Star Wars zeitlos? Fast schon eine philosophische Frage

Ich denke, es ist nicht das Merchandise, dass Star Wars am Leben hält, sondern die Original-Trilogie, insbesondere natürlich Episode IV. Der Film gilt allgemein als Klassiker, ist fester Bestandteil der Popkultur und der amerikanischen Kinogeschichte und wurde bereits vom amerikanischen Filminstitut unter die besten Filme aller Zeiten aufgenommen. Mehr kann man nicht tun, um einen Film unsterblich zu machen und ihn in kollektiver Erinnerung zu behalten.
Zur künstlerischen Seite kommt dann noch die ökonomische. Das mag jetzt hochtrabend klingen, aber so wie jedes wirtschaftliches System ein Ende hat, wird auch das Markenprodukt Star Wars ein Ende haben. Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass es in hundert Jahren nichts geringeres und nicht mehr als der Film (bzw. die Filme) selbst sein wird (werden), die die Leute dazu bringen werden, noch über Star Wars zu sprechen - und nicht die kluge Vermarktung der letzten drei Jahrzehnte.
Das SW-Merchandise hat nach Episode IV ein Eigenleben entwickelt, das Lucas mehr als Geschäftmann, denn als Filmemacher erscheinen lässt. Diese beiden Welten - die Filme und das Franchise - sind spätestens mit der Prequel Trilogy ineinander verschmolzen, sodass man die neuen Filme kaum noch als eigenständige Werke bewerten kann. Das ist meiner Ansicht nach der Grund, warum in hundert Jahren niemand mehr über die PT reden wird, und wenn überhaupt, dann nur im Zusammenhang mit der OT. Die Motivation, die hinter beiden Trilogien steckt, ist grundverschieden: da ist einerseits der passionierte Filmemacher George Lucas der frühen 70er Jahre, der einen Film nach seinen Vorstellungen machen wollte (und dass er damals bereits hauptsächlich Geld machen wollte kann ich nicht glauben, da Star Wars ein sehr risikoreiches Unternehmen war und man bestimmt einfacher an Geld kommen kann), und andererseits der etablierte und stinkreiche Produzent George Lucas, der die neuen Filme einer bereits an Star Wars gewöhnten Masse zusammen mit den dazugehörigen Merchandise-Produkten zum Fraß vorwirft. Beide Motivationen haben Auswirkungen auf die Filme selbst: die OT (oder zumindest Episode IV) ist zunächst ein filmisches Projekt, dass zuerst auch als nicht anderes wahrgenommen wurde. Je geringer die Erwartungen, je riskanter und kräfteraubender der Entstehungsprozess, je jünger, leidenschaftlicher und unbedarfter der Filmemacher, desto einschlagender der Erfolg; das ist Episode IV. Dagegen ist die PT nicht mehr, als ein kleiner Bestandteil der heutigen Konsumgesellschaft. Sie hat nichts revolutioniert (wie zB Matrix), nichts Bemerkenswertes in Gang gesetzt - eben weil sie Produkt der Masse ist, und nicht eines kreativen, idealistischen Kopfes. Auf Dauer gesehen bleibt aber nur das, was uns überrascht und fesselt, nicht das, was uns wie eine Maschine bedient und ausnimmt, in Erinnerung.
Fazit: Star Wars ist bereits unsterblich - man muss es nicht durch immer neue Projekte, die Hand in Hand mit immer neuen Produkten gehen, in Erinnerung halten. Oder glaubt jemand, dass in hundert Jahren noch jemand von Clone Wars oder Clone Wars 3D spricht oder sich wegen eines Darth Maul-Plastikschwerts and Episode I erinnert?