der Sohn eines Werbemanagers und der Enkel eines Varieteedarstellers. In Wisconsin hat er ein wenig Sommertheater gespielt, bevor er drei Tage vor seinem Abschluss das College schmiss.
"Damals habe ich mir zum ersten Mal überlegt, mit der Schauspielerei Geld zu verdienen. Mir war klar, dass ich entweder nach LA oder nach New York musste, und dass verdammt schnell, denn in Wisconsin fing es an zu schneien. Ich habe also eine Münze geworfen. Heraus kam New York. Ich habe sie nochmal geworfen, um nach LA gehen zu können. Wenn ich schon verhungere, wollte ich nicht gleichzeitig auch noch erfrieren.
Ford hatte das Glück, einen Siebenjahresvertrag mit Columbia zu bekommen. "Ich habe das anderthalb Jahre gemacht und wurde dann rausgeschmissen, weil ich zu schwierig war", berichtet er lachend. "Ich war mit dem Prozess, den sie am Laufen hatten, sehr unzufrieden. Sie versuchten dort, im Stil der 50er-Jahre Stars zu produzieren. Mich haben sie losgeschickt, um mir eine Elvis-Frisur machen zu lassen, Haartolle und all das, für 150 Dollar die Woche."
Ford musste eine Frau und ein Kind ernähren und wurde deshalb freischaffender Tischler, der zunächst sein eigenes Haus umbaute, um danach für Sergio Mendes ein 100.000 Dollar teures Aufnahmestudio zu konstruieren. Beim Film arbeitete er immer, wenn er es für "anständig" hielt und landete so in American Graffiti, Francis Coppolas Der Dialog, dem Fernsehfilm Judgment: The Court Martial of Lieutenant William Calley, Krieg der Sterne, Helden von Heute und Der wilde Haufen von Navarone, der zur Zeit, als das Sci-Fi-Spektakel die Nation eroberte, in Jugoslawien gedreht wurde.
Recht überzeugend meint Ford, dass Das Imperium schlägt zurück "das erste Mal ist, das ich etwas von mir gesehen habe, mit dem ich zufrieden bin". Dann fügt er hinzu, dass er kein Gefallen daran findet, sich selbst auf der Leinwand zu beobachten.
Ich erwähne, dass die Sekunden, bevor Darth Vader Han in die möglicherweise tödliche Kohlenstoffgefrieranlage steckt, einer der bewegendsten Momente in Das Imperium schlägt zurück seien.
"Ich liebe Dich!", gesteht die weltverlassene Leia ihrem Helden.
"Ich weiß", antwortet Solo mit einer Arroganz, wie sie das Publikum liebt.
Mit etwas List und Tücke bringe ich Ford dazu, zuzugeben, dass Solos großspurige Art "bis zu einem gewissen Grad" seine eigene ist. "Im Drehbuch", meint er mit seinem unverkennbaren schiefen Grinsen, "stand: 'Ich liebe Dich auch!' Aber das war einfach viel zu direkt. Die Szene brauchte etwas anderes, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Es gibt da ein Gefühl für Gefahr, für Spannung, und 'Ich liebe Dich auch!' setzt da nicht den richtigen Schlussakkord. Ich wollte die Szene in einem anderen Licht erscheinen lassen, und Kershner war einverstanden, also drehten wir sie anders.
Wer die gleiche emotionale Wirkung wie im ersten Film erwartet, wird sie hier nicht wirklich finden. Die Zuschauer, die den Film damals sahen, sind jetzt, drei Jahre später, in ihren Ansprüchen gewachsen, genau wie sich auch die Technik des Films weiterentwickelt hat.
Der Film ist viel emotionaler, und einige dieser Emotionen sind ein ziemlich harter Brocken. Es steckt viel Wahrheit, viel Realität darin, und das ist eine große Errungenschaft.
Außerdem ist es für mich natürlich toll", fügt er mit einem Zwinkern an, "die Kinder zu beobachten, wenn die Liebesszene [im Rasenden Falken, wo sich Han und Leia küssen] läuft. Sie sagen nicht: 'Igitt!'"
Im Sommer 1981 werden die Dreharbeiten zu Die Rache der Jedi-Ritter beginnen (außerdem plant die BBC eine Radioadaption), und die meisten Hauptdarsteller werden wieder mit von der Partie sein. Der Hauptverweigerer ist aktuell Anthony Daniels.
"Nun", wendet er ein, "hätte ich im Moment Lust dazu? Nein! Auf keinen Fall. Aber warten wir es ab, vielleicht kommt ja noch alles ins Lot."
Der Darsteller mit dem größten Enthusiasmus scheint tatsächlich Neuling Billy Dee Williams zu sein, der in Das Imperium schlägt zurück als Lando Calrissian ins Spiel kam, ein Betrüger und ehemaliger Mitstreiter von Solo. Williams liebt seine Figur, die er als "einen Charmeur vom Schlag eines Burt Reynolds" sieht, der Hans Hitzköpfigkeit ausgleicht und unterstreicht.
"Das Ganze ist mehr als pure Unterhaltung", vertraut er mir an einem regnerischen Nachmittag beim Tee an. "Ich sehe das alles aus mindestens drei Blickwinkeln: Vom philosophischen Standpunkt, vom realen Standpunkt und vom Zeichentrickstandpunkt - und wie man es auch dreht und wendet, es ist einfach großartig.
Die Leute fragen mich, wieso ich nach all diesen anderen Sachen ausgerechnet Krieg der Sterne gemacht habe. 'So etwas scheint Dir gar nicht wichtig zu sein!'
Das ist es in Wahrheit, was sie meinen. Aber es ist mir wichtig, weil es Teil meiner Weiterentwicklung ist.
Lando in die Geschichte einzuführen, war richtig", meint er bestimmt. "Als Krieg der Sterne herauskam, habe ich mit George gesprochen und Tacheles geredet. Ich sagte zu ihm: 'Sehen Sie, da ist Darth Vader, das Sinnbild dunkler, schwarzer Angst, und auf der anderen Seite ist Alec Guinness, der weiße Ritter Ben Obi-Wan Kenobi. Es schon wieder das Gleiche, eine Perpetuierung des gleichen, alten Zeugs.'
Und jetzt, mit Lando [der sich langsam zu einem Verbündeten von Leias Sache entwickelt und schwört, Solo zu retten], müssen wir diese alte Sichtweise ablegen. Jetzt reden wir über Symbole - Dunkelheit als Kontrapunkt zur Klarheit. Schwarz, weiß, rot, wir alle sind Teil des menschlichen Urkonflikts, und Darth ist dieses mal schreckenerregender, weil wir jetzt erfahren, dass er ein Mensch ist - er ist kein mechanisches Ungeheuer."
Auf der Webseite der britischen Zeitung The Guardian hat sich Produzent Gary Kurtz (Neue Hoffnung, Das Imperium schlägt zurück) zum Phänomen Krieg der Sterne geäußert:
Es gab tatsächlich mal eine Zeit, da pflegte ich zu sagen, Krieg der Sterne sei nur ein Film, und die Leute, die davon besessen waren, sollten darüber hinwegkommen. Verlasst das Kino und vergesst das Ganze - es ist doch nur ein Film.
Natürlich haben viele Menschen das nicht getan. Der erste Film und seine Fortsetzungen haben eine ganze Generation in Atem gehalten. Der ihnen eigenen Energie, die eine Menge junger Leute davon träumen ließ, in jener Leinwandwelt zu leben, haftete in jenen Tagen der Zauber der Einzigartigkeit an.
Als George Lucas und ich den ersten Film planten, ahnten wir nicht, was daraus werden würde. Die Hingabe, die er auslösen würde, konnten wir uns nicht vorstellen. Der Film sollte den Geist der Flash Gordon-Kinoserien der 1930er Jahre einfangen, die wir in den frühen 60ern im Fernsehen gesehen hatten. Als daraus dieses gewaltige Phänomen entstand, als Menschen anfingen, sich den Film sechsmal pro Woche im Kino anzusehen, waren wir zunächst etwas verblüfft. Die Anziehungskraft, die der Film sowohl beim Sci-Fi-Publikum, als auch bei normalen Kinobesuchern entfaltete, war eine echte Überraschung.
Bald wurde uns klar, dass wir eine Nische entdeckt hatten. Krieg der Sterne kam in die Kinos, als die meisten Science-Fiction-Angebote deprimierend und postapokalyptisch waren. Einen echten Erfolgsfilm, der seine Zuschauer für den Weltraum als letzten Grenze der Menschheit begeistern konnte, hatte es seit Alarm im Weltall 1956 nicht mehr gegeben. Man möge sich erinnern: Auch der erste Star Trek-Film sollte erst Jahre später erscheinen.
Wir wussten, dass es ernsthafte Sci-Fi-Fans gab, die unsere Kinosäle einige Wochen lang in Beschlag nehmen würden, aber danach waren wir davon überzeugt, dass die Welle abflauen und der Film höchstens die Ausgaben von Fox wieder einspielen würde. Stattdessen blieb der Bann des Films ungebrochen: In einigen Kinos lief er 9 Monate am Stück, für heutige Verhältnisse eine unerhörte Leistung. Würde man Harry Potter heute in nur 50 Kinos an den Start bringen und erst in den darauffolgenden acht Wochen weitere Kinos ins Boot holen, würde man für wahnsinnig gehalten: Etwa 80 Prozent der Kinoeinnahmen erwirtschaftet ein Film heute in den ersten zwei Wochen - danach ist nur noch auf DVD Geld zu verdienen.
Was hat Krieg der Sterne also so anders, so besonders gemacht? Ich möchte ein Beispiel für die Sorgfalt geben, die wir bei der Arbeit am Film angewandt haben.
Während George noch am Drehbuch für den ersten Film arbeitete, beschlossen wir bereits, dass der Ton ein wesentliches Element von Krieg der Sterne sein sollte. Ich ging also zur Filmschule der Universität von Südkalifornien, wo George und ich studiert hatten, und fragte den Chef der Tonabteilung, ob er einen Studenten in seinem letzten Jahr hätte, der besonders kreativ war.
Er verwies mich an Ben Burtt, der daraufhin zu unserem Tondesigner wurde. Über ein Jahr lang sammelte Ben Geräusche, wo immer er auf sie stieß, und wir setzten uns regelmäßig zusammen, um sie uns anzuhören und darüber zu reden. Am Ende der Dreharbeiten hatte er eine enorme Tonkollektion zusammengestellt, die er in der Folge für alles verwendete, von R2-D2s Piepsern bis hin zu den Lasereffekten für die Raumschiffe.
Wir wollten, dass Krieg der Sterne anders war und sich nicht wie x-beliebiges "Sci-Fi" anhörte. Ben gab uns kunstvolle Kombinationen verschiedener Geräusche, die den Film aus der Masse herausstechen ließen.
Und das war im Großen und Ganzen meine Rolle bei Krieg der Sterne: George den Weg zu ebnen, damit er seine Arbeit machen konnte. Anders gesagt: Ich habe mich um die Schauspieler gekümmert und all die kleinen Dingen erledigt, das während einer Produktion so anfallen. Bei allen Filmen gibt es kleinste Entscheidungen, die einen Filmemacher irritieren können, weil der sich auf das Gesamtbild konzentrieren muss. George und ich haben recht gut zusammenarbeitet, und ich glaube, es war eine gute Partnerschaft, die am Ende ihren Teil zum Erfolg des Films beigetragen hat.
Könnte Krieg der Sterne heute realisiert werden? Schwer zu sagen, denn viele Dinge waren damals ganz anders. Der größte Unterschied besteht wohl darin, dass es heute unmöglich geworden ist, Geheimnisse zu bewahren, weil zu viele Informationen über einen Film im Umlauf sind, bevor irgendwer ihn überhaupt gesehen hat. Selbst Drehbücher werden inzwischen vor dem Kinostart online gestellt.
1977 wussten nur ein paar tausend Menschen von Krieg der Sterne, als der Film in die Kinos kam, aber danach verbreitete sich die Begeisterung wie ein Lauffeuer, und bald standen die Menschen allerorts Schlange. Heutzutage würde das nie passieren, weil jeder in die erste Aufführung gehen kann, in die er gehen will. Volle Kinosäle sind ein Ding der Vergangenheit, selbst bei erfolgreichen Filmen. Damals lief ein Film vielleicht nur in einigen wenigen Kinos im ganzen Land an. Als ich in New York wohnte, fuhren wir durch die Gegend, um zu sehen, ob die Leute für den neuesten Film von [Ingmar] Bergman Schlange standen. War das nicht der Fall, fragte man sich schon, ob der Film nichts taugte.
Ach ja, was täten wir ohne die Romantisierungsbeiträge von Herrn Kurtz. Keine Drehbücher vorab (der Roman zu Krieg der Sterne erschien sechs Monate vor dem Kinostart), ein Start in nur wenigen Kinosälen (anders ging's nicht, keiner wollte den Film zeigen), gute alte Zeit... ;-)
Die postapokalyptische Gegenromantik gibt's ebenfalls beim Guardian: Die Vorstellung einer Kinowelt ohne Krieg der Sterne, ohne Sequels, endlose Spezialeffekte und mit mehr Finesse und weniger Bombast. Und ohne Kinos, da ohne die Saga Hollywood wohl spätestens Mitte der 80er Jahre endgültig die Puste und die Zuschauer ausgegangen wären. ;-) Tja, alternative Geschichte ist auch nicht mehr das, was sie mal war... :-P
Erst gestern schlug das Imperium zurück, bereits heute tun es die Jedi-Ritter: Ab 20:15 Uhr zeigt ProSieben Episode VI.
Und auch die beste Onlineinfo zum Film wollen wir nicht unterschlagen:
Erstmals lüftet David Prowse alias Darth Vader die schwarze Maske und zeigt sein Gesicht.
Wer jetzt im Hintergrund ein leichtes Wimmern hört, sollte unbesorgt sein: Das ist nur David Prowse. ;-P
Trotz Werbung, Jedi-Rock, Phallussymbolen in der Sarlacc-Grube und der posthumen Degradierung von Sebastian Shaw wünschen wir viel Vergnügen mit Die Rückkehr der Jedi-Ritter, oder wie Brian Daley es einst formulierte:
Their fire is back in the universe. Let it burn high and bright, to be seen by friend and foe. The Jedi have returned!
Heute abend um 20:15 Uhr zeigt sich Yoda auf ProSieben von seiner kulinarischen Seite, denn es ist Zeit für Das Imperium schlägt zurück.
Wenn das kein Grund ist, sich eine schöne Portion Wurzelblättereintopf zu kochen und entspannt in Leigh Bracketts Drehbuchfassung zu stöbern. :-)
Der Abschluss der Saga folgt dann bereits morgen abend mit Die Rache Rückkehr der Jedi-Ritter.
Die Ausstrahlung der Prequels auf ProSieben haben wir zugegebenermaßen ignoriert vergessen, aber heute startet die Trilogie mit dem Film, mit dem einst alles begann.
Um 20:15 Uhr zeigt ProSieben heute abend Episode IV: Eine neue Hoffnung, aka. Krieg der Sterne. Die offizielle Inhaltsangabe ist zu schön, um sie nicht zu bringen, also bitte sehr:
In ferner Zukunft bricht eine Aufstand gegen die dunklen Mächte los, die die Völker der Galaxien unterdrücken. Unter der Führung des greisen Jedi-Ritters Obi-Wan Kenobi tobt der Kampf - bis Obi-Wan und sein Gegenspieler, der schreckliche Darth Vader, die beide magische Kräfte besitzen - in einem furiosen Laserschwertkampf aufeinander treffen...
Genau! Weitere Infos zum Film findet ihr hier bei uns.
Allen Zuschauern wünschen wir viel Vergnügen!
Die beiden weiteren Kapitel der klassischen Trilogie laufen am nächsten Freitag und Samstag jeweils um 20:15 Uhr.
Heute vor 33 Jahren lief Krieg der Sterne hierzulande im Kino an. Kein besonders rundes Jubiläum, aber doch gerade ausreichend, um mal wieder auf Zeitreise zu gehen. Ziel ist heute der März 1978, als die Cinema in ihrer damals 3. bundesweiten Ausgabe Folgendes über den Film zu sagen hatte:
Spektakulär ist dieser Film sicherlich - sensationell auch. Aber man muss diese beiden Begriffe schon ursprünglich beim Wort nehmen, um dem Krieg der Sterne gerecht zu werden: Es handelt sich um eine Sehenswürdigkeit, die alle cinematographisch erreichbaren Sinne packt, fesselt und anderthalb Stunden lang gefangen hält.
Da ist zunächst die atemberaubende Optik, die mitunter, technisch ausgefeilter, an Stanley Kubricks 1968 gedrehtes Science-Fiction-Nonplusultra 2001 - Odysee im Weltraum erinnert. George Lucas' Milchstraßen-Drama enthält 360 Trickaufnahmen, Vergrößerungen von Miniaturmodellen und ähnliche Spezial-Effekte, die nahezu die Hälfte der gesamten Spieldauer ausmachen und an denen drei Jahre lang bis zu 900 Mitarbeiter bastelten. Allein die Montage des grandiosen interstellaren Raumschiff-Showdowns nahm sechs Wochen in Anspruch, und auch der Produktionsetat von 10 Millionen Dollar gibt einen Eindruck davon, welcher Aufwand hinter diesem von der Länge her eher kleinen Film gestanden hat.
Und dann sind da die Masken und Kostüme sowie nicht zuletzt die Bauten. Stuart Freeborn, John Mollo sowie Norman Reynolds und Jesley Dilley haben die bezaubernden Pop-Paradiese und die unheimlichen Höllen der Comic-Subkultur geschaffen. Eine Szene in einer Raumhafen-Bar versammelt das gesamte Personal in der Tradition der Fantasy-Fiction von der Lovecraft-Novelle bis zum Groschenheft. Da prostet eine groteske Micky Maus einem wahnwitzig gewandetem Monster aus dem All zu, da tanzen Mutanten miteinander verfremdete Menuette, und Alptraum-Geschöpfe von fernsten Hirngespinst-Galaxien prügeln sich mit tapferren Terranern. Und während himmlische Heerscharen einerseits über Roboter und Hominide verfügen, die ihren Erbauern in vielem weit überlegen sind, züchten sie auch phantastische Ur-Viecher als Reittiere (Riesenechsen, in Wirklichkeit aus Pappmaché, und Super-Mammuts, geschickt verkleidete Elefanten).
Das Faszinierendste am Krieg der Sterne aber ist die Story, dermaßen simpel im Grunde genommen, dass sie als Exposé auf einem Dutzend Schreibmaschinenseiten Platz hatte. Geradezu banal mutet der Kern dieses Milchstraßen-Märchens an: Böse "Imperiale Mächte" rauben gute Prinzessin von der Erde, die ihre Robotdiener ausschickt, Hilfe zu holen. Der Retter findet sich in einem braven Farmers-Burschen, der eigentlich viel edlerer Herkunft ist und von einem weisen Alten zum Ritter geschlagen wird. Zusammen mit einem draufgängerischen Raumschiff-Piloten und dessen abstoßenden, aber herzensguten und zuverlässigen Partner, zerstört der Held das Hauptquartier des übermächtigen altbösen Feindes, bringt die Königstochter in Sicherheit, tötet alle Schurken, und nur der galaktische Erzganove kann entkommen (um vielleicht in einer Fortsetzung erneut sein böses Spiel zu treiben).
Ein abgegriffenes Klischee, möchte man meinen, angesiedelt irgendwo zwischen Grimms Märchen und 007, zwischen Ritter-Epos und Perry Rhodan. Aber gerade diese geballte Ansammlung von Klischees, von Zitaten aus allen erdenklichen Kino-Genres ist es, die diesem Film von neuem Einzigartigkeit und Originalität verleiht, ihm eine Modernität und Popularität gibt, wie sie die Warholsche Suppendose lange nicht erreicht hat und neben denen sich alle anderen modischen Medien-Mythen nur wie zaghafte Versuche ausmachen. Insofern ist Krieg der Sterne weniger ein Zukunftsfilm aus vielmehr zukunftsweisend für die Zelluloid-Artistik, von der man gegenwärtig häufig den Eindruck gewinnen muss, als sei sie an einem toten Punkt angelangt, müsse auf der Stelle treten, wenn sie nicht einerseits in plakative Polit-Plattidüden oder andererseits formalistischer Bauweise fliehen will.
George Lucas, der bislang überhaupt nur zwei Spielfilme gedreht hatte (nämlich den hierzulande unbekannten Streifen THX-1138 und den nostalgischen Rückblick auf die Rock-"Kultur" der 50er Jahre namens American Graffiti), beweist mit seinem Krieg der Sterne, der im Ausland schon alle Besucher-Rekorde geschlagen hat, das er die Bildersprache der Lichtspiele perfekt beherrscht, freilich nicht die vertrackte Grammatik eines James Joyce, sondern diejenige, in der beispielsweise eine Fibel geschrieben ist. Der Krieg der Sterne - das ist ganz elementares Kino, der setzt nur ein Mindesmaß von Grundwissen und Vorwissen voraus, das hat die Stufe des Analphabetismus gerade überschritten. Hier sind die Gründe zu suchen für den verblüffenden Erfolg dieses Films und - für seine schlichte Liebenswürdigkeit. Trotz des spektakulären, sensationellen Äußeren, in dem er sich darbietet.
Wer nun vor lauter Begeisterung allerdings auf die vermessene Idee kommt, sich die Cinema zu kaufen, sollte vorher noch diesen Bericht über Die Rückkehr der Jedi-Ritter ansehen. Da weiß man dann wieder, was man an der Cinema hat: Absolut nix. :-P
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