
Meteorologisch gesehen ist seit gestern Frühling, ein perfekter Zeitpunkt also, um toten Sektionen neues Leben einzuhauchen. Genau das tut Fragger MT mit seiner ungewöhnlichen und phantastischen Geschichte Königreich der Ozeane für unsere Fanfiction-Sektion. Teil 1 seines dreiteiligen Werks aus der Frühphase der Alten Republik ist ab sofort online.
Hier ein kurzer Auszug:
„Wer bist du?“
Talks Gedanke schoss bei der Frage reflexartig durch seinen Kopf.
Mein Name ist…
„Nein, nicht dein Name. Nur dein Körper trägt einen Namen. Aber wer bist du?“
Wer er war? Aber der Name war doch das ‚Wer’… Oder nicht?
Welche Antwort war die Richtige? Er zerbrach sich für einige Augenblicke darüber den Schädel, bis er es schließlich aufgab. Talk antwortete überhaupt nicht, sondern stellte eine Gegenfrage.
Weißt du es denn?
Stille.
„Ja.“
Talk dachte nach. Was war das für ein Spiel? Obwohl ihm das alles hätte wirklich unheimlich vorkommen müssen, war es ihm immer noch… egal. Doch mit der Zeit bemerkte er einen starken Drang, seine Neugierde zu befriedigen.
Und wer bist du?
„Jemand, der dich kennt.“
Sag mir deinen Namen.
„Du kennst ihn.“
Talk beschloss das Spielchen noch ein wenig weiter zu treiben.
Nein, ich kenne ihn nicht.
„Falsch. “
Was macht dich so sicher?
„Weil ich dich besser kenne als du selbst.“
Was wollte die Stimme von ihm? War das wirklich nur irgendeine Art Spiel? Wollte man ihn verwirren? Talk spielte weiter mit. Irgendwo musste es einen Schlüssel geben.
Soso… Und wieso stellst du mir dann diese Frage?
„Damit du dein wahres Selbst erkennst.“
Okay, jetzt wurde es unheimlich.
Mein wahres… Selbst?
„Ja, zusammen mit der Wahrheit.“
Welche Wahrheit?
„Sage mir zuerst, wer du bist.“
Talk wurde langsam aber sicher genervt. Wer sollte er bei den Sternen schon sein? Dieses Mal ratterte er die Antwort zügig herunter.
Ein Mensch, Tal’kehras Osraash, Sohn von Asem‘no Osraash, Anführer der…
„Du belügst dich“, unterbrach die Stimme gelassen. Sie war die ganze Zeit über gelassen. Und da schwang noch etwas anderes, Vertrautes mit…
Nein… Ich weiß ganz sicher, wer ich bin und…
Die Stimme ignorierte Talks Antwort noch einmal.
„Abgesehen davon bist du der Sohn toter Eltern.“
Talk unterdrückte ein Keuchen.
Was?
„Sie sind alle tot. Jeder, den du einst gekannt hast.“
Genug gespielt. Sag mir endlich, was du von mir willst!
„Nichts, was du nicht schon weißt… Die Wahrheit.“
Hör endlich mit den Rätseln auf! Von welcher Wahrheit redest du? Wer bist du überhaupt?
„Große Fragen für einen kleinen Jungen.“
Talk wurde langsam aber sicher aggressiv, seine Gleichgültigkeit wandelte sich in Zorn über diese Stimme, die etwas von ihm wissen wollte, was er nicht wusste!
Und doch schwieg er. Talk schluckte seinen Zorn für einen Augenblick herunter und wartete ab, was passieren würde.
„Ist es nicht das, was du mit deinen Fragen erreichen willst? Die Wahrheit erfahren?“
Ja.
„Obwohl du sie kennst, erkennst du sie nicht?“
Ich weiß immer noch nicht wovon du redest.
„Ich spreche über die Wahrheit.“
Talk hätte schreien können.
Das habe ich mittlerweile auch gemerkt…
„Wieso fragst du dann?“
Der Junge hielt seine innere Stimme zurück und wartete abermals, auch wenn seine Ungeduld langsam aber sicher aus seinen Ohren quoll.
Schön. Ich weiß mittlerweile, dass du eine gewisse Wahrheit von mir wissen willst, die ich anscheinend kenne aber nicht erkenne. Ich wüsste nur gerne… bei den Sternen, von welcher Wahrheit redest du?!
Einige Zeit verging.
„Eine Wahrheit ist immer mit einer Antwort auf eine Frage verknüpft. Du stellst dir viele Fragen, obwohl du die Antworten längst kennst. Es sind die Fragen über deine Welt, deine Existenz, alles um dich herum, nicht wahr?“
Talk zögerte.
J… Ja.
„Erkennen musst du die Wahrheit selbst, das kann dir niemand abnehmen. Aber ich kann dich an meinem Beispiel leiten. Möchtest du das?“
Talk zögerte noch einmal. Was wäre, wenn er ‚Ja’ sagen würde… und was, wenn nicht? Er beschloss, alles auf Messers Schneide zu legen.
Ja.
Ein quälender Augenblick verging.
„Dann öffne deine Augen.“
Talk staunte nicht schlecht als er feststellte, dass seine Augen aus irgendeinem Grund tatsächlich geschlossen waren… Aber er hatte sie doch vorhin noch offen und versucht, etwas zu sehen, oder?
Seine Lider trennten sich leicht blinzelnd voneinander und es verging eine endlose Sekunde, in der Talk sämtliche Luft aus der Lunge entwich.
Der anfangs noch blendend weiße Schein eines nun tiefblauen Himmels verblich unter einer fernen, noch viel grelleren Sonne.
Weit am Horizont schienen die Grenzen zwischen Meer und Himmel ineinander zu verschmelzen, denn vor ihm lag nichts als ein unendlicher Ozean, das reinste Königsblau, dass er jemals in seinem Leben gesehen hatte.
Die ruhige See spielte mit den Spiegelungen ferner, weißer Wolken am Himmel und am Rande seines Blickfeldes erhoben sich schillernde Türme, deren fließende Formen mitten aus dem Meer zu treten schienen, als ob sie eins werden würden mit dem Wasser unter ihnen.
Und diese Türme waren Gebäude, es waren Bauwerke, die keine Menschenhand je hätte errichten können, ihre Struktur und Farbe war wie schillerndes Silber, alle Facetten von weiß, grau und schwarz darin eingearbeitet. Es wirkte wie ein fließender Marmor. Surreal.
Und nun war Talk sich vollkommen sicher, nun wusste er mit einem Schlag wo er war.
Das hier war das Sophiria aus den Geschichten, das war das legendäre alte Sophiria, die schillernde Wasserwelt unter der Herrschaft des Königreichs der Ozeane, das Juwel des Dreigestirns der Meere.
Zum 1. Akt von Königreich der Ozeane geht es hier. Vielen Dank dem Autor, und wir freuen uns auf die zwei nächsten Teile! :-)
Beachtet bitte auch die beiden grafisch aufwendig gestalteten Datenbankdateien des Autors zu seinen Planeten Sophiria und Aevum.
Und wenn auch ihr Fanfiction bei uns veröffentlichen wollt, findet ihr hier alle relevanten Informationen.
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