
24. September 2001
Allison Gibbons hat Episode II gesehen - Dutzende und Aberdutzende von Stunden voll von Episode II. Als auszubildende Schnittechnikerin, sah sich die 22jährige Gibbons jede Minute Filmmaterial zu Attack of the Clones an, trug gewissenhaft seinen Inhalt ein, damit jene, die in der Schnittkette weiter oben stehen - nämlich Ben Burtt - einen genaueren Eindruck davon bekommen, welche Bilder zur Verfügung stehen.
Die vollständig digitale Produktion bedeutete, neue Arten der Einstellungsbearbeitung kennenzulernen. Vor Episode II arbeitete Gibbons als auszubildende Schnittechnikerin an Die Matrix. "Das war die Filmseite der Dinge.", erinnert sie sich. "Ich habe die Rollen [die wirklichen, physischen Filmstreifen] katalogisiert und den Film gereinigt, während hier alles im Computer ist. Ich habe auch Schnellvorführungen für sie gemacht - ich bin in den Projektorraum gegangen, habe den Film eingelegt und vorführbereit gemacht. Hier schalte ich eigentlich nur den Projektor an, lege das Band ein, spule vor und alles ist fertig.
Die Herauforderung für Gibbons ist es, all die Informationen, die mit jeder Einstellung verbunden sind, zusammenzubekommen. Jedes Take, das mit den hochauflösenden Kameras aufgenommen wurde, enthält jede Menge zusätzliche Daten, die an einem anderen Punkt während der Produktion benötigt wird - seien es der Drehtag, die Art der benutzten Linsen und ihre Einstellungen, und alle Probleme mit der Einstellung. Gibbons gibt diese Informationen in eine Datenbank ein, die über die ganze Produktionsdauer hinweg benutzt wird.
Da der Schnittechniker von Episode II, Ben Burtt, auch der Sound Designer ist, half Gibbons auch dabei, Toneffekte zu sammeln, sowie anderen Aufgaben ihrer Rolle nachzukommen. "Hier stampfe ich herum, mache Godzilla-Laute, und Ben führt Regie und nimmt es auf.", sagt Gibbons lachend. "Ich schneide nicht einfach nur. Ich mache ganze viele andere Sachen. Ich gehe raus und suche für Ben nach seltsamen Filmen, nur als Referenz. Ich schneide für ihn Plastikspinnen aus, damit wir einen schnellen visuellen Effekt haben. Er hat digital eine Menge von schnellem Zeugs gedreht, um die Effekteinstellungen zu ersetzen. Man sitzt nicht einfach nur an einem Computer. Man macht jeden Tag alle möglichen Sachen."
Burrt erwähnte, daß Gibbons vermutlich die einzige in die Produktion verwickelte Person ist, die jede Sekunde Material gesehen hat. "Ich bin diejenige, die es sich ständig ansieht.", sagt sie. "Weil ich alles gesehen habe, weiß ich im Prinzip, wo alles auf diesen Bändern ist. Es ist gut, das zu können. Nicht mal George Lucas hat all das gesehen."
Zusätzlich zur Katalogisierung jeder Einstellung hat Gibbons besonders lustige Schnitzer auf einem Gag-Band beiseite gelegt. "Da gibt es ein paar wirklich lustige Sachen. Ein paar Sachen können wir nicht einbauen, weil da Flüche oder ähnliches drin sind. Oder als die Lady am Set pupste. - wir lagen hier stundenlang lachend auf dem Boden. Oder als Ewan einen Satz nicht hinbekam, aber es versuchte und versuchte und es jedes Mal vermasselte. Es ist lustig anzusehen. Ich habe damit etwas, worüber ich lachen kann, nachdem ich drei Stunden lang hier sitze und das Material durchsehe."
Trotz der schieren Größe ihrer Aufgabe, schätzt Gibbons sich glücklich an solch einer Schlüsselstufe des Produktionsprozesses mitzuarbeiten. "Hier beginnt der Film wirklich zusammenzukommen.", sagt Gibbons. "Ich kann 10 Takes einer einzigen Szene ansehen, aus verschiedenen Winkeln und so, und wenn Ben es schneidet und man den Ablauf sehen kann. Das ist wahrscheinlich der beste Teil dieses Jobs."
Gibbons ist sich der Tatsache bewußt, daß sie, obwohl sie einen großen Teil des Materials gesehen hat, nicht mal annähernd an das Endergebnis herankommt, zu dem über 2000 digitale Effekte von Industrial Light & Magic hinzugefügt werden müssen. "Es ist wirklich spannend, wie das Drehbuch visuell die Szenen beschreibt. Ich kann kaum erwarten, in was sich diese Bluescreens verwandeln werden."