Wenige Star Wars Romane wurde im Vorfeld so sehr beworben und umworben, wie der "erste" Horroroman der Saga, Death Troopers. Horror-Veteran Joe Schreiber vermischte in seinem Buch das Zombiegenre mit dem von Star Wars, hatte allerdings nur bedingt Erfolg dabei - letztlich ist es weder Fleisch noch Fisch.
Der Leser beginnt den Roman an Bord des Gefangenentransporters Purge und lernt in kurzen Kapiteln erst einmal die wichtigsten Personen kennen, wie die beiden Brüder Kale und Trig Longo, welche obwohl noch nicht erwachsen, für eine nicht näher beschriebene ungesetzliche Lebensweise ihres Vaters zusammen mit ihm gefangen genommen wurden. Während eines Verhörs wurde dieser aber von dem brutalen Chefwärter Sartoris getötet - im Beisein der Ärztin Dr. Cody, die dies als Grund genommen hat, ihren Dienst zu quitieren. Die Situation an Bord der Purge liest sich wie in klassichen Filmen über Gefängnisse, es gibt Auseinandersetzungen zwischen den Gefangenen, brutale Wärter, aber auch den obligatorischnen, gemütlichen Familienvater unter dem Personal.
Nachdem alle Figuren einmal vorgestellt sind, erleidet der Transporter einen Triebwerksschaden und muss seine Reise unterbrechen - um zufällig auf einen im All treibenden Sternenzerstörer zu treffen, welcher schließlich als Ersatzteillager genutzt werden soll. Zwei Teams gehen an Bord – nur eines kehrt zurück. Danach breitet sich an Bord der Purge eine unheimliche Seuche aus, mit rasender Geschwindigkeit. Es dauert nicht lange, da sind nur noch wenige am Leben, unter anderem Trig und Kale, sowie Dr. Cody und Sartoris. Letzterer erpresst vom infizierten Kommandanten die Codes, die er benötigt, um die gesicherten Rettungskapseln zu nutzen. An der ersten Rettungskapsel trifft er auf Kale und Trig, die sich durch einen Haufen von stark verwesenden Leichen – der Virus beschleunigt die Zersetzung – aus ihrem Gefangenbereich hierhin gerettet haben. Trotz ihrer Bitte und obwohl genug Platz wäre, lässt er die beiden Jungen an Bord zurück.
Dr. Codys 2-1B Droide entdeckt inzwischen, dass die Ärztin immun und damit Quelle eines Heilmittels ist, welches er sofort synthetisiert. Also macht sich die Ärztin auf, die letzten Überlebenden damit zu impfen und geht zuerst in den Isolationstrakt, wo sie niemand geringeren als Han Solo und Chebacca befreit und impft. Langsam wird deutlich, dass etwas nicht stimmt, denn die Leichen der Toten sind plötzlich verschwunden.
Ab diesem Zeitpunkt hetzen die Überlebenden von einem Ort zum nächsten, fliehen an Bord des Sternenzerstörers, der immer noch angedockt ist. Kale wird verwundet und bleibt mit Dr. Cody im Hangar zurück, während sein Bruder mit Han und Chewie zur Brücke aufbricht, um das Schiff zu steuern. Aber sie werden schon bald von zombieartigen Untoten angegriffen, die sich aber auch Blastern und anderer Hilfsmittel bedienen.
Auch Sartoris ist auf dem Sternenzerstörer gelandet, denn der überraschenderweise aktive Traktorstrahl hat ihn an Bord geholt. Dort trifft er auf Überlebende, die dem Kanibalismus verfallen sind, kann ihnen aber entkommen.
Die Hatz durch den Sternenzerstörer überleben schließlich nur Han und Chewie sowie Dr. Cody und Trig und können, nachdem der Traktorstrahl auf der Brücke deaktiviert wurde, mit einem Sentinel-Shuttle entkommen.
Insgesamt konzentriert sich Death Troopers, genretypisch, auf den Überlebenskampf der Figuren, wobei bei Trig und Kale ein deutlicher Schwerpunkt liegt. Gerade bei Trig wird auch sein Innerstes näher beleuchtet, aber auch Sartoris und Cody bekommen einige Aufmerksamkeit.
Die große Stärke des Buches ist gerade die innere Handlung und die fantasievolle Sprache. Abgesehen von der teils sehr blutigen Darstellung der Opfer, die leider ihren Zweck Grusel zu erzeugen verfehlen, hat Autor Schreiber allerdings ein Geschick für bildhafte Erzählung. "Dann ertönte erneut ein Schrei, dieses Mal schien er von überall gleichzeitig herbeizuströmen. Er ebbte auf und ab, stieß sich von den Hangarwänden ab, wie ein lebendes Wesen, dass seine Beute jagte" (S. 159). Dies vermittelt eine sehr intensive Stimmung und eine gewisse Bedrohung, da die Bilder üblicherweise düster und unheimlich sind.
Auch die Gefühlswelt der Personen, die Reaktionen, die Angst und Schockgefühle werden von ihm glaubhaft und nachvollziehbar vermittelt, so dass der Leser sehr schnell in die Situation der Figuren hineinfindet.
Ebenso positiv ist die knappe Kapitellänge, zumindest in den meisten Fällen. Das Buch erzeugt so ein ähnliches Gefühl wie ein schnell geschnittener Film – mit der Tatsache im Hintergrund, dass Zombies vor allem durch Film bekannt und beliebt wurden, sicherlich keine unpassende Assoziation. Nur in einigen Fällen würde man sich wünschen, dass das Kapitel länger andauert, weil eine besitmmte Stimmung oder Episode zu knapp behandelt wird.
Dennoch weißt das Buch grobe Mängel auf, die vor allem gegen Ende zu immer schwerwiegender werden. Diese Mängel reichen von Handlungslöchern über unpassende Worte zu sich ständig wiederholenden "Zufällen", die irgendwann nicht einfach nur unglaubwürdig, sondern regelrecht störend werden, wodurch die eigentlich emotionale Wirkung, die sie mitunter bewirken sollen, verloren geht. Vielleicht wollte Mr. Schreiber einfach zu viel in einem Buch.
Die Einführung der Figuren dauert zu lange, es vergeht zuviel Zeit, bis überhaupt eine gruselige Stimmung aufgebaut wird – dies ist besonders ärgerlich, weil einige Figuren eigentlich völlig überflüssig für die Handlung sind. Anschließend wird der Mittelteil beinahe übersprungen, es muss nicht lange gerätselt werden, sondern sehr schnell wird klar, was mit den Toten passiert ist, bzw. dass sie eben untot sind. Da die Idee des Zombies aber keinesfalls neu ist, bleibt dabei nicht viel Grusel übrig. Ein größeres Ausnutzen des Unbekannten, der Furcht vor dem, was man nicht kennt, wäre wohl passender gewesen. Überhaupt wirken die Zombies nicht besonders gruselig. Sie haben noch zu viel Menschliches, können sogar Blaster verwenden und lernen so weit, dass sie auch Raumschiffe benutzen können. Das passt einfach nicht zum tierischen Grauen, dass Zombies eigentlich vermitteln sollen. So degenerieren sie zu einfachen Gegnern, statt einer Gewalt, die unheimlich ist.
Je weiter man im Buch fortschreitet, um so offensichtlicher wird, dass die Handlung offenbar nicht gut durchdacht wurde, oder zu gut. An vielen Stellen wirkt sie konstruiert und dies mitunter so plump, dass die Handlung nicht stimmig ist.
Dies fängt z.B. bei Trigs erster Begegnung mit einem Gefangenen auf, der zum Zombie geworden ist. Er trifft ihn, weil dieser in der zweiten Rettungskapsel auf ihn wartet – wie aber ist er da hinein gekommen? Es ist ein wichtiger Teil der Handlung, dass die Charaktere versuchen an die Zugangscodes für die Rettungskapseln zu kommen, da diese – verständlicherweise – gesichert sind. Solche unglaubwürdigen Situationen ziehen sich durch das gesamte Buch und machen die Handlung irgendwann so löchrig, weil unlogisch, dass wenig Stimmung oder Spannung aufkommen kann.
So kann der Lastenschweber, den Sartoris nutzt, um Trig, Solo und Chewie zu helfen nicht drei Erwachsene und einen Jungen tragen. Gerade aufgrund der Tatsache, dass vorher beschrieben wird, wie ausgehungert die Gefangenen waren, ist dies einfach unglaubwürdig. Schließlich wird zuvor auch erklärt, wie gewaltig alle Teile an Bord des Sternenzerstörers sind. Ein Lastenheber, der nicht einmal drei Leute und ein Kind tragen kann, dürfte da kaum hilfreich sein.
Trig kann sich bei der Flucht vor dem Zombie mit dem Sturmtruppen-Helm gerade so durch den Lüftungsschacht quetschen, hat aber immer mehr Probleme voran zu kommen, weil er enger wird – trotzdem kann der weit größere Zombie im folgen und er schafft es irgendwann sogar ihn über sich selbst hinweg aus dem Schacht zu schleudern – wie kann das sein bei einem so engen Schacht?
Auch ist fraglich, warum Kale erst immun gegen die Seuche ist, die sich über die Luft überträgt und innerhalb von kurzer Zeit die Gefangenen dahinrafft (er selbst und Trig werden nicht infiziert), ihr dann aber plötzlich doch zum Opfer fällt. Das Gegenmittel, das Codys Droide aus ihrem Blut synthetisiert hat, wird zu diesem Zeitpunkt auch weder erwähnt, noch gebraucht.
Nicht weniger unlogisch ist der gewaltige Rückstoß, den die Laserkanonen des X-Wings erzeugen – so viel, dass das gesamte Schiff weit genug weggeschleudert wird, damit Sartoris fliehen kann. Aber seit wann haben Laserkanonen Rückstoß? Im Film ist nichts vom Rückstoß bei den X-Wings zu sehen, was nicht wundert, denn der Druck, der durch die Lichtpartikel ausgeübt wird, ist minimal und könnte so niemals ein Raumschiff antreiben. Zwar ist diese physikalische Verirrung nicht weiter tragisch, um so tragischer ist aber, dass Sartoris nur aufgrund dieses Rückstoßes fliehen kann und sie somit entscheidend für die Handlung wird.
Nicht weniger störend sind die vielen Zufälle, die sich ereignen. Zufällig treffen die beiden Longo-Jungs mehrmals auf ihren Erzfeind Myss. Obwohl es mehrere zehntausend Zombies gibt, wenn man davon ausgeht, dass die gesamte Crew des Sternenzerstörers infiziert wurde, werden sie ihn nicht los. Ebenso treffen sie ihren untoten Vater (wobei unklar ist, wieso der Virus auch bereits gestorbene beleben kann), diesen allerdings wenigstens nur auf dem Gefangenentransporter. Zwei Begegnungen sind allerdings wiederum völlig unglaubwürdig: Auf der Brücke des Sternenzerstörers treffen Han und Chewie auf das Zombie-Wookiebaby, das zuvor die Longos auf dem Transporter getroffen haben (wobei unklar ist, wieso es denn Fressangriff seiner untoten Artgenossen überhaupt so gut überstanden hat, dass noch genug übrig ist, für eine "Wiederbelebung"). Wie sollte es durch beide Schiffe so schnell durchgekommen sein und wieso? Ähnlich sieht es bei dem untoten Kale aus – wie findet er zufällig Trig, greift ihn erst nicht an, dann aber doch? Wie kommt er überhaupt vom Hangar zum Hauptreaktor?
Für eine sinnvolle Nutzung einer solchen Begegnung – der junge Trig trifft seinen untoten Bruder, der vorher alles riskiert hat, um ihn zu retten – kann man eine solche Unglaubwürdigkeit durchaus verkraften, aber bei dem Umfang an emotionalen Begegnungen (Trigs Vater, Kale, Wookiebaby, etc.) nutzen diese sich einfach irgendwann ab und können nicht mehr wirken. Als Finale eine Begegnung dieser Art mit Kale, wäre in meinen Augen stärker gewesen.
Aber die Unglaubwürdigkeiten reißen nicht ab. So befindet sich die einzig funktionierende Computerkonsole in der Hangarkontrolle (wieso funktioniert die Befehlseingabe dort wie bei einer DOS-Einabeaufforderung und nicht über sinnvolle Menüs?), so dass Cody dorthin zurück muss. Als sie von dort durch den ehemaligen Kanibalen-Imperialen White gerettet wird, schafft dieser es nicht wieder zurück zum Shuttle und stirbt im Kontrollraum – hat aber vorher noch Zeit (wie man nachträglich erfährt) ihr etwas so Unnützes wie den Schiffsnamen des Shuttles zu sagen.
Dass selbst der Autor irgendwann der eigentlich dünnen und allzu sehr konstruierten Handlung nicht mehr folgen kann, merkt man daran, dass plötzlich die Pläne der Charaktere völlig unterschiedlich sind. Erst wollen Han und Chewie den Sternzerstörer fliegen und so als Fluchtfahrzeug einsetzen (S. 136) und machen sich deswegen auf zur Brücke. Plötzlich war es dann ihr Plan den Traktorstrahl zu deaktivieren – von dem sie gar nichts wissen konnten, denn die Tatsache, dass er eine Flucht verhindert, musste Sartoris auf die harte Tour lernen. Außerdem hatten sie eine Flucht mit den Schrottschiffen im Hangar eigentlich ausgeschlossen. Wie es zu der Sinneswandlung kommt, wird nicht erklärt.
Auch wird erst beschrieben, dass die Körper der Toten wegen des Virus sehr schnell verwesen, dann plötzlich hält der Virus die Verwesung auf. Einer der größten Schnitzer aber ist sicherlich, dass Mr. Schreiber nicht einmal die Figuren, die er sich ausgeliehen hat, richtig beherrscht. So traut sich Chewie nicht einen Zombie anzugreifen, welcher Han bedroht. Beim ersten Mal sind es Artgenossen, so dass man davon ausgehen kann, dass er einfach geschockt war. Beim zweiten Mal ist es aber ein normaler Mensch, der den unbewaffneten Han angreifen will und Chewie rührt sich nicht – trotz Lebensschuld. Aber auch Han wirkt einfach nur platt und nicht passend zur Szenerie. Die flache Beschreibung seiner Person passt nicht in den Hintergrund und außerdem passen die Ereignisse auch nicht in seine Geschichte, die ohnehin so dicht ist, dass kaum Platz sein dürfte für das Abenteuer. Zudem wurde er, laut Ep IV, nur einmal geentert, nie aber gefangengenommen.
Aber auch seine eigenen Figuren beherrscht Mr. Schreiber nicht immer. So wirkt die Wandlung vom brutalen Sartoris, der ohne zu zögern erst seinen Vorgesetzten tötet und dann Trig und Kale unnötigerweise ihrem Schicksal überlässt, nicht nachvollziehbar. Wieso bekehrt ihn die Begegnung mit einem imperialen Überlebenden, der ihn zusammen mit seinen Kameraden töten will, um ihn danach als Notration zu verwenden, zu einem besseren Menschen? Auch die Rechtfertigung des misshandelnden Vaters für sein Fehlverhalten ist einfach zu abgedroschen.
Selbst in bestimmten Details ist der Autor nachlässig – so beschreibt der die Gänge des Sternenzerstörers als byzantinischen Irrgarten (S. 212) – dieser irdische Begriff passt einfach nicht in das Star Wars-Universum.
Trotz dieser Probleme, gibt es auch gute Ideen, die leider aufgrund der Kürze des Buches nicht voll zum Tragen kommen. Da wird z.B. das Konzept der immer noch menschlichen Überlebenden, die sich zwangsweise auf Kannibalismus verlegt haben, leider nicht weit genug ausgebaut, um die Ironie zu betonen, dass sie, um den menschenfressenden Zombies zu entkommen, selbst zu welchen geworden sind.
Gerade die Seitenzahl scheint das größte Problem des Romans zu sein. Einhundert Seiten mehr als die vorhandenen 232, hätten vielleicht erlaubt die Handlung sorgfältiger aufzubauen und vor allem den Mittelteil länger zu gestalten.
Insgesamt besticht Mr. Schreibers Erzählstil vor allem durch die interessanten und sehr genauen Details, wodurch er eine dichte Atmosphäre erschaffen kann. Seine bildliche Sprache ist sehr fantasievoll und abwechslungsreich – kein Bild wird mehrmals verwendet. Er hat ebenso ein Geschick dafür Gefühle und Stimmungen zu vermitteln. Auch die hohe Geschwindigkeit seiner Erzählung sorgt für eine gewisse gehetzte Spannung, die gut die Situation der verfolgten Charaktere wiedergibt.
Wer also keine durchdachte Handlung erwartet, sondern mit ein paar Schockmomenten zufrieden ist, der sollte sich das Buch zulegen. Auch wenn es anders als behauptet, nicht der erste Horror-Roman im Star Wars-Universum ist, denn die Galaxy of Fear-Reihe war da Vorreiter, ist es dennoch eine Steigerung innerhalb des Genres. Nur so richtig bekommt der Leser nicht vermittelt, dass er sich im Star Wars-Universum befindet, denn dafür reicht es nicht ein paar Schlagworte zu bringen, wie Blaster, Sternenzerstörer oder Han Solo. Da die Zombies auch eher unorthodox sind, kommt auch nicht so richtig die klassische Zombiestimmung auf, so dass das Buch irgendwie weder Fleisch noch Fisch ist. Insgesamt kann der Roman dem vorher geäußerten Hype nicht gerecht werden, was ihn nicht zwangsläufig zu einem schlechten Buch macht, allerdings auch nicht zu einem besonders guten.