Nach gefühlten 10 Jahren, etlichen Neustarts und vielen, vielen Unterbrechungen bin ich endlich fertig geworden mit dem letzten Band der Erbe der Jedi-Ritter Reihe. Nach schleppenden Veröffentlichungen in Deutschland und der Tatsache geschuldet das ich nicht nur SW-Romande lese hat sich dieses Projekt sehr weit hinten raus gezogen. Und obwohl dieser Thread sicherlich tot ist, schreibe trotzdem. Immerhin hilft es beim reflektieren, was bei 19 Büchern dann auch dringend notwendig ist.
Das erste Buch der Reihe, eines der ersten SW-Bücher überhaupt die ich las, habe ich sicherlich 5-6 gelesen. Mittlerweile gefällt es mir auch noch so ziemlich am Besten. Anfänglich konnte ich nicht viel mit den detaillierten Beschreibungen der Vong anfangen, quälte mich regelrecht durchs Buch. Mittlerweile, bei den vielen späteren Wiederholungen genoss ich den spannenden Aufbau, den flüssigen Schreibstil und die tolle Atmosphäre. Teil 2-3, eigentlich dasselbe Spiel. Sowieso, die ersten 5 Bücher hab ich sicher alle mindestens dreimal gelesen. Bis irgendwann der Anfang saß und ich nicht noch mal von vorne anfangen musste, nur weil ein neues Buch herauskam und ich mich nicht an den Anfang erinnern konnte.
Und bis Buch 5 war, was die Reihe anging auch alles recht cool. Klar, das Han Solo im Lauf der Story von Teil 2 und 3 verschwand, nur um in Buch 4 und 5 die Hauptrolle zu übernehmen, war eine Sache. Aber noch okay. Vor allem weil die Bücher gut geschrieben waren.
Der erste Tiefschlag erfolgte sicherlich mit Buch 6. "Der verlorene Planet". Erstmal war es nach all den multiplen Ereignissen der ersten Bücher, wo zig Planeten untergingen, es ziemlich ernüchternd das alles nur auf einem, dazu super langweiligen, Felsbrocken spielt. Man hatte das Gefühl man kommt nicht vorwärts. Zudem stellte das Buch mit seinem lahmen Schreibstil eine deutlich Herausforderung an mich (
damals kannte ich die Kopfgeldjägertrilogie noch nicht). Ich meine, Buch 7 fokussierte sich auf einen Planeten, allerdings war
das auch ein sehr wichtiger, sehr bekannter Planet. Einen für den man es gerne tat. Wer braucht schon Duro...
Nach den tollen Teilen 7+8 stellte Buch 9 mit seinem epischen Umfang große Probleme dar. Zudem machte ich nach 8 eine ziemlich lange dauernde Pause sodass Buch 9 zugleich noch einen Restart benötigte... Erstmal gefiel Buch 9 alleine schon wegen seiner Epik und Bedeutung. Immerhin wurde Coruscant eingenommen, Anakin getötet und die Neue Republik zerschlagen. Ein wichtiger Punkt. Der dunkelste Teil der Geschichte. Erstmal ich finde das Buch super. Nur der Autor nervte mit seinen viel zu detaillierten, ausschweifenden Orts- und Situationsbeschreibungen. Für die Taktik beim Angriff auf Coruscant noch halbwegs wichtig, immerhin war ich sowas durch die X-Wing Bücher gewohnt, aber fürs endlose marschieren auf dem Schiff bei Myrkr. Tödlich. So kam es das ich die Voxyn Jagd beim Lesen eher stiefmütterlich behandelte. Ich fürchte mich allerdings schon jetzt vor Troy Dennings Dark Nest Trilogie. Noch bin ich am überlegen das Ganze zu überspringen.
Ich lese nunmal Bücher um meinen eigenen Geist anzustrengen und nicht wie sabbernder Vollidiot vorm Fernsehr zu sitzen (mach ich zwar auch gerne aber hey...). Doch ich brauche niemanden der meint jeden Quadratzentimeter eines Raumes auf vier Seiten erklären zu müssen. Erstens kriegt die Vorstellung des Autors eh nicht zu 100% auf die Reihe, zweitens stört es den Lesefluss und drittens, eventuell spätere Kontinuitätsprobleme würden nur vermindert stattfinden. Siehe Karen Traviss Soap. Nur meine Meinung.
Buch 10 traf mich wie ein Schlag. Noch nie sowas uninteressantes gelesen. Coruscant ist untergegangen, Anakin Tod, Galaxis am Boden. Hauptsache wir kümmern uns ein ganzes Buch um Jainas Liebesleben...rotz... Also ich habs versucht, bin glaub ich auch relativ weit gekommen. Aber als dann Aaron Allstons Rebellenträume an der Tür klingelte landete das Buch aber ganz schnell im Schrank und verstaubt
dort bis heute.. Ich habs nie wieder angerührt und werds auch nie wieder....
Buch 11 und 12 machten wieder alles super. Super Schreibstil, die Hauptstory kam wieder ordentlich voran. Alles tutti. Ganz wie zu Anfang der Reihe.
Verräter dagegen machte mir schon mehr Probleme. Auf der einen Seite war es eine gute, interessante Story. Zudem war der Schreibstil
durchaus ungewöhnlich für einen SW-Roman. Clever und fordernd. Nun, nicht das ich andere SW-Romane damit schlechtmachen möchte. Doch leiden sie viel zu oft unter einen zu kühlen und einfachen Schreibstil. Es ist eigentlich etwas schnell konsumierbares ohne groß nachzudenken. Buch 13 dagegen war doch etwas anderes. Zwar fügt es sich dadurch zwar etwas schlecht in den Gesamtkontex ein, bleibt aber so auch gleichzeitig ein herausstechendes Buch.
Bei Buch 14 geschah dann die nächste größere Pause und forderte so einen Neustart. Diesmal allerdings ab Buch 11. Buch 14 war eigentlich ganz gut geschrieben, langweilte aber ein wenig dadurch da es das Buch war das die Handlung für die letzten Bücher vorbereiten musste. Buch 15-16, diejenigen an die ich mich am wenigsten erinnerte, blieben mir positiv im Gedächtnis. Wenn auch ich noch weiß das in beiden Büchern eigentlich dasselbe passiert. Luke's Gruppe auf der Suche nach Zonama, Han und Leia besuchen einen Planeten des EU's nach dem anderen nur um dafür zu sorgen das so ziemlich jedes Buch vor Erbe der Jedi-Ritter eine Bewandnis hat...
Bis zum Ende gab es dann eigentlich keine Ausfälle mehr. Das Ende
überraschte nicht sonderlich. Aber von Star Wars bin ich es eh nicht
gewohnt überrascht zu werden. Höchstens nur negativ

...
Zusammenfassend, war es die größte Zeitverschwendung meines Lebens? Definitiv nein. Das war die Kopfgeldjägertrilogie.

Fakt ist, nach dem Lesen der ersten Bücher kam es mir damals vor als wäre hier etwas Großes am Start:
1. Etwas was die SW-Geschichte abschließen könnte im EU, zumindestens in Post ROTJ.
2. Etwas wo viele Helden ihren verdienten Heldentod bekommen könnten.
3. Etwas was für sich alleine stehen könnte, da es halt weit genug von den Filmen weg ist und Kontinuitsprobleme nicht so die Rolle spielen würden.
4. Halt etwas Bedeutsames das sogar George Lucas daraus zitieren würde...
Realität heute 2010:
1. Nix ist. Direkt darauf folgt Dark Nest. Schon wieder neuer Alien Feind. Schon wieder Bedrohung... schon wieder... gähn. Doch damit nicht genug. Eine neue Reihe von ähnlichen Ausmaßen kommt gleich hinterher, mit dem innovativen Namen "Legacy of the Jedi". Naja, wenn Wiederholung das Vermächtnis der Jedi sein soll... na gut.
2. Naja gut, Tatsache ist. George schiebt da eigentlich überall seinen Riegel vor. Klar, auch wenn er mit der Zeitlinie nix zu tun hat. Lebende Charaktere bringen Geld. Zudem hat er es schon in ROTJ nicht übers Herz gebracht irgendjemanden zu opfern. Das Chewie sterben durfte
(ja, ich bin ein Fan von Heldentoden) bedarf einer zähneknirschender Zustimmung. Und aus Jacens geplantem Tod wurde Anakin. Super, den fand ich 8 Bücher lang viel sympathischer. Zudem, da es dank Punkt 1 eh noch zig Jahre weitergeht ist die NJO Reihe nichts weiter als ein weitere Station für unsere Charaktere.
3. Es ist so ziemlich alles was an Planeten und Rassen vorher im EU aufgetaucht ist in dieses Werk reingeflossen. Selbstständigkeit nach 19
Büchern? Mal abgesehen von den Yuuzhan Vong, gleich null. Soetwas wäre zumindestens schön gewesen wenn NJO wirklich das Ende geworden wäre. Aber so ist eigentlich nur alles überfrachtet mit Hinweisen auf andere Bücher.
4. Okay, damals hatte ich noch keine Ahnung von EU, von den Mechanismen. Ich war halt recht jung und dachte George Lucas würde das selbst noch alles lesen und absegnen. Mein Wissen heute, dass EU nimmt im SW-Universum einen gewaltigen Platz hinten ein. Nach Verfolgung endloser Diskussionen über Kanon und Nicht-Kanon. Über relevanz und Nicht-relevanz über Bedeutung wurd mir schnell klar:
Das Lesen von SW-Büchern macht Spaß. So lange man nicht zu sehr über Zusammenhänge oder Bedeutung nachdenkt. Es einfach zu genießen und gut zu unterhalten werden, ist der Schlüssel zum Ganzen. Doch einen Weg zu zeigen wo wirklich mal unsere Helden von Yavin, Hoth und Endor mal landen werde ist es nicht. Es ist eine Möglichkeit und jeder trifft am Ende selber seine Entscheidung. Aber es ist kein Allheilmittel zur bestmöglichen Beantwortung der Frage: Was passiert danach?"
Und genauso ist es mit "Das Erbe der Jedi-Ritter". Nachdem ich anfänglich von etwas ganz Großem ausging bin nach Beendigung meiner ereignisreichen Reise mit diesen 19 Büchern dort angekommen wo ich sowieso immer schon hingehöre. Auf den Boden der Tatsachen. Das hier ist nicht die Fortsetzung der Filme in einem anderen Medium. Es ist eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit sich mit seinen Charakteren aus den Filmen auf eine Reise zu begeben. Etwas ausfüllender als es die Filme je sein können. Aber kein Anspruch auf Richtigkeit. Das würde wohl erst bei Star Wars Episode 7-9 passieren. Written by George, produced by George und natürlich directed by George. Natürlich würde das die Post ROTJ Ära im EU völlig pulverisieren

...
Also um abschließend darauf zurückzukommen ob es eine große Zeitverschwendung war und jetzt alles umsonst gewesen ist. Natürlich
nicht. Die NJO ist eine recht erwachsene Buchreihe zum Thema Star Wars die mich sehr lange, quasi fast mein halbes Leben begleitet hab. Während ich meinen Schulabschluss machte, meinen Führerschein bekam, meine eigenes Auto, mein zweites eigenes Auto etc pp bis heute. All diese wichtigen Stationen und viele mehr begleiteten diese Bücher. Damit bleibt die NJO tief in meinem Fandasein verbunden. Nicht als soetwas Großes wie die Veröffentlichung neuer Filme. Nein, sondern als etwas das viel Freude bereitete und viele Erinnerungen geprägt hat.