Ich habe Timothy Zahns Roman gestern nacht zuendegelesen. Danach war ich gleichermaßen aufgekratzt wie maßlos enttäuscht. Doch der Reihe nach.
Einleitung
Die Geschichte dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, kurz zusammengefaßt geht es um den Start des Forschungsprojekts "Outbound Flight", zu deutsch: des Extragalaktischen Flugprojekts, und um seinen Untergang. Wie von Timothy Zahn zu erwarten, tauchen einige seiner Lieblingsfiguren in prominenten Rollen auf, so Jorus C'baoth, der künftige Großadmiral Thrawn, Palpatines Berater Kinman Doriana und Jorj Car'das, der Lesern der Hand-of-Thrawn-Bilogie noch lebhaft in Erinnerung sein dürfte.
Handlungsaufbau
Der Roman besteht aus vier parallelen Handlungssträngen, die am Ende zusammenlaufen. Der erste Handlungsstrang erzählt, wie Car'das, zum Zeitpunkt der Handlung der Juniorpartner zweier erfahrener Schmuggler, in das Gebiet der Chiss gerät und dabei Thrawn trifft, der in der Expansionsflotte des Chiss-Reiches Dienst tut. Im Verlauf der Handlung wird Car'das zunächst Thrawns Sprachlehrer und hilft ihm später bei einem allumfassenden Präventivschlag gegen die aus Survivor's Quest bekannten Vagaari. Der zweite Handlungsstrang folgt Kinman Doriana und berichtet durch ihn von Darth Sidious' Plänen, Outbound Flight zu vernichten. Die beiden letzten Handlungsstränge beschäftigen sich mit den Jedi. Der eine folgt Lorana Jinzler, der Padawan-Schülerin von Jorus Cbaoth, der sich bemüht, MIttel für einen Traum von Outbound Flight zu finden und später mehr und mehr Züge seines künftigen Klons annimmt, der andere beschäftigt sich mit Obi-Wan, der zusammen mit seinem Padawan Anakin vom Rat der Jedi beauftragt wird, C'baoth im Auge zu behalten.
Schreibstil
Timothy Zahns Schreibstil ist eine Sache für sich, zweifelsohne ist er kein besonders kunstvoller Autor, sodaß sich Formulierungen sehr häufig wiederholen. Ständig "stalked" irgendwer aus irgendeinem Raum, und, ein Klassiker unter Zahns Formulierungen, irgendwer hat auch immer einen Grund, zu "grimace"en. Diese Armut an Vielfalt geht einem zwar nicht wirklich auf den Geist, sie wird nach einer Weile nur etwas störend. Andererseits erwartet wohl kein Zahn-Leser nobelpreistaugliche Kost, insofern mag man dem Mann verzeihen. Zahns Gegenstück Luceno, der selbst Muttersprachlern immer wieder gerne ein Wort ins Gesicht wirft, das sie nicht kennen, ist auch keine wirkliche Alternative.
Ebenfalls bedauerlich ist Zahns Unfähigkeit, Figuren wirklich zu entwickeln. Wie schon so oft, präsentiert Zahn auch in Outbound Flight wieder vorgefertigte Figuren, die, anstatt zu wachsen, einfach nur einer Zwiebel gleich auf ihre zentralen Charakterzüge heruntergepellt werden. Ein wenig erinnert die Vorgehensweise an den Umgang der Prequels mit Palpatine, die Figur ist da, wird aber erst nach und nach als das enthüllt, was sie ist.
Eine solche Demaskierung kann durchaus reizvoll sein, aber wenn das die einzige Art und Weise ist, Figuren vorzustellen, wird es sehr schnell sehr fad.
Keine Überraschungen
Wer Survivor's Quest gelesen und Dark Force Rising nicht völlig vergessen hat, wird in Outbound Flight keine Überraschungen erleben. Einzig die Art und Weise, wie Zahn bekannte Fakten zu einer Geschichte verdichtet, macht den Roman interessant. Kleine Gastauftritte bekannter Figuren oder ihrer Angehörigen - Thrawns Bruder hat einen denkwürdigen Auftritt - machen Outbound Flight für den Fan zur Pflichtlektüre und führen alle paar Seiten zu einem ernsthaften "aha, so war das also"-Erlebnis. Der Nachteil solcher Gastauftritte ist natürlich, daß das Universum mal wieder ein Stück kleiner wird, wenn so ziemlich jeder jeden irgendwie kennt.
Die interessantesten Aspekte der Handlung sind all jene, in denen Zahn gegen die Prequels anschreiben muß, die Flotte, die noch in Vision of the Future als "Palpatines handverlesene Armada" bezeichnet wurde, ist beispielsweise zu einer Handelsföderationsflotte geworden, die auch nicht mehr Palpatine, sondern Darth Sidious untersteht. Überhaupt wird das Palpatine-Sidious-Thema sehr unterhaltsam bedient, mehrfach gibt es die für die Prequel-Ära typischen Andeutungen und Hinweise, die sich erst in Episode III zu einer Aussage verdichten sollten. Ebenfalls nett zu sehen, ist, wie sich Zahn dem Thema "Yuuzhan Vong" annähert, um seine Lieblingsfigur Thrawn einmal mehr zum unfehlbaren Beschützer der Galaxis hochzustilisieren.
Fazit
Outbound Flight ist unterhaltsam und die Anschaffung wert, wer auf das Taschenbuch warten will, kann dies allerdings ruhig tun, ohne sich eines verpaßten Lesevergnügens grämen zu müssen. ***/*****
Niemand kann das Wasser des Lebens lange in seinen Händen bergen. Es fließt davon, wohin ihm zu fließen bestimmt ist. In die Tiefen der Erde. In die Weiten des Himmels. In die Unendlichkeit des Weltraums. Dorthin, wo Sterne geboren werden.
Ikrit
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Chris Skywalker« (7. März 2006, 13:43)