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Aaron

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Dienstag, 9. März 2010, 12:10

Zeitreise: Das Imperium schlägt zurück ist Trash


Zeitreise: Das Imperium schlägt zurück ist Trash
Dienstag, den 09. März 2010 um 12:08 Uhr von Aaron

Wie mein Kollege JM-Talon unlängst so richtig bemerkte, ist Star Wars aktuell nicht forever, wie von offizieller Seite so gerne betont, sondern der reinste Kadaver. Mit anderen Worten: Es tut sich nix, aber so überhaupt nix (mal davon abgesehen, dass Star Wars in Concert unlängst über Irland hineingebrochen ist und umfassend bejubelt wurde; Nächste Haltestelle: Großbritannien und danach Oberhausen und Hamburg).
Gehen wir also - für die etwa 3,5 Leser, die es interessiert ;-) - zum gefühlt 1138. Mal in die Vergangenheit zurück, als es noch Neuigkeiten gab. Heutiges Reiseziel: Der Mai 1980, als Das Imperium schlägt zurück bewies, dass Krieg der Sterne mehr war als nur ein One-Hit-Wonder und die Washington Post die vielleicht ehrlichste und bodenständigste Filmkritik veröffentlichte, die Krieg der Sterne je bekommen hat:

Das Imperium schlägt zurück
von Judith Martin

TESB Das Imperium schlägt zurück einen guten Trashfilm zu nennen, ist keine Beleidigung, denn es gibt auch jede Menge schlechten Trash. Und wir wollen uns doch nicht der Versnobtheit hingeben, es sei undemokratisch zu behaupten, Kultur kenne keine Hierarchie oder es wäre gar unmöglich, dass ein und dieselbe Person sowohl die Erzeugnisse der oberen wie auch der unteren Qualitätsstufe mögen könnte.

Aber wenn seichte Unterhaltung gut gemacht ist, wird irgendwer mit Sicherheit die extravagante und unhaltbare Behauptung aufstellen, es handle sich in Wahrheit um große Kunst. Man wird hören, dass diese Fortsetzung von Krieg der Sterne Teil einer großen, neuen Mythologie wäre, als handelte es sich um die Orestie des Dichters Aischylos. Ihr Schöpfer George Lucas hat enthüllt, die beiden Filme seien in Wahrheit die Teile vier und fünf einer neunteiligen Saga, als ob die Zuschauer eines Tages auf die gleiche Weise zu einer Gesamtaufführung strömen würden wie Wagnerianer heute nach Bayreuth pilgern, um Wagners Ring von Anfang bis Ende zu erleben.

Alles Unfug! Das Imperium schlägt zurück ist kein monumentales künstlerisches Werk, sondern ein Science-Fiction-Film, der allerdings bissiger auftritt als die meisten, selbst als sein eigener Vorläufer. Ein Schokoriegel ist eine wunderbare Süßigkeit, auch ohne so zu tun, als ob er in Wahrheit eine Mousse au Chocolat wäre, Musicals bieten wundervolle Unterhaltung auch ohne sich mit Opern zu messen und Jeans sind perfekte Kleidungsstücke, die dennoch nichts mit der Haute Couture zu tun haben. Es gibt Zeiten, wo man einen wirklich guten Hot-Dog jedem Steak vorzieht, und trotzdem ist man sich dabei doch bewusst, dass es sich bei der einen Speise um Junk Food handelt und bei der anderen nicht.

Das Imperium schlägt zurück verfügt weder über eine Handlungsstruktur, noch über Charakterstudien, geschweige denn eine Charakterentwicklung, noch über eine emotionale oder philosophische Linie. Der Film bietet auch keine eigenständige Vision der Zukunft, sondern vielmehr ein Potpourri aus anderen Trashsubkulturen, darunter Western, Kostümfilme und Kriegsepen. Sein Alleinstellungsmerkmal sind "Spezialeffekte", visuelle Tricks, einige davon verspielt, kreativ und beeindruckend, andere hingegen klassische Weltraumfilmklischees.

Die Gesamtwirkung ist dennoch wild, reizvoll und manchmal auch amüsant. Wie ein guter Hot-Dog, ist das auf einem Feld durchaus eine Leistung, auf dem mehrheitlich ungenießbarer Schrott zu finden ist.

In diesem Film werden, genau wie in Krieg der Sterne, drei gut, aber durchschnittlich aussehende junge Leute (Mark Hamill als Luke Skywalker, Harrison Ford als Han Solo und Carrie Fisher als Prinzessin Leia) von einer finsteren Gestalt in schwarzer Maske und Mantel namens Darth Vader verfolgt. Es fällt schwer, Skywalker dabei nicht für einen Schwachkopf zu halten - aus verschiedenen Gründen hängt er die meiste Zeit kopfüber in der Gegend herum und muss ständig von anderen Leuten gerettet werden -, aber tapfere Helden sind traditionell nicht besonders helle.

Es gibt neue böse Roboter, sowie die guten Roboter C-3PO und R2-D2, deren menschliche Attitüde die Zuschauer im ersten Film bezaubert hat. Ein neue Puppe, die einen großen Guru darstellt, aber eher wie ein ältliches ostasiatisches Nagetier aussieht, ist ein großer Erfolg, ein Reittier, das dem hinteren Teil eines billigen Kamelkostüms gleicht, hingegen nicht. Die Mönchsfigur, die von Alec Guinness dargestellt wird, ist zurück und diesmal mit funkelnden Lichtern auf den Schultern und transparentem Körper unterwegs, beides Zeichen dafür, dass der Charakter in Krieg der Sterne gestorben ist.

Die Zukunft gehört nicht länger allein weißen Männern und einer Alibiprinzessin in einem weißen Kleid. Die Prinzessin hat sich für den Krieg passendere Kleider gesucht, und es gibt neben ihr noch eine weitere Frau im Universum, die man bei der Arbeit im Hauptquartier sehen kann. Es gibt einen Schwarzen, Billy Dee Williams, der als jemand zu sehen ist, der anscheinend vom Verband für kleine und mittelständische Betriebe einen Planeten zugewiesen bekommen hat und sich ständig darüber geklagt, dass er ja "keine Wahl" hätte, wenn er alle Leute in seinem Umfeld verrät.

Zu Anfang und Ende des neuen Films, steht es zwischen dem bösen Imperium und der guten Rebellion gleichermaßen unentschieden, denn Tatsache ist, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt, sondern nur verschiedene Verfolgungsjagden, die in die Mitte eines Films passen würden - eine im Eis, verschiedene mit Raumschiffen in Weltraumkämpfen und einige klassische Duelle, bei denen die Schwerter durch Laserstrahlen ersetzt wurden und die Verwendung der mystischen "Macht" bedeutet, dass es möglich ist, sich seine Waffe zurückzuholen, nachdem sie einem aus der Hand geschlagen worden ist.

Was das Konzept der Macht angeht, ist sie ein Mischmasch aus verschiedenen Aspekten der aktuellen Sektenmode ohne ideelle Grundlage. Sie scheint weder an ethische Normen, noch an einen Verhaltenskodex geknüpft zu sein. Skywalker wird nie dafür gemaßregelt, dass er seinen Guru zunächst unfreundlich behandelt, als er noch nicht weiß, mit wem er es da eigentlich zu tun hat und dabei dem hungrigen Gnom sogar das Essen aus der Hand schlägt. Wieviele Religionen würden es dulden, dass sich ein Schüler weigert, mit seinem getarnten spirituellen Führer Essen zu teilen?

Andererseits sieht man sich Trashfilme allerdings auch nicht an, um philosophische oder religiöse Erkenntnisse zu gewinnen, oder?

x777x

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Dienstag, 9. März 2010, 13:49

hmm naja, so ganz stimmt das alles nicht... vllt. zu der damaligen zeit (immerhin 12 jahre vor meiner geburt) aber mittlerweile kenne ich keine story, die so ein breites spektrum umfasst wie STAR WARS !
da kann auch kein "herr der ringe" mithalten, der von allen so hochgejubelt wurde!
sieht das jmd. anders ?
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Dienstag, 9. März 2010, 14:05

Vielen Vielen Dank für die Übersetzung! ;)

Das ist echt so ziemlich die beste Kritik zu Star Wars die ich je gelesen habe und spiegelt genau meine (mitlerweile, früher war sie anders) Meinung wieder.
Star Wars ist toll, ja sogar sehr toll, keine Frage. Es sind meine Lieblingsfilme ;) GL hat mehrere bekannte Motive verschiedener Genres genommen, dazu einige eigene Erfindungen beigesteuert, und daraus eine wirklich tolle, 3-Teilige Saga geschaffen (ich rede nur von 4-6, 1-3 interessieren mich eher wenig). Früher hätte ich diese Kritik wahrscheinlich abgetan als Schwachsinn, mitlerweile stimme ich damit überein. Nicht falsch verstehen, Star Wars 4-6 sind meine Lieblingsfilme (gibt noch ein paar andere, aber SW zählt definitiv dazu), treibe mich ab und zu hier im Forum rum und lese sehr gerne die Werke aus dem EU, wobei ich diese als das ansehe was sie sind, Trivialliteratur. Es gibt gute SW Romane die einen wirklich in seinen Bann ziehen und Unterhalten, es gibt mittelmäßige, und auch richtig schlechte (Palpatines Auge ^.- ). Für mich ist das Literatur die mich kurzweilig unterhalten soll und nicht irgendwas Lehren soll oder sonst was, das erwarte ich gar nicht, es ist Unterhaltungsliteratur, nicht mehr, nicht weniger.Und ggf diskutiere ich hier im Forum über diverse inhalte der Werke oder auch der Filme. Aber nicht um damit die Welt zu verbessern oder ähnliches, sondern zur Unterhaltung. Auch diskutieren im Forum ist für mich eine Art Unterhaltung und Ablenkung vom Alltag. Und Unterhaltung ist doch nichts schlechtes, und wenn ein Film oder Buch es schafft einen zu Untehalten, und das auch noch gut bis wirklich sehr gut, dann hat er seinen Zweck erfüllt. Star Wars ist in meinen Augen (früher sah ich das anders, aber aus dem Alter bin ich wohl raus) nichts anderes mehr als Unterhaltung, sehr gute Unterhaltung, aber nichts mehr. Gut, als Trash, wie es die Kritik hier tut, würde ich SW vllt nicht bezeichnen, dafür kommt es nicht Low-Budget mäßig rüber. Aber selbst Trash muss nicht schlecht sein, wie die Kritikerin hier ganz richtig schreibt. Ich liebe die alten Italo Western und Zombie Filme ... die Unterhalten mich gut, auch wenn sie Trash sind, und erfüllen damit ihren Zweck komplett.

Star Wars ist für mich Unterhaltung, sehr gute zwar, und nicht mehr. Sachen wie der Ärger um den Canon stören mkich zwar auch (auch bei Unterhaltung mag ich es gerne geordnet), aber ich habe mich mitlerweile damit abgefunden. Und nur weil ein Buch nicht mehr in den Canon passen mag, z.B. durch TCW, ist es nicht besser oder schlechter als vorher. Ich habs da als TCW Ignorierer eh einfach, für mich zählt der alte Canon nach wie vor ^.-

Jedenfalls ist SW, wie schon oft genug gesagt jetz, Unterhaltung für mich. Ich suche da keinen höheren Sinn drinne oder irgendwelche Philosophischen Aspekte oder was weiß ich. Da gibt es dann doch Anspruchsvollere Filme die sowas auch vermitteln wollen und auch besser machen. Genau wie diese ganzen Kiddis die nach Vorgaben des Jedi Kodex leben wollen oder nach dem Mandalorianer Regeln oder wie sich der Quatsch nennt, sorry, aber ihr habt da irgendwas nicht verstanden was Star Wars eigentlich ist. Macht was ihr wollt, aber beschwert euch bitte nicht wenn ihr nicht ernst genommen werdet mit diesem Quatsch.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Findus« (9. März 2010, 14:11)


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Dienstag, 9. März 2010, 15:02

Auch von mir ein großes Danke für die Übersetzung, diese Rezension war wirklich interessant zu lesen - einerseits, weil sie das Thema genau auf den Punkt trifft, aber auch weil endlich mal eine differenzierte und nicht übertrieben euphorische Meinung gezeigt wird. :)

Zitat

Was das Konzept der Macht angeht, ist sie ein Mischmasch aus verschiedenen Aspekten der aktuellen Sektenmode ohne ideelle Grundlage. Sie scheint weder an ethische Normen, noch an einen Verhaltenskodex geknüpft zu sein. Skywalker wird nie dafür gemaßregelt, dass er seinen Guru zunächst unfreundlich behandelt, als er noch nicht weiß, mit wem er es da eigentlich zu tun hat und dabei dem hungrigen Gnom sogar das Essen aus der Hand schlägt. Wieviele Religionen würden es dulden, dass sich ein Schüler weigert, mit seinem getarnten spirituellen Führer Essen zu teilen?

In der OT fehlt tatsächlich der Aspekt des Verhaltenskodexes, aber soll man machen wenn die Ausbildungstätte für Jedi 20 Jahre zuvor zerstört wurde... Luke konnte nicht groß von den Sitten der Jedi lernen, bis er Yoda kennengelernt hat. In ROTJ wird es deutlicher angerissen, als Luke unbewaffnet zu Jabba geht (auch wenn es geplant war, dass R2 ihm das Lichtschwert geben würde) und erst mit ihm verhandeln will; in der PT wo noch alles heil mit dem Jedi-Orden sind Verhaltenskodizes eh immer ein Thema. Was die Autorin wohl aus heutiger Sicht dazu sagen würde?
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JM-Talon

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Dienstag, 9. März 2010, 15:17

hmm naja, so ganz stimmt das alles nicht... vllt. zu der damaligen zeit (immerhin 12 jahre vor meiner geburt) aber mittlerweile kenne ich keine story, die so ein breites spektrum umfasst wie STAR WARS !
da kann auch kein "herr der ringe" mithalten, der von allen so hochgejubelt wurde!
sieht das jmd. anders ?


Trash ist nicht gleichzusetzen mit Müll. Bitte nicht in die Irre führen lassen! Die Autorin erklärt direkt zu Beginn, in welchem Sinn sie hier von einem Trash-Film spricht. Ebenso wie unser Aaron nutzt sie den Begriff Trash ganz bewusst, um Aufmerksamkeit zu erregen (was sie mit Erfolg erreicht hat) und erklärt dann, warum sie hier einen guten Trashfilm erkannt haben will. Natürlich ist Star Wars absolut nicht gleichzusetzen mit klassischen Trashfilmen im Sinne der eigentlichen Definition! Das macht sie aber auch nicht! Ganz im Gegenteil. :)

Die Kritik der Post ist sehr liebevoll und positiv, aber natürlich auch etwas anspruchsvoll, wenn es darum geht, sie zu verstehen. Sie nimmt die Dinge in den Mund und spricht mit den Worten eines Nicht-Fans aus, was für meine Begriffe absolut den Kern trifft. Das alles vor dem Hintergrund der Zeit damals. Und als Fan muss ich sagen, dass ich wohl ein anderes Vokabular wählen würde, wenn ich denn eine Rezension schriebe, aber inhaltlich wäre ich fast exakt auf derselben Linie. Denn bei aller Mystifizierung von Star Wars durch Einzelne: Star Wars ist verdammt gute Unterhaltung, die sich klassische Motive ausgewählt hat, sicher ihrer bedient, aber bei aller Euphorie kein zweiter Faust oder Hamlet ist - und auch nicht das fünfte Evangelium, egal wie viel "Tiefe" da im Nachhinein im Rahmen des Lizenzgeschäfts in Buchform versucht wird da hinein zu pressen (mit für meine Begriffe eher wenig Erfolg). Aber was ist schlimm daran? Ich mag gute Unterhaltung!

Aaron

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Dienstag, 9. März 2010, 15:24

Zitat

Was die Autorin wohl aus heutiger Sicht dazu sagen würde?


Ich kann und will nicht für die Autorin sprechen, aber ich denke, die Prequels würden sie nur in ihrer Meinung bestätigen, denn seien wir einmal ganz ehrlich: Krieg der Sterne ist keine Saga, keine durchgehende einheitliche Geschichte, sondern eine Ansammlung von episodenhaft gemachten, in sich abgeschlossenen Filmen. Gerade die Prequels haben das doch bewiesen: In Episode I hätte eine durchgehende Geschichte beginnen können, aber Episode II und III sind keine Fortsetzungen, sondern wiederum abgeschlossene Einzelfilme. Der visuelle Stil ist jedesmal gänzlich unterschiedlich: Episode I stellt eine Welt mit weichen Farben, flüssigen Formen und dem ganzen Flair eines 30er-Jahre-Technicolor-Fantasy-Streifens vor, Episode II setzt eine science-fiction-haft kalte Welt dagegen, die in Kameraarbeit, Farbigkeit und Aufbau an 50er-Jahre-Trash erinnert und Episode III schließlich bringt Großaufnahmen wie es sie seit den 60ern nicht mehr zu bestaunen gab, um gegen Ende endgültig in die Italo-Atmosphäre der 70er zurückzugleiten. Nicht minder deutlich zeigt sich die fehlende Kontinuität im Auftauchen von Figuren wie Dooku und Grievous oder den wechselnden Angehörigen des Jedi-Rats: Wie aus dem Nichts sind sie plötzlich da, ohne Erklärung, ohne Einführung. Episodenhafter geht es gar nicht mehr.
Das Einzige, was Krieg der Sterne in gewisser Hinsicht zur Saga macht, ist eine halbwegs durchgehende Geschichte und einige wenige gleichbleibende Figuren. Ein Mythos oder ein Meisterwerk in der Tradition des Ring wird aus den Filmen dadurch allerdings noch lange nicht, sondern es bleibt - wie Findus so richtig bemerkt hat - gute, aber seichte Unterhaltung übrig. Was gibt es besseres für einen verregneten Samstagnachmittag? Aus meiner Sicht stehen die 6 Filme jedenfalls in etwa auf einer Stufe mit den Karl-May-Filmen der 60er: Besonders viel Tiefe gibt's nicht, aber die Dinger sind schon mächtig unterhaltsam. Und wenn der Abspann vorbei ist, kann man sich beruhigt Wichtigerem zuwenden. :)
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Darth Revan Lord der Sith

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Dienstag, 9. März 2010, 15:46

@ Aaron:
Meine Frage bezog sich einzig auf den von mir zitierten Absatz, in dem es um das Konzept der Macht ging. Das was du geschrieben hast hat aber ebenfalls meine Zustimmung. ;)
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Aaron

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Dienstag, 9. März 2010, 16:28

@ Darth Revan Lord der Sith: Äh, upsi, richtig. Aber die Macht ist auch mit den Prequels nicht zu einem klar ausgearbeiteten Glaubenssystem geworden, sondern bleibt ein Gimmick. Man nehme nur die Sache mit dem Auserwählten: Wir wissen bis heute nicht, was Lucas da wirklich vorhatte, geschweigedenn was dieser Auserwählte tun soll, wie er in die Macht hineinpasst, woher die Prophezeiung kommt, etc. Wieso wissen wir nichts genaues? Weil eine Trash-Welt - im besten Sinne, siehe Karl May - keinen philosophischen Unterbau braucht, sondern Archetypen, und ein wie auch immer gearteter Erlöser bietet sich da an. Gerade wenn der später noch dem Bösen verfällt. Oder wo Du die Jedi anbringst: Wo findet sich in den Prequels denn ein Verhaltenskodex? Die Jedi tauchen auf wie die US-Marshalls in manchem Western, ohne große philosophische Grundlage. Sie haben, wie Batman, einen Unterschlupf, sie haben ihre Uniformen und ab und zu hauen sie mal einen soliden Einzeiler der Marke "Furcht führt zu Hass" raus. Das ist doch kein spirituelles Fundament, sondern Comic-Trash, und die Jedi sind auch keine Glaubensgemeinschaft, sondern eine Superhelden-Vereinigung, genau wie die Sith, nur dass die eben ein Schurkenklub sind.
Tiefe ist das auch nicht, aber, um zum Ausgangsbeitrag zurückzukommen, "man [sieht] sich Trashfilme auch nicht an, um philosophische oder religiöse Erkenntnisse zu gewinnen, oder?" ;)
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Dienstag, 9. März 2010, 16:34

Alles Unfug! Das Imperium schlägt zurück ist kein monumentales künstlerisches Werk, sondern ein Science-Fiction-Film, der allerdings bissiger auftritt als die meisten, selbst als sein eigener Vorläufer. Ein Schokoriegel ist eine wunderbare Süßigkeit, auch ohne so zu tun, als ob er in Wahrheit eine Mousse au Chocolat wäre, Musicals bieten wundervolle Unterhaltung auch ohne sich mit Opern zu messen und Jeans sind ein perfekte Kleidungsstücke, die dennoch nichts mit der Haute Couture zu tun haben. Es gibt Zeiten, wo man einen wirklich guten Hot-Dog jedem Steak vorzieht, und trotzdem ist man sich dabei doch bewusst, dass es sich bei der einen Speise um Junk Food handelt und bei der anderen nicht.
Ich finde diese Vergleiche mit dem Essen trifft die Sache perfekt!

Henner

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Dienstag, 9. März 2010, 17:00

Wow

der Autor war aber high als er das geschrieben hat. Also ich kenn mich mit Rezensionen nich so aus, aber der Schreibstil erinnert mich irgendwie an Dichter aus dem 19. Jahrhundert. :thinking: :D
Großenteils bin ich aber einverstanden mit dem was ergeschrieben hat, außerdem muss man ja berücksichtigen das es ja schon etwas älter ist.
Es fällt schwer, Skywalker dabei nicht für einen Schwachkopf zu halten - aus verschiedenen Gründen hängt er die meiste Zeit kopfüber in der Gegend herum und muss ständig von anderen Leuten gerettet werden -, aber tapfere Helden sind traditionell nicht besonders helle.
Die Stelle ist aber einfach zu geil ! :D :D
Das mit luke ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen

Captain Rickover

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11

Dienstag, 9. März 2010, 17:45

Naja, ich weiß nicht, was ich von dieser Kritik halten soll. Sie bringt zwar einige Dinge sehr treffend auf den Punkt, aber ich habe generell ein Problem mit solchen Upper-Class Kritiken, so nach dem Motto: Star Wars ist nett und macht Spaß, aber es ist für die gemeinen Leute, aber wir - die höheren Kreise - gucken natürlich auf einem anderen Niveau (So zumindest kommt diese Kritik rüber).

Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt jedem Film-Liebhaber und Filmkünstler auf die Füße steige und mich als Total-Banause oute: Ich kann nicht erkennen, warum Star Wars keinen so hohen künstlerischen Anspruch besitzen soll wie beispielsweise... Der Pate! Ganz ehrlich gesagt: Ich finde Star Wars vom handwerklichen Aspekt da sogar viel anspruchsvoller, denn beim Paten gibt es keine komplizierten Special Effects usw, sondern ganz normale Kamerabewegugen usw. Vielleicht haben die Figuren beim Paten die intelligenteren Dinge gesagt, aber einen richtigen Handlungsfaden konnte ich da noch weniger entdecken als bei Star Wars. Und letztlich schlafe ich beim Paten spätestens ab der Hälfte ein, bei Star Wars nie. Aber Kunst ist es ja zumeist immer dann, wenn der Großteil der Bevölkerung einnickt und nur ein kleiner elitärer Kreis dann ganz im Stillen etwas zur Kunst verklären kann, während alle anderen nichts mehr merken.

@x777x

Also, ich glaube du kennst das Star Wars-Universum nicht richtig. Es ist sehr viel oberflächlicher und viel weniger detailreich als das Herr-der-Ringe-Universum. Hinzu kommt, dass - berücksichtigt man das EU - an Star Wars inzwischen HUNDERTE von Autoren herumgedoktort haben, die sich teilweise widersprechen, Aussagen und Fakten verdrehen oder alte Informationen für ungültig erklären usw. Jedoch beim Herrn der Ringe ist jedes noch so kleine Detail absolut stimmig und alles ist von nur einer EINZIGEN Person erfunden, erdacht und niedergeschrieben worden. Tolkien lässt keine Fragen offen, George Lucas dagegen schafft einen ganzen Berg aus immer neuen Fragen und Widersprüchen.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass die HdR-Filme auch nicht anders sind, als die Star Wars-Filme. In soweit stimmt das schon. Die kratzen natürlich nur an der Oberfläche dessen, was Tolkien geschrieben hat, im Prinzip sind es sogar miserable Verfilmungen - legt man auf Werkstreue großen Wert. Vom Unterhaltungswert würde ich dagegen Star Wars und die HdR-Filme auf etwa eine Stufe stellen.

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Dienstag, 9. März 2010, 17:58

Zitat

Das Imperium schlägt zurück verfügt weder über eine Handlungsstruktur, noch über Charakterstudien, geschweige denn eine Charakterentwicklung, noch über eine emotionale oder philosophische Linie. Der Film bietet auch keine eigenständige Vision der Zukunft, sondern vielmehr ein Potpourri aus anderen Trashsubkulturen, darunter Western, Kostümfilme und Kriegsepen. Sein Alleinstellungsmerkmal sind "Spezialeffekte", visuelle Tricks, einige davon verspielt, kreativ und beeindruckend, andere hingegen klassische Weltraumfilmklischees.
Hier will ich nochmal etwas geklärt haben.
Keine Charakterentwicklung? Also Luke hat sich mit so manchem seelischen Problem herumzuschlagen und dann auch seinen Standpunkt zu finden. Man siehe sich die Szene in der Höhle an, als er Vader gegenübertreten muss. Er reift in der Zeit auf Dagobah endlich zu so etwas wie einem Jedi heran. Letztendlich musste er sich entscheiden ob er seine Ausbildung abschließen möchte oder ob er seinen Freunden helfen möchte, sprich die Moral siegt.

Mir ist klar, dass man den Artikel eher mit einem Augenzwinkern lesen muss, aber dieser Teil ist mir noch nicht ganz klar. Man könnte den Eindruck bekommen, wenn man es nüchtern liest, dass eigentlich gar nichts Wirkliches im Film enthalten ist, er aber dennoch unterhaltsam ist. Naja, ganz so ist es auch wieder nicht.

Die Beschreibung von Luke fand ich aber sehr komisch.
Boota da nolya! Hi chuba da nago?

Aaron

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Dienstag, 9. März 2010, 18:13

Naja, ich weiß nicht, was ich von dieser Kritik halten soll. Sie bringt zwar einige Dinge sehr treffend auf den Punkt, aber ich habe generell ein Problem mit solchen Upper-Class Kritiken, so nach dem Motto: Star Wars ist nett und macht Spaß, aber es ist für die gemeinen Leute, aber wir - die höheren Kreise - gucken natürlich auf einem anderen Niveau (So zumindest kommt diese Kritik rüber).


Eben das sagt die Kritik ja nicht: "Wir wollen uns doch nicht der Versnobtheit hingeben, [...] es wäre [...] unmöglich, dass ein und dieselbe Person sowohl die Erzeugnisse der oberen wie auch der unteren Qualitätsstufe mögen könnte." Anders formuliert: Nur Snobs halten es einzig und allein mit "hochwertigen" Filmen. Die Kritikerin hingegen plädiert dafür, sich alle Filmtypen anzusehen, Trash aber nicht nur deshalb nicht mehr als Trash anzusehen, weil er gute Unterhaltung bietet. Trash ist Trash, und TESB ist sehr guter Trash. ;)

Zitat

Jedoch beim Herrn der Ringe ist jedes noch so kleine Detail absolut stimmig [...]


Also man kann sicher viel über den Herrn der Ringe sagen, aber dass er völlig stimmig ist nun wirklich nicht. Ich empfehle in dem Zusammenhang einfach mal das hier. Und das ist nur die offensichtlichste Unstimmigkeit, über die Inkonsequenz des Meisterrings will ich mich gar nicht auslassen. ;)

Zitat

Vom Unterhaltungswert würde ich dagegen Star Wars und die HdR-Filme auf etwa eine Stufe stellen.


Da würde ich Krieg der Sterne weit höher ansiedeln, einfach wegen der Seichtheit des Stoffs. Siehe die Karl-May-Filme: Seicht ist da schon kein Ausdruck mehr, aber die guckt man sich an - als jemand, der dem Thema offen ist, selbstverständlich -, und der Unterhaltungsfaktor ist einfach toll. Gerade gestern mal wieder gemacht: Winnetou III - toll! Schönes, rundes Abenteuerkino, macht richtig Laune. Heißt das, es ist deshalb Citizen Kane? Ne, ehrlich nicht.
Übrigens hat George Lucas schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass es einen Riesenunterschied gibt zwischen Filmqualität, die so halbwegs objektiv messbar ist, und der Frage, ob einem ein Film gefällt oder nicht:

Zitat

Außerdem habe ich entdeckt, dass die meisten Filmkritiker filmische Analphabeten sind. Sie wissen nicht viel über Filme. Sie kennen die Geschichte nicht. Sie kennen die Technologie dahinter nicht. Sie wissen einfach nichts. Wenn sie also etwas analysieren sollen, sind sie hoffnungslos verloren. Aber meine Freunde wissen, was sie tun, und sie können die technische Seite kritisieren und sagen, "das funktioniert nicht. Du zäumst das Pferd vom Schwanz her auf". Solche Dinge. Der Rest ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und liegt völlig im Auge des Betrachters. "Ich mag diesen Filmen, ich mag jenen Film nicht." Es gibt eine Menge Filme, die schlecht gemacht sind und die ich mag, und es gibt ebensoviele Filme, die wunderschön gemacht sind und die ich nicht mag. Kritiker haben die Tendenz, sich einzig darauf zu konzentrieren: "Ich mag den Film, ich mag den Film nicht, er ist gut, er ist schlecht." Aber so funktioniert das einfach nicht. Und deshalb kann man das ignorieren.


Die oben zitierte Kritikerin ist in dem Punkt erfrischend anders, denn sie kann unterscheiden zwischen a) dem Typ und b) dem Unterhaltungswert des Films. TESB ist vom Typ Trash, aber vom Unterhaltungswert Spitze. Das ideale Gegenbeispiel ist 2001: Vom Typ her künstlerisches Avantgardekino, aber der Unterhaltungswert... Eieieiei... Mal ehrlich, wer guckt sich solche Filme an? Mein Kubrick-Lieblingsfilm ist Spartacus: Künstlerisch na ja, aber mordmäßig unterhaltend. Pun intended. ;)
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-Han Solo

14

Dienstag, 9. März 2010, 22:47

Danke für die Übersetzung!

Interessant an der Rezension von Judith Martin finde ich, dass die Autorin von Anfang an Kunst und Unterhaltung gegeneinander ausspielt. Und an keiner Stelle zieht sie in Betracht, dass es vielleicht noch andere Kategorien als ‚Kunst’ und ‚Unterhaltung’ geben könnte, die uns zu einem Urteil über den Film verhelfen könnten. Stattdessen erscheint sie noch als beide (das heißt ihre zwei vorgestellten) Seiten abwägende und großzügig relativierende Kritikerin, wenn sie den Begriff ‚Trash’ differenziert.

Ich kann zwar keine mich zufriedenstellende Definition von ‚Kunst’ liefern, möchte jedoch kurz vorschlagen, wieso Martins Urteil problematisch ist. Sehen wir uns an, wie der Text mit dem Begriff der Kunst umgeht:

Ausdrücklich nennt Martin keine Elemente, die den Film in ihren Augen künstlerisch machen würden, doch die Kriterien, anhand derer sie Das Imperium schlägt zurück beurteilt, sind Handlungsstruktur, Charaktere, die „emotionale oder philosophische Linie“, die „eigenständige Vision der Zukunft“, visuelle Effekte und die Wirkung.

Nun kann man überlegen, was denn noch fehlt, um sich dem „Künstlerischen“ zumindest anzunähern:

Reichen Martins genannte Kriterien aus, um einen Film, sofern man denn den Versuch machen möchte, einigermaßen objektiv zu beurteilen? Gerade im Film gibt es doch noch andere Aspekte: die Form, das dem Medium Film Eigene, das sich nicht alleine durch die Frage, ob und wie Spezialeffekte verwendet werden, erfassen lässt. Um zu entscheiden, ob Star Wars in dieser Hinsicht als künstlerisch bezeichnet werden kann, kenne ich mich nicht genügend aus, aber wer über den Film, nicht nur über die Handlung urteilen möchte, sollte das berücksichtigen, denke ich.
Der Beitrag zur Form aber nur nebenbei. Genauer möchte ich auf die „philosophische Linie“ / die philosophische oder religiöse Erkenntnis eingehen. In dieser Hinsicht bietet Star Wars eine scheinbar leichte Möglichkeit, um mit Kritik anzusetzen, denn die meisten philosophischen Aussagen, die in den Filmen getroffen werden, stehen in Zusammenhang mit der Idee der Macht, und diese lässt sich leicht kritisieren. Aber ist das schon alles? Eigentlich macht Martin hier meiner Meinung nach einen großen Fehler, indem sie das Subjektive ausklammert.

Seit ich Star Wars kenne, haben die Filme mich beeinflusst, und der Einfluss bestand nicht allein in Unterhaltung. Wenn ich die Jedi vorgestellt bekam, habe ich vielleicht nicht automatisch tolle Leitideen vorgestellt bekommen, wie ich mein Leben führen sollte. (Ob die Jedi in den Filmen überhaupt eine Art Verhaltensideen vermitteln sollen? Man beachte, dass mit Yoda die wohl höchste Autorität der Jedi in den Filmen in Die Rückkehr der Jedi-Ritter selbst widerlegt wurde, was das „einmal dunkle Seite, immer dunkle Seite“ betrifft.) Aber die Filme bildeten einen der Anreize in meiner Kindheit und bis heute, über die Welt und über mich selbst nachzudenken, und das immer wieder. Und sie haben meine Fantasie angeregt und mich dazu animiert, selbst tätig zu werden. Und eine Leidenschaft erzeugt. Damit haben sie mir mehr als Unterhaltung gegeben (ohne Unterhaltung in irgendeiner Weise abwerten zu wollen). Bei vielen Fans ist es doch genauso. Die Filme müssen nicht gleich ein eigenes, höchstdurchdachtes philosophisches Modell präsentieren, um zur Auseinandersetzung und so vielleicht ein wenig auch zur Weiterentwicklung anzuregen. Sie müssen ja nicht Sinn liefern – so möchte ich sagen, weil ich genau diesen Eindruck bekommen habe, als ich die Rezension gelesen habe –, um für jemanden Bedeutung zu gewinnen, es braucht einen Interpreten. Die Filme müssen Sinn nicht servieren. Wobei die Vergleiche mit Essen, die Martin anführt, tatsächlich meinen lassen könnten, dass die Autorin eine solche konsumtive Auffassung von Kunst hat.
Diese Ausführungen würde ich vorsichtig unter der ‚Wirkung’ der Filme verzeichnen, allerdings unter der subjektiven. Martin begibt sich bei ihrer Beschreibung der Wirkung auf ziemlich dünnes Eis, wenn sie so tut, als wären „wild“, „reizvoll“ und „amüsant“ objektiv zu beobachtende Eindrücke.

Ob man die subjektiven Wirkungen nun zum Künstlerischen beziehungsweise zu etwas zu einem Teil auch in den Händen des Künstlers Liegendem zählen möchte oder nicht, möchte ich hier gar nicht entscheiden. Zählt man es jedoch hinzu, bleibt Martins Argumentation dürftig; zählt man es nicht hinzu, kann man kritisieren, dass sie nur von den beiden Polen ‚Kultur’ und ‚Unterhaltung’ ausgeht und Weiteres außer Acht lässt. Die subjektive Seite anderer entzieht sich zwar dem Urteilenden, und sie zu berücksichtigen ist wohl auch nicht Aufgabe der Rezension, aber dann soll die oder der Rezensierende doch wenigstens nicht so tun, als gäbe es dieses Weitere nicht. Klar hatte Martin zum Zeitpunkt, zu dem die Rezension erschien, eine andere Kenntnis von den Filmen als jemand sie heute haben könnte, aber das ändert nichts an dem, was ich ihr im Kern vorwerfe, dass ihr Urteil problematisch ist.

Wie steht ihr zu meinen Einwänden? Ich hoff, mein Text liest sich nicht so schleppend, und es wirkt vielleicht ein wenig so, als fühlte ich mich in meinem „Innersten“ durch die Kritik von Martin angegriffen oder so, aber eigentlich ist meine Antwort nur aus dem Gefühl heraus entstanden, dass Star Wars mir schon noch ein bisschen mehr bedeutet als Unterhaltung.

Viele Grüße
Ben

Aaron

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15

Mittwoch, 10. März 2010, 10:45

Ich glaube, genau für solche Einwände, hat sie den Satz "Aber wenn seichte Unterhaltung gut gemacht ist, wird irgendwer mit Sicherheit die extravagante und unhaltbare Behauptung aufstellen, es handle sich in Wahrheit um große Kunst." eingebaut. Die subjektiven Gefühle, die Krieg der Sterne bei Dir weckt, wecken die Karl-May-Filme bei mir auch, aber deshalb sind sie trotzdem keine Kunst. Jeder Film, der Helden zeigt, bietet damit Vorbilder, denen man nacheifern kann, und natürlich kann man darüber philosophieren, was diese Helden nun genau zu Vorbildern macht, aber wird ein Superman-Film damit zur großen Kunst? Oder eine beliebige Bay/Bruckheimer-Produktion? Nehmen wir als Beispiel The Rock. Ich nehme mal an, niemand wird diesen Film als große Kunst betrachten, was nicht heißt, dass er nicht ausgezeichnet gemacht wäre. Er ist es, sonst wäre er nie dermaßen unterhaltsam. Der Film zeigt einen Durchschnittstypen, der zum Helden wird, weil er in einem kritischen Augenblick Verantwortung übernimmt. Das ist vorbildlich und zeugt von Zivilcourage, und entsprechend könnte man in sämtlichen gesellschaftspolitischen Diskussionen, die sich um das Thema Zivilcourage ranken, auf The Rock verweisen und obskurste Metaphern zu diesem Film formulieren. Aber macht das allein The Rock schon zu einem künstlerischen Meisterwerk?
Krieg der Sterne ist eine äußerst gelungene Mischung aus allem, was in der Filmgeschichte und der Populärkultur von sagen wir 1912 (Entwicklung von Tarzan, Beginn der Abenteuerära) bis 1965 (ungefähres Ende der Monumentalära Hollywoods) Erfolg hatte und gute Unterhaltung geboten hat. Dazu sind einige Hippie-Elemente eingeflossen, spektakuläre Spezialeffekte, und Joseph Campbells Heldenreise als erzählerische Grundstruktur. Das Ergebnis ist toll, aber Kunst ist das trotzdem nicht, sondern äußerst gelungenes Recycling. Allerdings wäre es sicher möglich gewesen, Kunst daraus zu machen, bsp. durch sehr viel dreidimensionalere Figuren, unkonventionelle Schnittfolgen, Voice-Over-Kommentare, Traumsequenzen, etc. Wenn es also Krieg-der-Sterne-Kunst gibt, dann ist es das Holiday-Special, und davor kann man eigentlich nur Reißaus nehmen. Die Unterhaltungstrashvariante ist da doch eigentlich vorzuziehen. ;)
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16

Mittwoch, 10. März 2010, 11:24

Zu definieren, was Kunst ist und was nicht, ist eine schwere, schwere Angelegenheit. Ist Charlotte Roche Kunst? Charles Bukowski? Kubrick?

Ich habe in meinem Leben sowohl absoluten Trash (Flash Gordon) als auch sogenannte Kunst (Hesse) genossen. Und ich finde inzwischen, dass sich Kunst unmöglich ausmachen lässt. Es gibt keinen Konsens, welche Elemente ein Werk zu Kunst machen. Die einen sagen: die Schnitte, die Optik. Die anderen sagen: die Figurentiefe. Etc. Es gibt so viele Meinungen darüber wie es Menschen gibt.

Es würde mich deswegen interessieren, was für dich eine eindeutige, greifbare Definition von "Kunst" ist.

Aaron

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Mittwoch, 10. März 2010, 11:30

Kunst ist, was mehr als 3 Leute auf der Welt für Kunst halten. Insofern ist alles Kunst. Aber um Kunst im Allgemeinen geht es hier ja nicht, sondern um Kunst als Gegenbegriff zum Trash. Und dass zwischen Uhrwerk Orange und The Rock ein Unterschied besteht, ist doch recht augenfällig, oder nicht? 2001 und Planet der Affen? Citizen Kane und Die Spur des Falken? Oder selbst Eyes Wide Shut und Basic Instinct?
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18

Mittwoch, 10. März 2010, 11:58

"Star Wars" ist Kunst. Was nie verstanden wurde, ist, dass es Teil des Konzeptes war, wie Trash auszusehen. "Star Wars" ist so einzigartig, eben, weil es der absolute individuelle Ausdruck eines Mannes und seines Teams ist und in der Lebenswelt von George Lucas kommen eben philosophische und mystische Konzepte genauso vor, wie "Flash Gordon". Und das alles wurde auf hervorragende Art und Weise miteinander verbunden. Man kann "Star Wars" nicht erklären, man kann es versuchen, man kann sagen, es ist eigentlich nur das und das, aber sobald die Musik anfängt und der Titel erscheint, ist es "Star Wars" und alle Erklärungen greifen doch wieder irgendwie zu kurz.

Philosophischer Unterbau: Ganz klar ist "Star Wars" aus der Richtung des Buddhismus inspiriert, was sich schon daher erklärt, dass Lucas, als großer Kurosawa Fan, sich sehr von den Kurosawa-Samurais sich hat inspirieren lassen. Natürlich wird dies nie ausformuliert, aber die Autorin unterliegt einen Irrtum, als sie sagt, einer religiösen oder einer philosophischen Meinung liegt ein Verhaltenskodex zu Grunde.
Das stimmt natürlich nicht, Verhaltenskodexe tauchen erst auf, wenn aus den Meinungen, aus dem Glauben eine feste Organisation wird. Die Logik des Ganzen ergibt sich aus der Summe.

Ansonsten kann man festhalten, dass viele große Kunstwerke von einer bestechenden Einfachheit sind, nicht simpel oder ver-einfachend, sondern den Kern in einem einfachen, verständlichen Bild festhaltend. Und das schafft "Star Wars", zumindest die Original Trilogie. Jeder versteht "Star Wars", jeder versteht Lukes Zögern, jeder versteht Lukes Konflikt vor dem Imperator, sein Bestreben, seinen Vater zu retten und die Aussage des Imperators, dass Luke ihn töten könne, ohne Probleme, aber das er dann selbst zum Imperator werden würde.

Und ich denke, die Klugheit, die diese Reihe besitzt und ihren einfachen Zugang, ihr absolutes Fehlen jeglicher Arroganz oder belehrender Art oder messianischem Eifer, das macht sie - unterm Strich - zur erfolgreichsten Filmreihe, vielleicht sogar zur erfolgreichsten kreativen Arbeit aller Zeiten.

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19

Mittwoch, 10. März 2010, 12:00

@ Aaron

So augenscheinlich ist das nicht. Lies mal Bukowski. Ich habe eines seiner Bücher gelesen, ehe ich wusste, dass er als einer der wichtigsten amerikanischen Künstler bekannt ist. Und wofür hielt ich es beim Lesen? Für Thrash.

Eine eindeutige Definition hast du mir noch nicht gegeben. Nichts gegen dich, aber solange es die nicht gibt, ist der Begriff für mich wertlos weil ohne Aussage.
Als "Künstlerin" strebe ich nämlich danach, deutliche Aussagen zu treffen.

Aaron

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20

Mittwoch, 10. März 2010, 12:44

Zitat

Eine eindeutige Definition hast du mir noch nicht gegeben. Nichts gegen dich, aber solange es die nicht gibt, ist der Begriff für mich wertlos weil ohne Aussage.


Sorry, aber das gilt für fast jedes Wort in jeder Sprache. Je nach Sprachregister, bedeutet es etwas anderes. Beispiel: Amboss.

Zitat

Der Ausdruck Amboss bezeichnet

* Ein Schmiedewerkzeug
* Einen Knochen im Ohr
* Ein Betriebssystem für Siemens-Prozessrechner
* Ein Musikinstrument
* Den oberen Teil einer Gewitterwolke


Und die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Meine obige Definition für Kunst, ist dem juristischen Feld entlehnt. Rechtlich ist Kunst, was 3 Leute dafür halten. Wieso 3? Weil 3 Leute rechtlich gesehen eine Menge darstellen, anders gesagt: Was eine Menge für Kunst hält, ist Kunst.
Für diesen Thread ist Kunst, was im Text, über den wir hier diskutieren, als Kunst gewertet ist: Kunst ist ungleich Trash. Trash ist gleich Unterhaltung. Kunst ist ungleich Unterhaltung. Wenn Du eine eindeutigere Definition willst, verweise ich Dich auf den Ausgangstext oder an dessen Autorin. :)
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21

Mittwoch, 10. März 2010, 13:24

Ich halte die These, das Kunst ungleich Unterhaltung ist, für sehr bedenklich. Denn das bedeutet ja, dass Kunst nicht unterhaltend sein darf. Unterhaltend ist meistens das, was lebendig ist, also soll Kunst nicht lebendig sein. Für mich ist auch Richard Wagners "Ring" oder ein Stück von Shakespeare sehr unterhaltend. Der Irrtum, dass Kunst nicht unterhaltend sein darf, speist sich, meiner Meinung nach daher, dass diese "Klassiker" ein anderes Tempo hatten, das Tempo der damaligen Zeit war ein anderes, das Medium war ein anderes, ein Konzert, ein Theaterstück muss anders konzipiert sein, als ein Film, noch dazu ein Film, der seine Wurzeln zur Hälfte in den schnellen Fernsehserien der 50er hat, diese allerdings mit Inhalten auflädt.

Ein kleiner Nachtrag:
Die Autorin wundert sich, dass Yoda Luke nicht zurecht weißt, auf Grund seiner Respektlosigkeit. Das ist für mich ein Zeichen, dass sie die Szene nicht verstanden hat, bzw. vielleicht auch nicht verstehen wollte. Die Jedi Ausbildung hat eben nix mit Bibelschule zu tun oder die Beziehung Meister/Schüler nichts mit billiger Autorität, die durch Härte durchgesetzt werden muss, sondern, frei nach der östlichen Weisheit, wie in Kurosawas Filmen angesprochen, mit Erkenntnis und Meditation.
Auch ohne diesen Hintergrund wird die Szene vollkommen dadurch verständlich, dass der Zuschauer, wie Luke überrascht ist, dass es sich bei dem Gnom um einen großen Meister handelt. Yoda nimmt das später auf und sagt "Size matters not", das Äußere hat nichts mit der inneren Größe zu tun. Lukes Erkenntnis, dass er voll von Vorurteilen steckt, das ist seine Strafe. Das er nichts weiß. Und das ist seine Handlungsachse. Zu Anfang des Filmes glaubt Luke durchaus, dass er die Dinge im Griff hat, er ist ein militärischer Kommandant, er kann mit der Macht Dinge bewegen, dann jedoch wird er abgeschossen, geht nach Dagobah und stößt in seiner Ausbildung auf seine Grenzen ALS MENSCH, als jemand, der an gewisse Dinge nicht glauben kann und lernt im zweiten Schritt, dass er nichts weiß. Dieser Bogen zieht sich bis zur Enthüllung Vaders, er sei sein Vater. Alles, was für Luke fest und unumstößlich ist, seine ganze Welt gerät aus den Fugen. Doch er beschließt weiterzumachen und sieht am Ende einer ungewissen Zukunft entgegen, er steht an der Schwelle zum Erwachsensein.
Das ist ein klarer Figurenbogen. Klar erzählt, gut geschrieben.
Der Autorin fehlt anscheinend einfach auch das Handwerk, einen Film durchgängig und vollständig zu betrachten. Es ist Teil von Yodas Charakter, dass er alles auf Erkenntnis setzt, nicht auf Strafe. Dieses Konzept wird klar und vollständig im Film durchgehalten und erzählt.
Die Figurenbögen sind nicht komplex, sie sind aber da. Han wird sanfter, Leia öffnet sich langsam und vll. zum ersten Mal als Frau, Darth Vader entdeckt zum ersten Mal wieder etwas menschliches in sich und zwar, dass er Vater ist. Das sind alles klare Handlungsbögen.

Meine Vermutung ist, dass die Kritik weniger auf den Film geschrieben wurde, als um die Begleitumstände, die damals herrschten. "Imperium" kam vermutlich mit einem gigantischen Hype ins Kino, dann noch Lucas Aussage, es gäbe neun Episoden, da wurde vermutlich alles etwas euphorisch, vll. sogar die Autorin zwischenzeitlich selbst. Die Kritik ist dann eher ein Gegenentwurf zu dem Hype, ein "es ist unterm Strich auch nur ein Film".
Aus heutiger Sicht, nach dem Hype, bleibt die Betrachtung des Filmes an sich und da ist - außer ein paar Äußerungen zu den Special Effects und dem Nicht-Erkennen der Figurenentwicklung - relativ wenig zu sehen. Für mich ist da sehr viel feulliotonistisches Gehabe dabei.

Ich glaube, viele unterschätzen die Einfachheit "Star Wars". Die ersten Drehbuchentwürfe waren dabei wesentlich komplexer, wesentlich politischer, es wurde viel deutlicher, dass es bei dem galaktischen Konflikt um Nixon, um Vietnam, um Amerika ging. Doch Lucas arbeitete konsequent die Kernmotive heraus und das Ergebnis ist das, was wir heute kennen.

Aaron

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22

Mittwoch, 10. März 2010, 13:41

Zitat

Doch Lucas arbeitete konsequent die Kernmotive heraus und das Ergebnis ist das, was wir heute kennen.


Ich würde eher sagen: Lucas hat die Kernmotive weggelassen, die Politik fast völlig rausgenommen, Gesellschaftskritik runtergefahren auf ein totales Minimum, usw., damit der Film das wurde, was wir heute kennen. Und nicht mehr erkennen. Denn sicherlich kann man Krieg der Sterne als gesellschaftskritisches Meisterwerk interpretieren - vor nicht allzu langer Zeit, habe ich es mal in einem Editorial gemacht -, aber letztlich steckt diese Gesellschaftskritik nicht im Film, sondern im Umfeld und in den eben gerade nicht verfilmten Vorentwürfen. Der Film ist, um beim Kunstbegriff des Ausgangsbeitrags zu bleiben - der, wie inzwischen mindestens dreimal erwähnt, kein allgemeiner Begriff, sondern ein äußerst spezieller ist - eben keine Kunst, sondern bewusst als Unterhaltungsfilm konzipiert. Lucas wollte einen Film für Kinder und Jugendliche, er hat es 1977 mehrfach gesagt. Sein schwülstiges "ja, es ging doch immer um Anakin"-Gefasel taucht in der Form eigentlich erst in den 90ern auf, übrigens eine weitere Ähnlichkeit mit den inzwischen vielfach erwähnten Karl-May-Stoffen, denn auch Karl May hat gegen Ende seines Lebens plötzlich behauptet, seine Abenteuer- und Unterhaltungsromane seien als große Allegorie gemeint gewesen. Ist doch Quatsch, natürlich waren sie das nicht, und wären sie es gewesen, hätten sie nie Erfolg gehabt. Genausowenig wie Krieg der Sterne als Kunstfilm erfolgreich gewesen wäre. Siehe die Einspielergebnisse von 2001 oder jedem beliebigen Kubrickstreifen, oder was das angeht Citizen Kane. Wer will sich denn intellektuellen Philosophenquatsch im Kino ansehen? Nachts um halbzwei auf Arte, na bitte, aber im Kino? Zur Special Edition gab es ein wunderbares Krieg-der-Sterne-Trilogie-Plakat mit dem simplen Spruch: "Three reasons they built movie theatres". So sieht es aus, das ist Krieg der Sterne: Blockbuster-Kino, für die große Leinwand und eine möglichst große Zahl von Zuschauern gemacht. Kubrick hat dagegen Kellerkino fabriziert, das bis heute Kopfschmerzen produziert, während Krieg der Sterne noch immer direkt zu Herzen geht.
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23

Mittwoch, 10. März 2010, 14:50

Vielleicht, um es etwas präziser zu sagen: Meiner Meinung nach hat Lucas sich mehr auf das grundsätzliche gestützt und deswegen die direkte Politik in einem gewissen Stadium rausgelassen, um etwas zu erhalten, was die gegenwärtigen politischen Verhältnisse transzendiert. Dadurch kam etwas zum Vorschein, was generell und allgemeingültig ist. Meiner Meinung nach, sind die ursprünglichen gesellschaftlichen Zustände, die der Boden für "Star Wars" waren nie ganz verschwunden, bzw. in der PT wurden diese ja direkter wieder aufgegriffen.
Das meine ich mit Kernmotiv. Hinter den eigentlich äußeren Vorgängen arbeitete er eine innere Wahrheit heraus, eine, die zu dem Konzept passt.

So arbeitete er ja auch bei "THX", bzw. etwas weniger auch bei "American Grafitti". Verdichtung des Raumes und der Zeit, um gewisse Vorgänge verständlich und anschaulich zu machen. Bei THX war dieser Kunstraum abstrakt, bei American Grafitti lag er in einer Nacht in einer amerikanischen Kleinstadt, bei "Star Wars" ist dieser Raum mit Popkultur, Philosophie und Fernsehserien ausgekleidet.

Und das ist eine ganz spezielle Arbeitsweise. Die Arbeitsweise eines Künstlers.
Und es hat sogar noch Erfolg und drängt sich nicht auf.

Darth Pevra

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24

Mittwoch, 10. März 2010, 18:31

Sorry, aber das gilt für fast jedes Wort in jeder Sprache. Je nach Sprachregister, bedeutet es etwas anderes. Beispiel: Amboss.
Da ergibt sich die genaue Bedeutung im Zusammenhang. Ich frage bei diffusen Begriffen immer nach, damit eine vernünftige Diskussion zusammen kommt. Wenn nämlich jeder an was anderes denkt, funktioniert das nicht.
Und die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Meine obige Definition für Kunst, ist dem juristischen Feld entlehnt. Rechtlich ist Kunst, was 3 Leute dafür halten. Wieso 3? Weil 3 Leute rechtlich gesehen eine Menge darstellen, anders gesagt: Was eine Menge für Kunst hält, ist Kunst.
Für diesen Thread ist Kunst, was im Text, über den wir hier diskutieren, als Kunst gewertet ist: Kunst ist ungleich Trash. Trash ist gleich Unterhaltung. Kunst ist ungleich Unterhaltung. Wenn Du eine eindeutigere Definition willst, verweise ich Dich auf den Ausgangstext oder an dessen Autorin. :)
Kunst erschließt sich also daraus, ob der unterhaltende oder der intellektuelle Aspekt in Vordergrund steht. Ich stimme da zwar nicht zu, aber die Definition lässt sich verwenden (obwohl es einige anerkannte Kunstwerke gäbe, die dann nicht mehr unter Kunst fallen).

Ja, deiner Definition folgend ist Star Wars keine Kunst, sondern Unterhaltung, da gebe ich dir völlig Recht.

In meiner Definition gibt es keine Kunst, weil ich den Begriff als solches ablehne. Es gibt nur Werk und Konsument. Klar, ich verwende das Wort Kunst ebenfalls, aber ich sehe das Abwägen zwischen intellektuell und unterhaltsam problematisch, insbesondere, da manche Werke viel von beidem aufweisen.

25

Mittwoch, 10. März 2010, 21:55

^^ Echt schwierig. Aber ich weiß nicht – welchen Ansatz zu Kunst wir auch wählen, ich hab immer noch das Gefühl, dass es zu kurz greift, Filme entweder in ‚Kunst’ oder in ‚Trash’ einzuordnen. Genau den Eindruck ruft Martin bei mir aber hervor. Ich will gar nicht beurteilen, ob Star Wars Kunst ist, und die Gefühle, die Star Wars in mir weckt, will ich auch gar nicht als Argument dafür heranziehen, dass es Kunst sei. Aber Filme können doch mehr bedeuten als ‚Trash’, ohne gleich Kunst sein zu müssen.

Oder sieht Martins Verständnis von Kunst tatsächlich so aus, dass es Kunst auf der einen Seite, ‚Trash’ auf der anderen gibt (den man noch differenzieren kann), und dazwischen nichts? Das macht es vielleicht leichter, zu einem Urteil über den Film zu kommen. Das Provozieren gelingt mit dieser Zuspitzung offenbar auf jeden Fall ;).

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26

Freitag, 12. März 2010, 23:59

Zitat


Das Imperium schlägt zurück einen guten Trashfilm zu nennen


Trash bedeutet Müll - einen Film Müll zu nennen ist selbstverständlich eine Beleidigung, auch wenn es nicht so böse gemeint ist. Einen Film Müll zu nennen, der eine Saga fortsetzt, die zu den erfolgreichsten Franchises aller Zeiten gehört, finde ich unpassend - wieso? Das ist einfach zu erklären. Was ist Müll? Müll ist etwas, was niemand mehr braucht, was keinen Nutzen hat, was weggeworfen wird, woran keiner mehr Interesse hat. All diese Dinge treffen auf SW nicht zu. Es wird von sehr vielen Menschen in verschiedenster Form geschätzt und dazu gehört auch EP IV. Es hat einen Nutzen, nicht zuletzt Unterhaltung, aber eben auch - wie viele Märchen - eine durchaus belehrende Formel. Natürlich wird man vergeblich ethische Grundsatzdiskussionen a lá Kant suchen, aber es ist ja auch ein Film für Kinder, mit solchen Inhalten wäre man da fehl am Platz. Es wäre dann Müll, wenn solche Diskussionen enthalten wären und der Film trotzdem für Kinder gedacht wäre - das ist Müll, denn einen Kinderfilm mit Grundsatzdiskussionen auf Akademikerniveau, ist schlicht nicht zu gebrauchen.

Zitat


Aber wenn leichte Unterhaltung gut gemacht ist, wird irgendwer mit Sicherheit die extravagante und unhaltbare Behauptung aufstellen, es handle sich in Wahrheit um große Kunst. Man wird hören, dass diese Fortsetzung von Krieg der Sterne Teil einer großen, neuen Mythologie wäre, als handelte es sich um die Orestie des Dichters Aischylos. Ihr Schöpfer George Lucas hat enthüllt, die beiden Filme seien in Wahrheit die Teile vier und fünf einer neunteiligen Saga, als ob die Zuschauer eines Tages auf die gleiche Weise zu einer Gesamtaufführung strömen würden wie Wagnerianer heute nach Bayreuth pilgern, um Wagners Ring von Anfang bis Ende zu erleben.


Dünnes Eis, sehr dünnes Eis. Wenn Millionen von Zuschauern, oft mehrmals, einen Film schauen, dann ist dies schon als groß zu bezeichnen. Die Größe von Kunst kann sich eigentlich nicht zwangsläufig nach der Meinung weniger richten, gerade Unterhaltungskunst muss auch daran gemessen werden, wie sehr sie unterhält. Und ein Maß dafür sind sicherlich die Zuschauerzahlen. Dass auch heute noch die Filme, sowohl im TV als auch auf digitalen Medien, großen Absatz finden, geht schon in Richtung "nach Bayreuth" pilgern.
Natürlich kann ein VW Polo oder ein beliebiger anderer Alltagswagen nicht mit den technischen Finessen eines Formel 1-Wagens mithalten. Oder doch? Ja, kann er. Natürlich ist der Motor nicht so ausgereift. Aber das Gesamtprodukt ist am Ende das Entscheidende. Wenn der Polo für Sportrennen entwickelt worden wäre, wäre er ein schlechtes Produkt. Ist er aber nicht, also kann ich ihn auch nicht daran messen.
Genauso ist es auch mit TESB. Vor dem DEckmantel "sie meint es ja nicht böse", stellt die Autorin trotzdem die Behauptung auf, dass Unterhaltungskunst nicht groß sein kann, weil sie z.B. keine moralischen Linien vertritt. Falsch, schlichtweg falsch. Natürlich ist Grün das schlechtere Rot, aber es wurde ja auch nie als Rot gedacht und soll ja gerade Grün sein - und als Grün taugt Grün hervorranged... ;)


Zitat


Alles Unfug! Das Imperium schlägt zurück ist kein monumentales künstlerisches Werk, sondern ein Science-Fiction-Film, der allerdings bissiger auftritt als die meisten, selbst als sein eigener Vorläufer.


Hier enthüllt die Autorin ihr eigentliches Problem - SW ist für sie ein Science-Fiction Werk (was es nicht ist) und kann daher kein monumentales, künstlerisches Werk sein. Falscher könnte sie nicht liegen. Viel monumentaler als SW kann es kaum werden - es geht um das Schicksal einer ganzen Galaxis, das auf wundersame Weise mit dem von Anakin Skywalker verknüpft ist, der aufgrund seiner Emotionalität dem Bösen verfallen ist.
Es finden sich in der Trilogie ganz klassische Motive, aristotelisch sogar. Der Fall im zweiten Akt und die letztliche Wendung im dritten.


Zitat


Das Imperium schlägt zurück verfügt weder über eine Handlungsstruktur, noch über Charakterstudien, geschweige denn eine Charakterentwicklung, noch über eine emotionale oder philosophische Linie. Der Film bietet auch keine eigenständige Vision der Zukunft, sondern vielmehr ein Potpourri aus anderen Trashsubkulturen, darunter Western, Kostümfilme und Kriegsepen. Sein Alleinstellungsmerkmal sind "Spezialeffekte", visuelle Tricks, einige davon verspielt, kreativ und beeindruckend, andere hingegen klassische Weltraumfilmklischees.


An dieser Stelle muss man sich fragen, ob Frau Martin den Film eigentlich gesehen hat, oder ob sie einfach der schon damals modernen Art gefolgt ist, dass es "hipp" ist, große Filme zu zerreißen. Der Film hat keine Charakterstudien und keine Charakterentwicklung? Abgesehen davon, dass es natürlich unfair ist, einen zweiten Akt alleine stehend zu beurteilen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass die Charakterentwicklung nicht abgeschlossen ist, weil es eben nur der zweite Akt der Trilogie ist.
Luke entwickelt sich aber eindeutig vom einfachen Bauernjungen, der z.B. nach einem großen Krieger sucht, zu einem weiseren Menschen, der erkennt, dass es mehr Arten gibt, sich dem Bösen zu stellen als der Kampf. Dass das Böse gar nicht unmenschlich ist, sondern eben zutiefst menschlich, sogar ein Teil von einem selbst (Vater und Sohn), und deswegen auch menschlich bekämpft werden muss. Wir lernen in Ep V die Philosophie der Jedi näher kennen, Verteidigung statt Angriff z.B., aber auch ihre Gefühllosigkeit. Nicht dass Yoda Freude empfindet für das Leid von Lukes Freunden, aber er ist ihm gegenüber gleichgültig, kann auch nicht verstehen, warum Luke seiner Loyalität nach handeln muss. Er ist gewissermaßen für die menschliche Welt so blind, wie Luke anfangs für die der Macht. Im Gegensatz zu Yoda, der seine Ansicht nie ändert, macht aber Luke sehr wohl eine Entwicklung durch. Er erkennt am Ende, dass es nicht nur schwarz weiß gibt, sondern hinter dem Bösen mehr steckt, eine Person, sein Vater und auch die Guten nicht so rein und fehlerfrei sind.
Selbstverständlich gibt es in dem Film eine emotionale Linie - die der Verzweiflung. Zuerst verlieren die Rebellen unter empfindlichen Verlusten ihre Basis, und ich kennen wenige Filme, die dem verzweifelten Kampf der Rebellen, der Dramatik der Schlacht um Hoth gleichkommen. Dann werden die Überlebenden verstreut, Opfer von Verrat und Luke erfährt schließlich, dass Darth Vader sein Vater ist - die Verkörperung des Bösen und das er ebenfalls droht ein Opfer des Bösen zu werden (Höhle auf Dagobah). Der Film schließt damit, dass Luke eigentlich in der Schwebe hängt. Er ist verlassen von seinen Lehrmeistern und stellt sie seinerseits in Frage ("Warum hast Du mir das verschwiegen, Ben?"), wird dem gegenübergestellt aber mit der Möglichkeit konfrontiert, sich dem Bösen anzuschließen und Ordnung in die Galaxis zu bringen, Frieden - mit brutaler Gewalt versteht sich.



Zitat


Die Zukunft gehört nicht länger allein weißen Männern und einer Alibiprinzessin in einem weißen Kleid. Die Prinzessin hat sich für den Krieg passendere Kleider gesucht, und es gibt neben ihr noch eine weitere Frau im Universum, die man bei der Arbeit im Hauptquartier sehen kann.


Zugegebenermaßen ist das Grundkonzept der heldenhaften Männer nicht mehr zeitgemäß, allerdings, durchaus zukunftsweisend, ist Leia keine Prinzessin, die man ständig retten muss. Gerade in EP V zeigt sie sehr deutlich, dass sie auf sich selbst aufpassen kann und eine Führungsperson ist. Zwar mag Sw da eine klassische "Männergeschichte" sein, aber das ist die Sage um Lancelot du Lac und seine Liebschaft zu Artus Frau auch und es dürfte nur wenige geben, die diese nicht als Kunst, sondern als Trash betrachten.

Zitat


Was das Konzept der Macht angeht, ist sie ein Mischmasch aus verschiedenen Aspekten der aktuellen Sektenmode ohne ideelle Grundlage. Sie scheint weder an ethische Normen, noch an einen Verhaltenskodex geknüpft zu sein.


Auch hier enttarnt sich die Autorin erneut als unpräzise. Sie ist nicht an einen Verhaltenskodex geknüpft? Was ist dann Yodas Ansprache bzgl. Abenteuerlust und Verfplichtung eines Jedis? Was ist die Ansprache über die Abkehr von Angriff und der Tatsache, dass eine Jedi verteidigt?

Zitat


Skywalker wird nie dafür gemaßregelt, dass er seinen Guru zunächst unfreundlich behandelt, als er noch nicht weiß, mit wem er es da eigentlich zu tun hat und dabei dem hungrigen Gnom sogar das Essen aus der Hand schlägt. Wieviele Religionen würden es dulden, dass sich ein Schüler weigert, mit seinem getarnten spirituellen Führer Essen zu teilen?


Er wird gemaßregelt und zwar auf's schärfste. "Ich bin auf der Suche nach einem großen Krieger" - "Groß machen Kriege niemanden" = "Deine Wertvorstellung sind völlig falsch, sie sind unmoralisch". Gleichzeitig wird aber offenbar, dass die Jedi ebenfalls Mängel haben - es mangelt ihnen an Mitleid. Eine Qualität, die Luke aber hat und die ihn zu der einen Person macht, die die Galaxis retten kann. Zwar wird dies erst in Ep VI deutlich, aber die Grundsteine werden bereits hier gelegt.

Um aber zu ihrer Argumentation zurückzukommen - wer sagt denn, dass ein Hot-Dog keine Essenskultur ist? SW mag kein Hamlet sein - wobei auch Shakespeare sehr viel Mist verzapft hat - aber gerade Ep V ist für mich einer der bewegensten Filme überhaupt, auch nach x-tem Mal ansehen. Das Gesamtkonzept, mit visuellen Reizen, der Musik, den Pfaden der Figuren, etc. ist eine dramatische Erzählung mit erstaunlichen Wendungen. Der Erfolg spricht in meinen Augen für SW und den damit verbundenen kulturellen Anspruch. Trash ist jedenfalls in meinen Augen falsch gewählt, denn Trash zeichnet sich dadurch aus, dass es billig gemacht ist, keine sinnvolle Geschichte erzählt und auch unfähige Schauspieler hat. Das kann ich bei SW nicht sehen. Eine der besten Szenen der Filmgeschichte ist, Vaders eindringliches Beschwören von Luke: "Kommt mit mir!"
Die Bezeichnung Trash finde ich im Zusammenhang mit SW völlig unpassend und damit ist für mich die Kritik im Ganzen falsch. SW hat natürlich seine Schwächen, aber welches Werk hat die nicht? Trotzdem bleibt gerade EP V für mich ein Meisterwerk der Filmgeschichte, da bewegt, spannend ist und eine geradezu klassische Story in neuem Gewand erzählt.
"We Came In Peace For All Mankind." - Apollo 11

"Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt." - Die Ärzte

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27

Samstag, 3. April 2010, 16:28

Ein bisschen elitär wirkt der Artikel schon. Ich hatte immer gedacht, dass gerade in der anglo-amerikanischen Kultur die Grenze zwischen Kunst und Unterhaltung nicht so klar und strikt gezogen ist wie z.B. in Deutschland. Bestimmt ist das auch so und dieser Artikel ist nur eine Meinung.

Man sieht daran aber auch, wie sich die Rezeption von Star Wars mit der Zeit geändert hat. Jahrzehnte nach der Kinopremiere sieht man eben dass die Filme immer noch beliebt sind, was ihren Kultcharakter ausmacht, den damals vielleicht noch nicht alle voraussehen konnten.

Die Autorin hat einerseits recht, andererseits nicht. TESB und die ganze Trilogie ist tatsächlich trash, denn das gehörte von Anfang an zum Konzept (siehe die Verweise auf die billigen Sci-Fi-/Fantasy-Filme/Serien/Groschenhefte aus den 30er, 40er und 50ern). Dass das keine Kunst sein kann, ist allerdings vollkommen falsch; und genau da wird der Artikel elitär. TESB ist auf eine Art und Weise schon gelungene Kunst - er führt Episode IV konsequent weiter, verleiht der Trilogie dramatische Tiefe, bereichert sie um eine düstere Facette und garniert das alles mit technischer Perfektion, klassischer Filmmusik und epischen Motiven. Man muss Star Wars nicht mögen, aber all diesen Aspekten die künstlerische Leistung abzusprechen vermittelt einen sehr engen Kunstbegriff, den ich nicht teile.

Quentin Tarantino macht heute im Grunde das gleiche. Er vermengt typische Elemente verschiedener Genre zu einem neuen Produkt und verweist mit dem Titel "Pulp Fiction" sogar auf die trashigkeit seiner Werke); auch das ist Kunst, und ich glaube dass das Feuilleton bzw. die Filmkritik den Kunstbegriff bei Tarantino bereitwilliger benutzen würde als bei Lucas (also dem damaligen Lucas zumindest).
"A special effect is a tool, a means of telling a story. A special effect without a story is a pretty boring thing."

Darth Revan Lord der Sith

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28

Sonntag, 25. April 2010, 17:37

Ich wollte eigentlich schon vor längerer Zeit wieder in die Diskussion einspringen, hab's aber immer verpasst... Da es nicht mehr so viele Gelegenheiten zum Posten geben wird, melde ich mich mal zurück.

Zitat

Original von Ronen Tal-Ravis:
Trash bedeutet Müll - einen Film Müll zu nennen ist selbstverständlich eine Beleidigung, auch wenn es nicht so böse gemeint ist. Einen Film Müll zu nennen, der eine Saga fortsetzt, die zu den erfolgreichsten Franchises aller Zeiten gehört, finde ich unpassend - wieso? Das ist einfach zu erklären. Was ist Müll? Müll ist etwas, was niemand mehr braucht, was keinen Nutzen hat, was weggeworfen wird, woran keiner mehr Interesse hat. All diese Dinge treffen auf SW nicht zu.

Müll ist nicht, was keiner mehr braucht und weggeschmissen werden kann. Müll ist, was die intellektuelle Schicht als nutzlos erachtet und in die Tonne werfen würde, so scheint es die Autorin jedenfalls zu meinen.
Wie ist der der Begriff "Trashfilm" überhaupt entstanden? Dass man bestimmte Filme als "Müll" bezeichnet, setzt voraus dass man etwas besseres kennt. Und was das "Bessere" ist bzw. als solches angesehen wird, das ist besonders von der intellektuellen Klasse geprägt. Diese Klasse erachtet Filme mit intellektuellem Anspruch als wertvoll, was keinen solchen Anspruch hat wird als "Müll" oder "wertlos" abgestempelt. Filme wie Citizen Kane oder die Kubrickfilme haben sich durch intellektuellen Anspruch als "Oberklasse" - was immer auch der Einzelne damit verbindet - etabliert, und deswegen hat etwa Aaron sie als Beispiele genutzt, obwohl er nicht unumschränkt von ihnen begeistert ist.

Einzig auf diesen Aspekt bezieht sich die Autorin der TESB-Kritik. Sie benutzt den Begriff "Trash" für "niedriger intellektueller Anspruch", nichts anderes will sie damit vermitteln - soweit ich sie jedenfalls verstehe. Weder ist der Film in jeder Hinsicht wertlos, noch versucht sie dessen Stärken, etwa den Unterhaltungswert, kleinzureden. Im Gegenteil, sie hebt ihn immer wieder hervor.


Zitat

An dieser Stelle muss man sich fragen, ob Frau Martin den Film eigentlich gesehen hat, oder ob sie einfach der schon damals modernen Art gefolgt ist, dass es "hipp" ist, große Filme zu zerreißen. Der Film hat keine Charakterstudien und keine Charakterentwicklung?

Im Vergleich zu den "elitären" Filmen hat TESB tatsächlich kaum Charakterentwicklung zu bieten. Irgendeine Entwicklung hat es, aber das ist die Standardentwicklung wie sie in vielen Fantasy-/Heldenepen benutzt wird. Für mich wird sie auch nicht besonders intensiv oder nahegehend gezeigt, in einem Film wie Die Tür geht das ganz anders ab.
Man kann es wie du machen, in deinem nächsten Absatz, und die Charakterentwicklung Lukes in aller Ausführlichkeit interpretieren, dann kann man sie schon als tiefgehend und intensiv sehen. Und so wie du sie beschreibst ist sie auch richtig, aber diese recht ausführlichen Gedanken hast du dir garantiert nicht gemacht, als du den Film zum ersten Mal gesehen hast. ;) Denn der Film hat nicht das Ziel, solche Gedanken auszulösen, er ist "ein Film für Kinder und Jugendliche" laut GL damals.
Deswegen fällt der Film unter dem oben genannten Aspekt des Trashfilms.

Zitat

Original von George Lucas:
Ein bisschen elitär wirkt der Artikel schon. Ich hatte immer gedacht, dass gerade in der anglo-amerikanischen Kultur die Grenze zwischen Kunst und Unterhaltung nicht so klar und strikt gezogen ist wie z.B. in Deutschland. Bestimmt ist das auch so und dieser Artikel ist nur eine Meinung.

Wäre dieser Artikel elitär, bzw. wäre die Autorin elitär, würde der Film viel deutlicher und direkter kritisiert. Die "Elite" hat oft - nicht unbedingt immer - einen arroganten Umgang mit dem, was sie minderwertig betrachtet, die Autorin bezeichnet es hier als "Versnobtheit". Das scheint in dieser Rezension aber nicht der Fall zu sein, dafür relativiert sie ihre eigene Kritik zu oft.

Ich glaube, sie wollte angesichts des Mega-Hypes um TESB, das damals gewesen sein muss, einfach mal eine Kritik schreiben die sich auch mit den Schwächen des Films befasst. Aus intellektueller Sicht ist die Schwäche des Films der fehlende intellektuelle (ich kann dieses Wort nicht mehr sehen...) Anspruch, also schlüpft sie gewissermassen in die Rolle eines elitären Filmkritikers und bezeichnet den Film als "Trash". Zum Ausgleich spielt sie aber mit dieser Rolle: der Film ist "Müll", sie macht aber deutlich dass sie diesen Müll nicht schlecht findet (bsp. "Es gibt Zeiten, in denen man ein Hot-Dog einem guten Steak vorzieht") und er durchaus eine Existenzberechtigung hat. Wenn sie sagt Kunst=/= Unterhaltung, dann nicht weil sie das als festgelegt sieht, sondern weil sie mit einem weit verbreitetem Cliché spielt. Wenn sie sagt SF=/= monumentales, künstlerisches Werk, dann auch nur weil die meisten SF-Filme reine Unterhaltung sind, ohne diesen Klichéhaften künstlerischen Aspekt - nicht dass es grundsätzlich gar keine SF geben könne, die über reine Unterhaltung hinaus geht.

Das ist jedenfalls der Punkt, den ich an dieser Rezension mag. Sie sagt im Grunde mMn fast nur zutreffende (den Teil mit Yoda und dem Verhaltenskodex sehe ich anders) und intelligente Sachen, aber auf eine spezielle Art.
Let the demons have their place... If so it's angels you'll create

Dredg, Ode to the sun, aus Catch without arms